WM-Erfolg der Kanzlerin

„Jedes Selfie mit Poldi bringt ihr zwei Prozent mehr“

Merkel mit „Schland-Kette“, Fußball-Ahnung und beim Besuch in der Kabine? Nichts davon ist spontan – alles ist geplant. Die Kanzlerin will auf der Beliebtheits-Welle der deutschen Elf mitschwimmen – mit Erfolg.
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Angela Merkel und Lukas Podolski: „Jeder Selfie mit Poldi bringt der Kanzlerin 2 Prozent mehr Zustimmung in der nächsten Umfrage zur persönlichen Beliebtheit der Politiker.“

Angela Merkel und Lukas Podolski: „Jeder Selfie mit Poldi bringt der Kanzlerin 2 Prozent mehr Zustimmung in der nächsten Umfrage zur persönlichen Beliebtheit der Politiker.“

BerlinDer Fußball ist ein gefundenes Fressen für die Politik-Strategen in den Parteizentralen. Längst wurde dort registriert, dass sich bei einem gesellschaftlichen Großereignis wie der Fußball-Weltmeisterschaft Punkte sammeln lassen – wenn es gelingt, die politischen Akteure parallel dazu geschickt in Szene zu setzen. Das gilt insbesondere für die Kanzler der Bundesrepublik.

Auch Angela Merkel wollte beim deutschen WM-Erfolg in Brasilien dabei sein. „In orangenem Sakko und weißer Hose erinnerte sie so gar nicht an die Wächterin über die goldene Drei-Prozent-Budgetregel, die den schlechten Schülern auf die Finger haut“, kommentierte die Tageszeitung „Libération“.

Und Merkel lieferte noch mehr positive und optimistisch stimmende Eindrücke. Nach dem Sieg der deutschen Mannschaft gegen Argentinien zeigte sie sich in ausgelassener Feierlaune. Bilder zeigen die gemeinsam mit Bundespräsident Joachim Gauck zum Finale nach gereiste Regierungschefin strahlend mit DFB-Team und WM-Pokal in der Kabine. Die CDU-Vorsitzende soll sogar mit einer Dose Bier auf den WM-Sieg angestoßen haben

Und Lukas Podolski nutzte die Gunst der Stunde, sein - nach dem Spiel gegen Portugal zweites - Selfie mit der Kanzlerin zu schießen. Ein Coup, vor allem für Merkel. „Jedes Selfie mit Poldi bringt ihr zwei Prozent mehr Zustimmung in der nächsten Umfrage zur persönlichen Beliebtheit der Politiker“, sagt Andrea Römmele, Professorin für Kommunikation in Politik und Zivilgesellschaft an der Hertie School of Governance in Berlin, im Gespräch mit Handelsblatt Online.

Auch modisch zeigte Merkel, wie viel Fanblut in ihr steckt: Beim Finale in Rio präsentierte sie sich mit einer Deutschland-Fußballtasche. Fotos zeigen die Regierungschefin mit der schwarz-rot-goldenen Handtasche, die einem Ball nachempfunden ist. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte dazu, dass Merkel sie in Rio geschenkt bekommen habe und die Tasche bald im Kanzleramt ausgestellt werde.

Der Beutel passt sogar farblich zu der von Fußballfan Merkel getragenen Kette mit Steinen in den Nationalfarben. Dem Schmuckstück wurde deshalb der Beiname „Schland-Kette“ gegeben, die neue Tasche wurde im Netz sogleich „Schland-Tasche“ getauft. Nichts, so scheint es, ist dem Zufall überlassen.

Stimmungsaufschwung ohne Langzeitwirkung
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  • Fußball und immer schön lächeln , aber scheinbar interessiert es Keinen das hier wieder mal Geldverschwendung im großen Stil stattgefunden hat. Der Blitzbesuch unter dem Vorwand politischer und wirtschaftlicher Gespäche und das ausgerechnet zur Fußball WM - ja ja so baut man Vertrauen auf bei der eigenen Bevölkerung )) Wählerstimmen bringt es aber sicher, da es zuviele gibt die bei Fußball den Verstand abschalten ...

  • @ Frau Margrit Steer

    Generell ist Vorsicht geboten, im Internet !

    Stehe zu meinen Kommentaren und hätte kein Problem damit, meinen richtigen Namen zu veröffentlichen.

    ABER, nicht jeder, der unsere Kommentare liest ist seriös oder vertrauenswürdig, leider.
    Zu groß und unbekannt der Lesekreis !

    Und wer als Wähler sich von solchen in Szene gesetzten Bildern beeinflussen lässt, dem ist nicht mehr zu helfen!

    Scheint leider immer noch zu wirken !

  • Ich habe eigentlich kein Problem damit mit meinem vollen Namen hier zu schreiben.
    Allerdings wie früher, mit Vornamen, würde auch reichen, zudem das HB ja unsre vollen Namen ud EMail-Anschriften kennt
    Hier sollte das HB noch einmal übrlegen, ob es nicht wieder dazu übrgeht.
    Denn leider sind auch unter de Schreibern oftmals eigenartige Typen und die müssen usnere vollen Namen nun nicht haben

  • Marc Hofmann
    Bestens beschrieben.
    Da brauche ich nichts mehr zu sagen
    Merek würde auch mit dem Teufel koaliere, wenn dieser ihr die Macht erhält

  • @ real.ist
    IP-Adressen kann sie nicht ausfindig machen, wenn man einen Proxy-Server oder z.B. dieses Ding hier aus echter Schweizer Handarbeit verwendet:
    http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2013/08/enigmaxbox-die-losung-fur-ein-sicheres.html
    Ich ziehe auch einen Nicknamen gegenüber dem Klarnamen vor, weil ich dann in meinen Kommentaren authentischer meine GEFÜHLE rüberbringen kann, während beim Klarnamenzwang immer der Verstand mit reinkommt, z.B. "Habe ich jetzt nicht zu scharf formuliert?". Und schon bin ich nicht mehr authentisch bei dem, was ich schreibe.
    Allerdings wären wir hier in Deutschland ein gewaltiges Stück weiter, wenn sich jeder Kommentator auch mit seinem Klarnamen trauen würde, seine Meinung frei zu äußern.
    Je mehr das nämlich tun, umso unrealistischer wird dieser Orwell´sche Alptraum:
    "Die Geheimdienste, speziell aber die NSA, verfügen über irrsinnig grosse Speicherkapazitäten in ihren Server-Farmen, die flächenmässig so gross sind wie Fussballfelder. Sie können die gesamte Kommunikation der Welt über Jahrzehnte ohne Probleme lagern. Warum tun sie das? Nicht unbedingt um heute etwas gegen unliebsame Personen zu unternehmen, sondern um in der Zukunft die gesammelten Daten gegen einen zu verwenden."
    http://alles-schallundrauch.blogspot.de/2014/06/datensicherheit-nichtstun-ist-der.html

  • @ Alfons Zitterbacke
    Ich habe überhaupt keine Probleme mit meinem Klarnamen. Ich poste hier schon damit seit Jahren. Käme für mich auch gar nichts anderes in Frage.

  • Klar kennt die HBO-IT-Abteilung den Klarnamen, kann sie ja auch meinetwegen.

    Es geht darum der fortschreitenden MEINUNGS-SCHNÜFFELEI entgegen zu treten.Die "Persil-gewaschenen" Propaganda-Artikel der HB-Redaktion entsprechen der Scheuklappen-Presse von Deutschland. Die Kommentare hingegen sind die "Ausserparlamentarische Opposition" und warum sollten Kollegen und Nachbarn so genau die Meinung ihres Nachbarn oder Kollegen kennen ?? Man braucht ja nur alle Kommentare von jemandem zusammenzukopieren und hätte ein komplettes Meinungs-Buch über jemanden über die Jahre.

    Die Redakteure schreiben nur was ihnen aufgetragen wurde, die Kommentare geben ihre echte Meinung wieder. Das ist der Unterschied !

    Meine Meinung dazu. FÜR Beibehaltung der Synonyme für kritische Kommentatoren ! Die Klarnamen kennt die HB-Redaktion ja schon sowieso.

  • @saythetruth: In dem Moment, wo mein account gelöscht wird, nehme ich mir einen Anwalt. Den Spaß mache ich mir, da meine Kriegskasse prall gefüllt ist. Das sollten Sie und andere auch tun. Übrigens glaube ich, dass die Damen und Herren Redakteure zu viel Druck aus der Politik bekommen. Eine solche Maßnahme halte ich für schlichtweg unverhältnismäßig, solange keine strafbaren Inhalte gepostet werden. Und der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit hat (noch immer) Verfassungsrang. Die Meinungsfreiheit geht vor.

  • M. E. dürfte das Gros der Bevölkerung gar nicht den Bundestag wählen, da nicht wahlmündig.

    Die Wahl müsste zudem ganz anders organisiert sein:

    Merkel: ja _ nein X

    Bei mehr Nein- als Ja-Stimmen wäre sie nicht gewählt, und der Posten vakant, so what.

    Wer nicht an der Bundestagswahl teilnehmen darf, kann meinetwegen die Trainieren der Frauen-Fußball-Nationalmannschaft wählen. Vielleicht kandidiert ja Merkel demnächst für diesen Posten.

  • @ Herr SayTheTruth SayTheTruth

    Als ob die Klarnamen, die man dem Handelsblatt dann mitteilt, die tatsächlichen Namen sind.

    Wenn dem Handelsblatt die Forenaufsicht zu Mühsam geworden ist, da zu viele Kommentare gegen die "Netiquette" verstoßen (was kann man nicht alles unter diesen dehnbaren Begriff packen), sollte die Kommentarfunktion besser abgeschafft werden.


    Wahrscheinlich liegt es nicht einmal am Handelsblatt selbst, sondern an irgendeiner Aufsichtsbehörde, die dem Handelsblatt bezüglich seiner Leserkommentare bereits auf die Finger geklopft hat.

    Anhand der IP Adressen kann man ohnehin die Nutzer ausfindig machen.

    Überall die stetig zu beobachtende Zunahme von Zensur, Vorspiegelung falscher Tatsachen oder schlichtweg Lug und Betrug. Die Beispiele sind doch massenhaft vorhanden.


    Auf lange Sicht rächen sich unterdrückte Wahrheiten immer. Sie sind ein Kredit auf die Zukunft, der mit hohen Zinsen abbezahlt werden muss.


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