WLAN-Störerhaftung
Netzaktivisten begrüßen Signale der Koalition

Betreiber von offenen Netzwerken sollen nicht länger dafür geradestehen müssen, wenn Gäste das WLAN missbrauchen. Darauf haben sich die künftigen Koalitionäre geeinigt. Die Reaktionen sind überwiegend positiv.
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BerlinDie in den Berliner Koalitionsverhandlungen in Aussicht gestellte Haftungsbefreiung für offene lokale Drahtlosnetze, sogenannte WLANs, ist von Internetaktivisten befürwortet worden. Der Verein Digitale Gesellschaft begrüßte am Dienstag die Absicht der Verhandlungspartner von Union und SPD, die sogenannte Störerhaftung zu beseitigen. Die Netzpolitiker von Union und SPD hatten sich am Montagabend auf diese Linie geeinigt.

Durch Änderungen im Telemediengesetz sollten nun die Betreiber von offenen WLANs mit kommerziellen Internetprovidern bei der Haftungserleichterung gleichgestellt werden, forderte die Digitale Gesellschaft. „Damit könnten auch die „Mini-Provider” von der Haftungsfreiheit profitieren, die derzeit bereits für große Provider wie etwa T-Online gilt“, sagte Volker Tripp, Politischer Referent des Vereins.

Bislang haften private Betreiber eines WLAN-Hotspots für eine unberechtigte Nutzung durch Fremde. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) am 12. Mai 2010 entschieden. Wer also seinen drahtlosen Internetzugang nicht ausreichend mit einem Passwort sichert, kann zur Kasse gebeten werden, wenn andere darüber zum Beispiel illegal Musiktitel herunterladen. Das heißt dann Störerhaftung. Bei dem Urteil ging es um den Popsong „Sommer unseres Lebens“.

Bei den laufenden Koalitionsverhandlungen einigten sich Union und SPD nun darauf, diese Haftung drastisch einzuschränken. „Wir wollen endlich Rechtssicherheit im Bereich öffentliches WLAN schaffen“, sagte die CSU-Abgeordnete Dorothee Bär am Montag nach einem Treffen der Unterarbeitsgruppe Digitale Agenda in Berlin. Anbieter von frei zugänglichen WLANs sollten mit sogenannten Access Providern gleichgestellt werden. Dieses Ziel könne durch eine Änderung des Telemediengesetzes oder auch an anderer Stelle erreicht werden. „Wichtig ist uns das Ziel, die Rechtssicherheit.“

Die Co-Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Brigitte Zypries (SPD), betonte, es sei deutlich geworden, dass Deutschland eine Bildungsoffensive bezüglich der Informationstechnologie benötige. Gemeinsam mit den Bundesländern solle eine Initiative gestartet werden, dass Kinder in der Schulen mit Tablet-Computern lernen. Ein weiterer wichtiger Punkt sei, dass Lerninhalte künftig digitalisiert werden sollen. Dies müsse allerdings „technik-neutral“ erfolgen, damit die Schulen nicht an bestimmte Hersteller gebunden würden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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