Wirtschaftsweiser Franz „Es besteht die Gefahr einer neuen Blase“

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HB: Der Staat soll also noch mehr Geld in die Banken pumpen?

Franz: Die Banken haben kein Liquiditätsproblem, sondern leiden als Folge der Finanzkrise unter einem massiven Schwund an Eigenkapital. Andererseits müssen sie risikoreichere Kreditengagements mit zusätzlichem Eigenkapital hinterlegen. Es kommt deshalb darauf an, dass die Banken die toxischen Wertpapiere aus ihren Bilanzen auslagern, um so mehr Spielräume für die Vergabe von neuen Krediten zu bekommen und die Bankbilanzen auf eine gesündere Grundlage zu stellen.

HB: Allerdings stößt das Bad-Bank-Modell der Bundesregierung auf wenig Interesse. Bisher will nur die WestLB – und auch nur unter politischem Druck – Risikopapiere auslagern. Woran krankt das Modell?

Franz: Das Bad-Bank-Modell der Bundesregierung ist in erster Linie für Landesbanken geeignet. Für Privatbanken birgt das Modell mehrere Probleme, weshalb bisher meines Wissens noch keine private Geschäftsbank das Angebot genutzt hat. Das hat vor allem damit zu tun, dass aus den Dividenden der Banken die notwendigen Ausgleichszahlungen für die Wertpapierabschreibungen über einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren erfolgen müssen. Eine solche Konstruktion kann dazu führen, dass die Privatbanken zu völlig blutleeren Finanzinstitutionen, sogenannten Zombie-Banken, mutieren oder die Banken übermäßige Geschäftsrisiken eingehen, um so schnell wie möglich die Bad Bank abwickeln zu können. Beides kann niemand ernsthaft wollen. Ich rate dringend dazu, die bestehenden Konstruktionsfehler zu beseitigen.

HB: Die Bundeskanzlerin erwartet, dass sich die Krise bis in das Jahr 2011 zieht. Ist es ratsam, den Ausstieg aus den Krisenprogrammen noch weiter in die Zukunft zu schieben?

Franz: Nein. Die Bundesregierung muss auf jeden Fall eine Exitstrategie vorbereiten, und diese sollte im Jahr 2011 beginnen. Im Vordergrund steht dabei die Rückführung der Nettokreditaufnahme im Bundeshaushalt, damit die neue Schuldenbremse der Verfassung eingehalten werden kann. Zudem besteht die Gefahr, dass die nächste Blase entsteht, wenn die Regierungen und Notenbanken nicht rechtzeitig auf die Bremse treten. Das muss unter allen Umständen verhindert werden.

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