Wirtschaftsweise
Wiesbadener Wortmeldungen

Die „fünf Weisen“ sind so fleißig wie nie. Doch sie geben der deutsche Wirtschaftspolitik nicht nur zurückhaltend aufgenommene Ratschläge, sie suchen weiter nach einer neuen Rolle, die dem Sachverständigenrat neuen Einfluss verschaffen soll.

WIESBADEN. Nach dem Kantinenessen einen kräftigen Kaffee im Büro des Vorsitzenden – das ist ein Ritual beim Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Weil die fünf Weisen von Januar bis Juli nur zwei- bis dreimal pro Monat tagen, reichte es bisher, wenn Bert Rürup seine Espressomaschine einmal pro Jahr entkalken ließ. Nicht so in diesem Jahr. Bevor der Rat in diesem Jahr sein Gutachten vorlegte, hat Rürups Maschine schon drei Entkalkungen hinter sich – und der Sachverständigenrat eines seiner arbeitsreichsten Jahre. Neben dem Jahresgutachten haben die Ökonomen gleich zwei Expertisen vorgelegt.

„Das ist in gewisser Weise sogar ein Rekord“, sagt Beatrice Weder di Mauro, die sich mit Rekorden in der Ratsgeschichte auskennt – als erstes weibliches, erstes ausländisches und eines der jüngsten Mitglieder.

Nur entspringt der Fleiß eher dem Zufall des politischen Kalenders als dem Forscherdrang der fünf Weisen. Der Sachverständigenrat sucht weiter nach seiner neuen Rolle, die ihm mehr Einfluss auf die Wirtschaftspolitik verschaffen soll. Schneller, kürzer und dichter ran an die Politik: Die Reformideen für den Rat liegen seit Jahren vor, ohne dass er sie umfassend umgesetzt hätte.

Der „sechste Weise“, Generalsekretär Stephan Kohns, und seine acht Mitarbeiter haben an jeder Sitzung teilgenommen – und am Gutachten mitgeschrieben. Das gilt für Version 1a, die in der Regel im September fertig wird, ebenso wie für Version 2a, die der Endfassung 3f „schon recht nahe“ kommt. Eine vierköpfige Rechencrew liefert den Autoren Zahlen, und so genannte Kapitelbetreuer – Statistiker, die jede dieser Zahlen sowie Quellen hinterfragen und „ganz schön, allerdings im positiven Sinne, nerven können“, wie Rürup zugibt – kontrollieren alles noch mal.

Teamwork hat in Wiesbaden, wo der Rat beim Statistischen Bundesamt untergebracht ist, nicht immer funktioniert. Vor zwei Jahren gab es Zoff im Rat, und die Reputation kam fast unter die Räder. Öffentlich hatten die Weisen Wolfgang Wiegard und Wolfgang Franz dem „Gewerkschaftsweisen“ Peter Bofinger mangelnde Teamfähigkeit vorgeworfen.

Kurz nach dem Streit löste Rürup Wiegard als Chefweisen ab, und die fünf halten wieder zusammen, auch wenn sie inhaltlich in manchem noch meilenweit auseinander liegen.

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