Wirtschaftswachstum
Die Dividenden der Demographie

Wirtschaftswachstum – das ist klassischerweise die Summe aus Innovationen, Marktbewegungen, Angeboten und Nachfragen, den Wellen und Tälern von Kapitaleinsatz und Konsum. Wenn es um die entscheidenden Faktoren für langfristiges Wachstum ging und geht, dann wurde der Bevölkerungsentwicklung bisher eher wenig Beachtung geschenkt. Zu Unrecht, wie sich jetzt herausstellt.

ROSTOCK. Heute weiß man, dass der demographische Faktor zu einem Fünftel das Wirtschaftswachstum beeinflusste und dass es einen Zusammenhang zwischen Wachstum und Bevölkerungsentwicklung gibt, der unter Umständen ebenso gewichtig ist wie etwa technologischer Wandel, Innovationen, das Bildungswesen oder der politisch-institutionelle Einfluss einer offenen Gesellschaft.

Kein Wunder, dass angesichts einer alternden Bevölkerung, die unter gewaltigem Kapitaleinsatz zum Beispiel komplett neue Konzepte für Alters- und Gesundheitssysteme braucht, neuerdings auch über den Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Bevölkerungsentwicklung debattiert – und geforscht wird.

Zum Beispiel im Max-Planck-Institut für demographische Forschung in Rostock. Dort erhielten Institutsleiter James W. Vaupel und Elke Loichinger durch Modellrechnungen Unterstützung für ihre These, dass die Verteilung der Arbeit über die Altersgruppen neu überdacht werden müsse und dass Änderungen notwendig seien, „wenn das Altern der Bevölkerung nicht schon bald die wirtschaftliche Entwicklung drosseln soll“. Ein alternativloses, schicksalhaftes Horrorszenario?

Nicht unbedingt: Notwendig sei es vielmehr, ältere Arbeitnehmer verstärkt in das Berufsleben zu integrieren, statt sie, wie heute noch üblich, auszugrenzen. „Würde bis 2025 erreicht, dass die 50- bis 60-Jährigen so viele Stunden arbeiten wie die 35- bis 49-Jährigen und sich die Arbeitszeit der über 65-Jährigen auf 20 Stunden erhöht, bliebe der wirtschaftliche Arbeitseinsatz auch bei einer alternden Bevölkerung konstant.“ Demographischer Hintergrund: Bis 2050 wird die Arbeitsbevölkerung in Europa um 48 Millionen abnehmen; dann kommen auf einen Rentner (über 65) zwei Mitbürger im arbeitsfähigen Alter (heute vier).

Bestätigt hat diese Einsichten und Trends jetzt die stellvertretende Direktorin und Forschungsleiterin des Instituts für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Alexia Fürnkranz-Prskawetz. Die Wissenschaftlerin, die einige Jahre auch im Rostocker Max-Planck-Institut geforscht hatte, trug vor kurzem vor Berufskollegen ihre Thesen vor.

In ihrer brandneuen Studie „The Relationship between Demographic Change and Economic Growth in the EU“ bestätigt sie, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Altersgruppen gibt, die am Arbeitsprozess beteiligt sind, und dem zu erwartenden Wirtschaftswachstum. Ihre Studie wurde von der Europäischen Union initiiert und soll in den nächsten Monaten veröffentlicht werden.

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