Wirtschaftsprojekte als Tarnung
Verfassungsschutz warnt vor Spionage-Angriff

Der Hacker-Angriff auf die Bundesregierung sorgt weiter für Wirbel. Laut Verfassungsschutz ist nicht nur die Politik, sondern vor allem die Wirtschaft betroffen. Immer mehr Nationen versuchten durch Spionage an deutsches Know-How zu gelangen. Drei Staaten sollen dabei mit besonders dreisten Methoden vorgehen.

HB BERLIN. Mit Blick auf Spionage-Vorwürfe gegen China warnt der Verfassungsschutz vor einer regelrechten Beschaffungsoffensive ausländischer Geheimdienste in Deutschland. In Nordrhein-Westfalen bemühe sich der iranische Geheimdienst am aktivsten um Zugang zu High-Tech-Bauplänen, um Informationen über Rüstungstechnik und für sein Atomprogramm zu beschaffen, sagte der Chef des dortigen Landesamtes für Verfassungsschutz, Hartwig Möller, der „Zeit“. Neben dem Iran versuche auch Russland häufig, über Tarnfirmen und gemeinsame Wirtschaftsprojekte an deutsche Hightech heranzukommen, zitierte das Blatt einen ungenannten Geheimdienstler.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf hatte bereits vor einigen Tagen gewarnt, dass der Schaden für die Unternehmen durch Wirtschaftsspionage und -kriminalität bereits bei mehreren Milliarden Euro liege und stetig zunehme. Eigens zur Ausspähung von Konzernen gründeten einige Staaten sogar Scheinfirmen. Die Grenzen zwischen staatlich gelenkter Spionage und der privaten Beschaffung von Informationen über die Konkurrenz würden dabei verschwimmen.

Praktikanten schmuggelten Daten

Opfer seien besonders kleine und mittelständische Unternehmen mit geringen Sicherheitsvorkehrungen. Ausländische Praktikanten schmuggelten Daten, Formeln, Rezepte und Konstruktionszeichnungen aus den Firmen. Immer öfter auch verschwänden ganze Computer, Laptops oder Datenträger.

Die Debatte über Wirtschaftsspionage war ausgelöst worden, nachdem Experten der Bundesregierung offenbar erfolgreich zahlreiche Spionageangriffe von Hackern aus China auf Computer in Ministerien und im Kanzleramt abgewehrt hatten. Die Vorfälle waren unmittelbar vor der China-Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel bekanntgeworden.

Die Angriffe sind für Fachleute keine Überraschung. „Experten wissen schon lange, dass es solche Angriffe gibt“, sagte der Viren- Experte Christoph Fischer. Auch chinesische Hacker seien stark vertreten. China soll auch hinter den Attacken auf Computer des Kanzleramtes und drei Ministerien stecken. Fischer sagte, heute vergehe kein Tag mehr, an dem nicht jeder Internet-Nutzer mit sogenannten Trojaner-Programmen bombardiert werde. „Das ist der ganz alltägliche Wahnsinn des Internet.“

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