0 Bewertungen
10.06.2008 
Neuausrichtung der Energiepolitik

Wirtschaftsminister wollen längere Atom-Laufzeiten

Die Wirtschaftsminister der Bundesländer setzen sich für eine Neuausrichtung der Energiepolitik ein. Auf einer Konferenz in Regensburg sprachen sich die Ressortchefs dabei mehrheitlich für verlängerte Laufzeiten von Atomkraftwerken aus. Das Atomgesetz soll entsprechend geändert werden.

HB REGENSBURG. Angesichts der Diskussion um die künftige Energieversorgung in Deutschland haben sich die Wirtschaftsminister der Bundesländer am Dienstag mehrheitlich für eine Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke ausgesprochen. Die deutschen Atommeiler sollten entsprechend ihrer technischen Nutzungsdauer weiterhin genutzt werden, heißt es in einem Beschluss der Konferenz der Minister und Senatoren in Regensburg.

Die bayerische Wirtschaftsministerin Emilia Müller (CSU) nannte die offenbar mit der Mehrheit der unionsregierten Länder geforderte Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken nötig, um die Zeit bis zum stärkeren Einsatz erneuerbaren Energien zu überbrücken. Neue Kernkraftwerke seien aber nicht geplant.

Der thüringische Wirtschaftsminister, Jürgen Reimholz (CDU), sagte es habe in der Konferenz eine deutliche Mehrheit für die Laufzeitverlängerung gegeben. Nähere Angaben machte er nicht. Die gegen eine baldige Abschaltung der Atomkraftwerke eintretenden Minister von CDU, CSU und FDP haben aber die Mehrheit in der Konferenz. Für die SPD-Seite äußerte sich der rheinland-pfälzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering dagegen ablehnend. Die Lösung der schwierigen Energiefrage liege nicht in der Verlängerung der Laufzeiten, sagte er.

Daneben forderten die Minister den Bau zusätzlicher Kohle- und Gaskraftwerke. Der SPD-Politiker Hering sagte, wenn nicht rechtzeitig neue Kraftwerksbauten auf den Weg gebracht würden, werde der Standort Deutschland Schaden nehmen. Es sei deswegen notwendig, bei den Bürgern Akzeptanz für die Neubauten zu erreichen, sagte Hering. Auch die CSU-Politikerin Müller sprach davon, den Einsatz von Kohle und Gas zu fördern.

Besorgt äußerten sich die Wirtschaftsminister über die hohen Preise für Öl und Gas. Sie beschlossen deshalb die Einsetzung einer Arbeitsgruppe, die sich bis zur nächsten Konferenz im Herbst mit Themen von der Öl-Gas-Preiskopplung über Steuermaßnahmen bis hin zur Anwendung des Kartellrechts oder der Verstärkung energieeffizienter Maßnahmen beschäftigen soll.

Der Thüringer Wirtschaftsminister Reimholz äußerte sich jedoch skeptisch zu Vorschlägen, die Koppelung von Gas- und Ölpreis aufzuheben. Zum einen gebe es langfristige Verträge, zum anderen begebe man sich dadurch in die Hand der wenigen Gaslieferanten, warnte er. Ähnlich äußerte sich seine bayerische Amtskollegin Müller. Da mehr als ein Drittel des Gases für Deutschland aus Russland komme, könne der staatliche russische Gazprom-Konzern ohne die Koppelung an den Ölpreis ganz anders auftreten, sagte sie.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

Blogkommentare zu diesem Artikel

weiterBildergalerien

zurück
  • G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, P...

    G8-Gipfelorte: Inseln, Festungen, Paläste

    G8-Gipfel sind nicht ohne Demonstranten denkbar. 1999 fand der letzte „normale“ Gipfel statt – in Köln. Seither igeln sich die Staatschefs an schwer zugänglichen Orten ein. Ein Rückblick.Bildergalerie 

  • Große Koalition: Bilanz mit Schönhe...

    Große Koalition: Bilanz mit Schönheitsfehlern

    Die Finanz- und Wirtschaftskrise bestimmt die Tagesordnung des Parlaments seit bald einem Jahr - und hat mit dazu beigetragen, dass die Große Koalition mehr Gesetze beschlossen hat als einst die Regierung von Kanzler Gerhard Schröder in der Legislaturperiode ...Bildergalerie 

  • Bundestagswahl: Parteien in der Nac...

    Bundestagswahl: Parteien in der Nachwuchsfalle

    Der Bundestag kommt heute zum letzten Mal vor der Sommerpause zusammen. Wenn sich die neu gewählten Parlamentarier im Oktober erstmals versammeln, werden einige altbekannte Gesichter fehlen. Insgesamt 109 Abgeordnete hören auf – darunter viele Experten auf wi...Bildergalerie 

vor

 

 

Vorhersage Deutschland

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Steinbrücks schlechte Bad-Bank-Tricks  Artikel in Merkliste

03.07.2009 von Peter Köhler

Mit den Bad Banks sollten vor allem die öffentlich-rechtlichen Institute ihre Bilanzen entgiften und danach ihre „sauberen“ Kernbanken zu schlagkräftigeren Einheiten formieren. Doch das Bad-Bank-Modell des Bundes für die Landesbanken ist schon vor dem Start zum Scheitern verurteilt. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Schweizer Eigentore  Artikel in Merkliste

03.07.2009 von Torsten Riecke

Die Schweiz hat ein echtes PR-Problem. Das Bild des Schweizer Bundespräsidenten Hans-Rudolf Merz, der sich dem deutschen Finanzminister Peer Steinbrück beugt, ist in Erinnerung geblieben. Es war nicht der letzte Fauxpas des Schweizers. Kommentar

Handelsblatt Marktplatz

Über 220 000 Seminare zu 120 Themen. Aktuell: Abendseminare mit Spitzen-Trainern. Weiter