Wirtschaftsminister zu Guttenberg
Opel: Alle gegen einen im Kanzleramt

Bis zuletzt hat Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Ringen um eine Einigung auf ein Rettungskonzept für Opel die Magna-Lösung abgelehnt, weil er das Risiko für zu groß hält. Doch am Ende musste er sich der Kabinettsdisziplin, dem Machtwort der Kanzlerin und damit seinem ärgsten Gegenspieler auf Seiten der SPD bei dem Deal beugen. Wie der CSU-Politiker bei der Rettung des Rüsselsheimer Autokonzerns immer mehr ins Abseits geriet.

BERLIN/FRANKFURT. Freude sieht anders aus. Abgekämpft steht Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) um 2.13 Uhr am Samstag vor dem Kanzleramt und spricht die für die Opelaner erlösenden Worte. "Ich kann Ihnen sagen, dass eine Lösung gefunden worden ist." Es sind die letzten vier Stunden der Marathonsitzung, die Steinbrücks Nerven strapaziert haben. Um 22.00 Uhr, berichten Teilnehmer am Wochenende, sei klar gewesen, dass Magna das Rennen geschafft hat: Mehr Eigenkapital, keine Dividendenausschüttungen und die Einigung auf die wesentlichen Details der Treuhandgesellschaft mit dem Mutterkonzern GM und der US-Regierung lauten die Verbesserungen im Vergleich zum Ursprungskonzept. Auch die Wirtschaftsberater von Pricewaterhouse-Coopers geben grünes Licht.

Die folgenden getrennten Beratungen von Union und SPD müssten zu dem Zeitpunkt reine Formsache sein - sie sind es aber nicht. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verkündet, er "persönlich sei zu einer anderen Einschätzung des Risikos gekommen" und befürworte weiterhin eine Planinsolvenz für den siechen Autobauer.

Ab da geht es nicht mehr allein um die Opel-Rettung. Es ist die Große Koalition, die vor der Zerreißprobe steht, und die Union, die einen tiefen Riss zu kitten hat. "Planinsolvenz: Was soll das denn überhaupt sein?" geht Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) den Wirtschaftsminister frontal an. Koch hat das Opel-Werk Rüsselsheim vor der Haustür, und gemeinsam mit den Ministerpräsidenten aller Opel-Länder kämpft er längst an der Seite von Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier für das Rettungskonzept des austro-kanadischen Autozulieferers Magna. Der Wirtschaftsflügel der Union jedoch lobt später zu Guttenberg für seine Ablehnung.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), der nach dem ersten vergeblichen Rettungsgipfel in der Nacht zu Donnerstag noch Verständnis für die Bedenken des Wirtschaftsministers zeigt, ist zu Beginn der nach Parteien getrennten Auszeit ebenfalls überzeugt. Magna-Geschäftsführer Siegfried Wolf, heißt es, habe die letzten Zweifler umgestimmt. "Magna startet kein Projekt, von dem wir nicht überzeugt sind", sagt Wolf. Es sei dem Unternehmen sehr klar, dass drei bis vier sehr harte Jahre auf alle Beteiligten zukämen. Doch zu Guttenberg lässt sich nicht umstimmen.

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