Wladimir Putin in ZDF-Doku
„Depressiv ... fett, faul und desillusioniert?“

Mit großer Enthüllungsgeste und unermüdlich aus allen Rohren des Sensationsjournalismus feuernd präsentierte das ZDF Kleinigkeiten und bekannte Klischees über Wladimir Putin. Damit tat sich der Sender keinen Gefallen.
  • 64

BerlinDie Lage ist ernst. Dem kaum eingehaltenen Waffenstillstand in der Ostukraine galt die erste Meldung der 20.00 Uhr-„Tagesschau“, dem Staatsbesuch des russischen Präsidenten in Ungarn die zweite. Im Anschluss, zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr, zeigte das ZDF eine „Dokumentation mit exklusiven Geheimdienstinformationen“ über Wladimir Putin.

Spektakulär an „Mensch Putin!“ war vor allem, dass das ZDF unermüdlich aus allen Rohren des Sensationsjournalismus feuerte und dass sich der 45-Minüter als der Lage grob unangemessen erwies.

Zu sehen gab es zu dröhnender Untermalung überwiegend Fotos und Filmaufnahmen Putins aus unterschiedlichen Lebensphasen – natürlich mit nacktem Oberkörper, aber auch mal mit Badekappe im Pool. Am liebsten nahm Filmautor Michael Renz enervierend suggestiv Putins Augen in den Blick, wo immer sie gefährlich undurchschaubar erscheinen konnten.

So trieb er jene Verrätselung und Personalisierung voran, die Talkshows unter Titeln wie „Auf wen hört Putin noch?“ und „Putins Machtspiele“ schon lange üben – um am Ende mit der Redundanz, die die gesamte Dreiviertelstunde lang schon genervt hat, mitzuteilen, dass Putin „ein Anführer, dessen Weg schwer vorauszusagen ist“, bleibe.

Etappen auf dem Weg zu dieser Erkenntnis waren Fragen wie die, ob Putin schon „sein ganzes Leben lang Probleme in der Kommunikation mit Frauen“ hat, ob er in Wahrheit einsam ist und „Angst vor dem Alter“ hat. Einer „kosmetischen Gesichtskorrektur“ habe er sich 2010 unterzogen, lautete eine der neuen Geheimdiensterkenntnisse über ältere Ereignisse. Das ZDF illustrierte sie mit einem Vorher-Nachher-Fotovergleich, der sich selbst im Standbild nicht erschloss.

Nicht chronologisch im Verlauf psychologisierte der Film zwischen Putins Gegenwart, in der er Staatsgäste stundenlang warten lasse, seiner Zeit als KGB-Offizier in der DDR und kurz seiner Kindheit in den Hinterhöfen Leningrads hin und her.

Seite 1:

„Depressiv ... fett, faul und desillusioniert?“

Seite 2:

Heftig getrunken, heftig geküsst, regelmäßig seine Frau geschlagen

Kommentare zu " Wladimir Putin in ZDF-Doku: „Depressiv ... fett, faul und desillusioniert?“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass man sich wieder als Deutscher schämen muss. Unterirdisch diese Propaganda. Einfach nur noch,,, widerlich!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die übliche Medienkampagne gegen Russland. O

  • Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass man sich wieder für Deutschland schämen muss, ob solcher unter der Gürtellinie schon an Volksverhetzung grenzenden Beitrag. Nur noch unterirdschDie übliche Medienkampagne gegen Russland

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%