„Wirtschaftsweiser“ Bofinger Merkels Anti-Krisenstrategie ist gescheitert

Für den „Wirtschaftsweisen“ Peter Bofinger ist Angela Merkels Strategie zur Lösung der Schuldenkrise gescheitert. Seine Kritik an der rigorosen Sparpolitik stößt nicht nur bei der Bundesregierung auf Unverständnis.
32 Kommentare
Peter Bofinger plädiert für einen Kursänderung bei der Lösung der Schuldenkrise. Quelle: dapd

Peter Bofinger plädiert für einen Kursänderung bei der Lösung der Schuldenkrise.

(Foto: dapd)

BerlinDer „Wirtschaftsweise“ Peter Bofinger hat den Kurs der Bundesregierung in der Euro-Schuldenkrise scharf kritisiert. Insgesamt habe die Strategie der Bundesregierung, die Krise über einen maximalen Marktdruck und dadurch forcierte Sparprogramme zu lösen, „völligen Schiffbruch erlitten“, erklärte Bofinger in einer Stellungnahme für eine Anhörung des Bundestags-Haushaltsausschusses am Montag in Berlin. Die Wahl in Frankreich sollte für eine Neuorientierung genutzt werden. Andere Experten wie der Chef des Rettungsfonds EFSF stützten dagegen den Kurs der Euro-Länder.

Bei einer Expertenbefragung zum Rettungsschirm ESM und zum Fiskalpakt monierte Bofinger: „Nicht zuletzt die dadurch entstandenen teilweise extrem hohen Arbeitslosenraten von jungen Menschen stellen eine große Gefahr für die politische Stabilität und zugleich für die Zustimmung der Bürger zur Europäischen Union dar.“ Aus Sicht des Wirtschaftsprofessors hat auch die Europäische Zentralbank versagt.

Das Finanzministerium wies die Kritik zurück. Der Parlamentarische Staatssekretär Steffen Kampeter (CDU) warf Bofinger eine Fehleinschätzung der Ursachen der Staatsschuldenkrise vor. „Diese liegen in der Überschuldung der öffentlichen Haushalte in Folge fehlender Finanzdisziplin, sowie der mangelnden wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit in einigen Ländern.“ Konjunkturprogramme wären in diesem Umfeld wenig hilfreich. Auch die Forderung, wirtschaftliche Ungleichgewichte innerhalb der Währungsunion durch eine Rückführung der Arbeitsmarktreformen abzubauen, erscheine wenig zielführend.

Über Fiskalpakt und den im Juli startenden ESM stimmt der Bundestag am 25. Mai ab. Beim Fiskalpakt ist Schwarz-Gelb auf die Opposition angewiesen, da in Bundestag und Bundesrat eine Zweidrittelmehrheit nötig ist. Die Linkspartei hat Verfassungsklage angekündigt, die Grünen plädieren für eine spätere Abstimmung.

Der Chef des befristeten Hilfsfonds EFSF, Klaus Regling, nannte die „rigorose Umsetzung“ der Reformen und Haushaltssanierung dagegen ein zentrales Element, um die Schuldenkrise zu überwinden: „Ich bin überzeugt, dass die europäische Währungsunion mit diesem Maßnahmenbündel aus der Krise gestärkt hervorgehen und in Zukunft besser funktionieren wird“, heißt es in Reglings Stellungnahme.

Warnung vor Verzögerungen beim ESM
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: „Wirtschaftsweiser“ Bofinger - Merkels Anti-Krisenstrategie ist gescheitert

32 Kommentare zu "„Wirtschaftsweiser“ Bofinger: Merkels Anti-Krisenstrategie ist gescheitert"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Viel Hetze gegen ein Gemeinsames Europa. Insondere böse
    feindselige Unterstellungen gegen Frankreich und Griechenland. Beinahe jeder hier abgegebene Kommentar
    brüstet sich mit primitiven Bosheiten und unterstellt dem jeweils anderen Dummheit. Es läßt sich deutlich herauslesen, es geht den Deutschen um ihr Geld, Geld und
    nochmals Geld. Dabei schimmert ihre faschistoide Denk-
    weise durch.
    Dummheit und Stolz wachsen........!

  • Hallo hardy!

    Hb liegt schon richtig mit "Wirtschaftsweise". Was hat Bofinger zur Einführung des Euro gesagt? Der Euro wird als Treibriemen die Wirtschaft der Euro-Zone zusammenschweißen. Nun, er hat nicht ganz unrecht, wenngleich das Vorzeichen nicht stimmt. Die Wirtschaft der Eurozone geht derzeit höchstens zusammen in den Orkus, aber nicht wie Bofinger, der "Wirtschaftsweise" meinte, nach oben. Mit einer solch eklatanten Fehleinschätzung sollte man bis zum Ende der aktiven Zeit den Mund halten. Man kann ja dann hinterher als seniler Alter wie so manche Mitschuldigen an der Euro-Einführung weiterhin vor sich hinbrabeln, dass doch alles nicht so schlimm sei und bis jetzt doch noch keine deutschen Steuergelder verschwendet wurden. Das haben aber die deutschen Staatsbanker kurz vor dem großen Finanzknall mit den US-Ramschpapieren auch gesagt und sich noch dicke Boni gewährt.

  • Jede Theorie für sich genommen funktioniert nicht.
    Man muß doch immer wieder fragen was die klugen Köpfe sonst so machen. Alle Theorien in einen Topf, schütteln und mal sehen was dann rauskommt?
    Sogar Marx hat eine gute Theorie aufgestellt. Aber auch dieses Modell hatte eine gravierende Schwäche.
    Der Mensch wollte nicht wirklich alles teilen.
    Der Mensch ist einfach zu blöde, diese feinen Theorien ins reale zu setzen. Fürs Kapital haben wir die Wirtschaft, für den Menschen die Politik und seine Arbeitskraft. Irgendwo klemmts? Doch wieder an den angeblich so klugen Köpfen, die nur an die EU-Töpfe wollen?
    Eines ist gewiß, es waren die falschen Leute an den falschen Töpfen.

  • was hat denn das mit dem Theme zu tun? Aber wenn schon, wer hat die Versorgung der GKV-Patienten massgeblich verschlechtert? Rot-Grün (Praxisgebühr). Und die wollen jetzt die Bürgerversicherung. Warum wohl?

  • @Dr.Ben: Die deutschen U-Boote und auch Medikamente sind weitgehend auf Kredit gekauft bzw. nicht bezahlt. Informieren Sie sich mal bei der Fa. Merck KG über die Zahlungsmoral griechischer Krankenhäuser. Jemand zu unterstützen, dass er meine Waren kauft, ist eine sehr simplifizierende Ansicht, die einem Betriebswirtschaftler /Volkswirtschaftler eigentlich nicht unterlaufen sollte. Dafür sind karitative Organisationen zuständig. Und die bürgerkriegs-ähnlichen Zustände: Die haben wohl erst mit der misslungenen Euro-Einführung begonnen.

  • auf Bofinger haben wir schon gewartet! Nachdem Prof. Horn einen sehr profanen Vergleich mit der Kinderschaukel brachte, auf der wir und die PIGS-Länder sitzen (sollte als Kinderschaukel-Theorem in die Wirtschaftsgeschichte eingehen), stösst nun der 2. Gewerkschaftswissenschaftler nach. Würzburg und Halle werden damit zu Leuchttürmen in der Wirtschaftswissenschaft, nur merkt das kaum jemand. Man kann mit abstrusen Vorschlägen und Analysen auch einen Ruf zerstören.

  • Europa geht an den unverantwortlichen Schuldenmachern und Betrügern wie Griechenland kaputt,das unsinnige Schulden für rein konsumptive Ausgaben und eine extreme Aufblähung des öffentlichen Dienstes aufgenommen hat und diese jetzt
    nicht mehr zurückzahlen kann und will..Warum soll der deutsche Steuerzahler,der u.a. die Rente mit 67 schlucken soll, für französische Staatsschulden über Eurobonds haften,weil Hollande z.B. Geld für seine diversen Sozial- Wohltaten wie Rente mit 60 u.a.die Spendierhosen anhaben will,ohne die eigenen Mittel dafür zu haben.Die Eurobonds-Liebhaber und Wachstumsprediger a la SPD/DGB -Bofinger verraten die Interessen des eigenen Volkes,das die Südparty bezahlen soll. Wenn das Wirklichkeit wird,was die SPD und ihre Weisen wie Bofinger planen, ist die Ausplünderung Deutschlands im dreißigjährigen Krieg ein Kleinigkeit gegen das,was uns noch bevorsteht.

  • "Die Staatsschuldenkrise mit schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen bekämpfen zu wollen ist wie den Teufel mit dem Beelzebub austreiben."

    Okay, natürlich bringen neue Schulden niemanden weiter. Aber wie bitte will man Menschen Konjunkturprogramme vorenthalten, gleichzeitig aber Unsummen an neuen Schulden machen zur "Eurorettung". Zumal die ganzen Irrsinnsbürgschaften im deutschen Haushalt nicht eingerechnet sind und auch nicht eingerechnet werden. Falls die Bürgschaften fällig werden, versteckt man die Schulden auf irgend welchen Schattenkonten. (Laut Aussage unserer Regierung sind die Target-Salden ja auch nur ein bedeutungsloser Buchungsposten.

    Eine wirkliche Lösung kann man nur bekommen wenn man die EU in der jetzigen Form auflöst und den Euro gleich mit. Man will uns erzählen das die Abschaffung des Euros in das 19te Jahrhundert zurück werfen würde. Aber würde es das wirklich? Ging es nicht allen europäischen Staaten deutlich besser, als wir eine Wirtschaftsgemeinschaft waren?

  • Bofinger hat so pauschal schlicht Unrecht!

    Er schließt aus den Schwierigkeiten und sozialen Verwerfungen, die Folge der Krise sind, auf die notwendigen Methoden.
    Das macht er sich aber deutlich zu einfach, denn die Regierung hat hinsichtlich ihrer Analyse der Ursachen recht.
    Theoretisch wäre die Generierung von Wachstum durch höhere Ausgaben denkbar. Was Bofinger allerdings völlig ignoriert ist die Tatsache das dieser Weg versperrt ist, weil die Politik grundsätzlich und prinzipiell nicht in der Lage ist mit einer solchen Politik den Haushalt zu sanieren, es hat sich als undurchführbar erwiesen mit solchem Ansinnen Mehrheiten zu erreichen.
    Ohne Sanierung allerdings bedeutet Defizit Spending nur eine Aufschiebung und Vergrößerung des Problems.
    Es ist daher leicht die Regierungspoltik zu kritisieren, ob der sozialen Folgen die die Sünden der Vergangenheit nun produzieren.
    Aber für eine solche Kritik fehlt Bofinger der konstruktive Vorschlag, wie denn zukünftig bei erreichtem Wirtschaftswachstum das Staatsdefizit relativ zum Sozialprodukt realistisch sinken könnte. Wobei noch die Demographie einen Erfolg erheblich zusätzlich belasteten wird. Denn schrumpfende Bevölkerungen erlangen unter sonst gleichen Voraussetzungen mit nicht schrumpfenden Gesellschaften ein deutlich niedrigeres Wachstum.
    Somit wirft Bofinger der Regierung nur das drohende politische Scheitern ihrer Politik vor, das für sein eigenes Konzept aber schon längst erwiesene historische Tatsache ist.
    es sit daher wenig seriös das Pendel in die andere richtung herumreißen zu wollen, ohne auf dieses Problem auch nur dne Hauch einer Antwort zu haben.

    H.

  • Zitat:"wer den ESM-Vertrag liest und dort erfährt, dass alle Aktivitäten streng geheim sind, die Akteure von jedweder Auskunftspflicht gegenüber den Staaten befreit und gleichzeitig noch straffrei gestellt werden"

    Und gleichzeitig lobt sich die Politik, wenn Volksvertreter kleinere Nebeneinkünfte offen legen müssen als "transparente" Demokratie. Wohin Milliarden von Steuergeld durch eine korrupte Mafia verschwindet bleibt geheim. Das ist eine EUdSSR wie sie schlimmer und menschenverachtender nicht sein kann.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%