Witten-Herdecke
Privat-Uni hofft auf neues Geld

Die von der Insolvenz bedrohte Privatuniversität Witten-Herdecke hofft auf eine Rettung durch ein Konsortium aus mehreren Investoren. „Ich hoffe, dass wir heute Nacht noch das Ruder herumreißen können, sagte der Sprecher der ältesten Privatuni Deutschlands, Ralf Hermersdorfer, dem Handelsblatt am Montag.

BERLIN. Nähere Einzelheiten wollte er nicht nennen. Nach Information des Handelsblatts ist an den Verhandlungen unter anderen die Software AG Stiftung beteiligt. Die Unternehmensberatung Droege steht zumindest für ein Engagement bereit.

Witten-Herdecke braucht schnell neue Sponsoren, weil die Privat-Universität sonst pleitegeht. Das Innovationsministerium von Nordrhein-Westfalen hatte vergangene Woche die Zahlung der jährlichen Fördersumme über 4,5 Mio. Euro verweigert, weil die Uni weder eine ordnungsgemäße Geschäftsführung habe noch einen testierten Wirtschaftsplan. Sollte die Uni diese Probleme jedoch mit Hilfe neuer Investoren aus dem Weg räumen, kann sie die Mittel 2009 erneut bekommen, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Die Software Stiftung AG – einer der zehn größten Bildungsstiftungen Deutschlands – hat soeben ihre seit Herbst laufende Bürgschaft für die Universität Witten-Herdecke über drei Mio. Euro um drei Monate bis Ende März 2009 verlängert. Schon länger finanziert die Stiftung zwei Medizin-Lehrstühle in Witten. „Die Rettung für die Uni muss aber von woanders kommen“, sagte ihr Sprecher Walter Hiller. Das könnte die Droege Group International sein. „Die Uni liegt uns sehr am Herzen, das Modell ist grundsätzlich gut, und wir sind auch vom inhaltlichen Konzept sehr überzeugt“, sagte Droege-Sprecher Peter Steinke. „Wenn wir gebeten werden, uns an einen runden Tisch zu setzen, um eine Lösung für Witten-Herdecke zu finden, würden wir das ohne Vorbedingung tun“, erklärte er weiter.

Die Unternehmensberatung hatte bereits 2007 über einen Einstieg in Witten-Herdecke verhandelt und damals zwölf Mio. Euro über sieben Jahre angeboten. Mit Hilfe einer ersten Tranche über 2,6 Mio. sei schon Ende 2007 die Insolvenz abgewendet worden. Das Engagement war dann aber im Sommer 2008 daran gescheitert, dass die Uni „keinen tragfähigen Business- und Finanzplan vorlegen konnte“, sagte Steinke.

Droege werde sich allerdings nicht mehr mit der bisherigen Führungsmannschaft an einen Tisch setzen, so sein Sprecher. Das ist auch nicht mehr nötig: Nachdem vergangene Woche schon der bisherige Präsident Birger Priddat seinen Rücktritt erklärt hatte, gab gestern Nachmittag auch sein Stellvertreter Maxim Nohroudi auf, der sowohl Vizepräsident als auch Geschäftsführer war. Insofern steht einer neuen Ausrichtung der Uni zumindest personell offenbar nichts mehr im Wege.

Als Nachfolger werden der renommierte Tübinger Neurologe Johannes Dichgans als Präsident und der Ex-Kanzler der Uni Münster, Klaus Anderbrügge, als Kanzler gehandelt, die beide bereits im Ruhestand sind.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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