Wo lagert der deutsche Atommüll?: Die verstrahlte Republik

Wo lagert der deutsche Atommüll?
Die verstrahlte Republik

Gorleben fällt für Castor-Transporte vorerst aus. Kein Problem, denn in Deutschland gibt es noch 14 weitere oberirdische Lager für hochradioaktiven Müll. Außerdem bietet sich Russland als Atom-Klo an – gegen Bezahlung.
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DüsseldorfDie Anti-Atom-Bewegung muss sich neue Schlachtpläne ausdenken: Durch das bekannte Revier – die Wälder im Wendland, die Zeltlager um Gorleben, die Gleise bei Dannenberg – rollt in den kommenden Jahren kein Castor mit Atommüll mehr. „Stoppt die Transporte“, lautete eine der Bedingungen der neuen rot-grünen Regierung Niedersachsens, die Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) nun akzeptiert hat. Dafür bekommt er von Niedersachsen das Okay für ein Standortsuchgesetz, das Gorleben nicht partout ausschließt. Eine Enquete-Kommission soll bis Ende 2015 Zeit bekommen, die Kriterien festzulegen, die ein Endlager erfüllen muss.

Und bis dahin? Wird der hochradioaktive Müll in den Zwischenlagern abgestellt, die sich auf ganz Deutschland verteilen. Ein Platzproblem gibt es nicht. „Das Bundesamt für Strahlenschutz hat bundesweit in den dezentralen Zwischenlagern – auf Antrag und Sicherheitsnachweis der Anlagenbetreiber – rund 1.400 Stellplätze für Transport- und Lagerbehälter, wie beispielsweise Castorbehälter, genehmigt“, sagt Monika Hotopp vom Bundesamt für Strahlenschutz. „Bislang sind 316 Stellplätze belegt.“

Insgesamt gibt es in Deutschland drei zentrale Lager – Gorleben (Niedersachsen), Ahaus (Nordrhein-Westfalen) und das Zwischenlager Nord in Rubenow (Mecklenburg-Vorpommern) – und zwölf dezentrale Lager, die auf dem Gelände von Kernkraftwerken errichtet wurden. Während die Castor-Transporte in das zentrale Lager in Gorleben stets mit großem Bohei von Politik, Atomkraftgegnern und Medien begleitet werden, füllen sich die dezentralen Lager still und leise nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Wie Handelsblatt Online erfuhr, wird das Bundesamt für Strahlenschutz in seinem nächsten Jahresbericht einen Anstieg der Castorenzahl um 27 Stück auf 316 vermelden. In den drei zentralen Zwischenlagern befinden sich insgesamt 243 Behälter. Gefüllt sind die Castoren mit hochradioaktivem Material – abgebrannten Brennelementen aus den Reaktoren. Bei Druckwasserreaktoren sind es 19, bei Siedewasserreaktoren 52 Brennelemente, die in einen Castor passen. Die Strahlkraft ist in etwa die gleiche: Die Castoren sind zugelassen auf einen Wert bis zu 1019 Becquerel. Laut der Umweltorganisation Greenpeace entspricht die Radioaktivität eines jeden Castors in etwa der Menge, die beim Tschernobyl-Unglück insgesamt freigesetzt worden ist.

Die abgebrannten Brennstäbe kommen noch innerhalb des Reaktors für rund fünf Jahre in ein Abklingbecken. Erst dann können sie in einen Castorbehälter gepackt und in das Lager verschoben werden. Dass diese oberirdisch in der freien Natur stehen, überrascht die große Mehrheit der Deutschen, wie das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage zeigt. Danach sind 73,3 Prozent der Bundesbürger überzeugt, dass Atommüll in Deutschland größtenteils unterirdisch lagert. Das Online-Marktforschungsinstitut Mafo hat im Auftrag von Handelsblatt Online die Befragung durchgeführt.

Auch in Gorleben – dem Inbegriff einer deutschen Atommüllsammelstelle – stehen die Behälter in Hallen und liegen nicht etwa tief unter der Erde. In dem Salzstock, der seit Jahren in rund 900 Metern Tiefe auf seine Endlagertauglichkeit erkundet wird, wurde noch kein Castorbehälter abgestellt.

Kommentare zu " Wo lagert der deutsche Atommüll?: Die verstrahlte Republik"

Alle Kommentare
  • Manche haben Glück, dass Dummheit nicht wehtut.

  • Hallo Vandale,

    Sie wissen sicherlich genausogut wie ich, dass das Problem in Fukushima die nicht gebunkerten und sogar unter Null liegenden Notstromdiesel als auch die geteilte Warte für mehrere Blöcke war. Das Problem war, dass der Betreiber sowohl blind, als auch handlungsunfähig war. In D sind die Diesel und Pufferbatterien als auch die Zuleitungen zum Maschinenhaus und Reaktorgebäude gebunkert. Als - ich glaube es war 2004 - schon mal ein Tsunami die Dämme fast ausgereizt hatte, hat sich aber im Sumpf der japanischen Nuklearindustrie niemand gekümmert. In Deutschland hätte es sofort Untersuchungen und millionenschwere Nachbesserungen gegeben. Fukushima ist und war Schlamperei des Betreibers, das geht auch aus dem berühmten Abschlußbericht hervor. In Deutschland ist sowas wegen dem sehr kritisch und unabhängig agierenden Gespann aus Behörde, Gutachter und auch Betreiber gar nicht möglich.

  • @Mabaufreak
    Sind Sie nicht so pessimistisch. Schließlich bekommt die Kernkraft weltweit einen Aufschwung. Die Kernkraft wird weiterhin ein Pfeiler einer wohlhabenden auf der Industriebasierenden Wohlstandsgesellschaft bleiben. Wenn auch nicht im wohlstandsverlierenden Deutschland so aber weltweit.
    Die Naturwissenschaften und die freie Marktwirtschaft spricht für die Kernkraft in einer freien und selbstimmten Volkswirtschaft.
    Deutschland hat diesen freien und selbstbestimmten Weg leider wieder einmal verlassen und befindet sich mal wieder auf den Weg in eine diktierte und unfreie Ideologiegesellschaft. Diesmal kommt diese im "Grünen Gewand" daher.

  • Mabufreak...In Fukushima hatte die Flutwelle den Wasserzulauf der Kernkraftwerke zerstört. Die Nachwärme beträgt in den ersten Tagen nach der RESA einige MW. Dann muss extern Wasser zur Kühlung zugeführt werden. Dazu findet man am Reaktorgebäude Anschlüsse für Feuerwehrschläuche.
    Letztere gab es in Fukushima auch. Da man meinte dass eine Kernschmelze in Japan nicht passieren könne, hat man den Notfalldrill etwas vernachlässigt und so wusste davon keiner.

    Vandale

  • @Denkmal: Die "Wucherung" von der Sie reden, wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geben. Irgendwann um das Millenium herum haben die Konzerne aufgehört nachhaltig zu arbeiten sondern sich nur noch auf die Gewinne konzentriert. Aber warum ist das so. Meiner Meinung nach hätte schon in den 80iger Jahren in den Köpfen der aus meiner Sicht teilweise sehr hochnäßigen Siemens-Ingenieure, damals KWU, ein Umdenken in der Öffentlichkeitsarbeit passieren müssen. Aber anstatt damals Geld und Hirnschmalz in die Aufklärung der Bevölkerung zu stecken um der grün/populistischen Technikfeindlichkeit und aufkommenden Angst entgegenzuwirken, hat man sich gesagt ".. die sind eh zu blöde". Ab spätestens Schröder hatte man aber gar keinen Bock mehr auf Aufklärung weil der Keks schon gegessen war. Ich denke, der Zug ist abgefahren. Die Kinder lernen schon in der Grundschule was Windräder und böser Atomstrom ist und der gesellschaftliche Konsens wird von den Medien propagiert. Außer des geordneten Rückzuges gibt es nix anderes für uns mehr zu tun. Die grün/rote Regierung wird jede noch so sinnvolle Lösung mit aller Gewalt verhindern.

  • Immer noch besser irgendwo in Frankreich als in Wackersdorf. Das ist wie mit dem Radar in der Nasenspitze vom Tornado. Je näher man an der Strahlung drann sitzt um so höher ist *ZENSUR* MÖGLICHERWEISE *ZENSUR* das Krebsriskio. Und um herauszufinden ob die Theorie zum Hodenkrebs richtig ist muß man eben vor der Einstellung als Kampfjet-Pilot Luftwaffe schauen ob damals, vor der Militärzeit, noch alles in Ordnung war.

    http://www.airforceworld.com/fighter/gfx/tornado/tornado_gr4_radar.jpg

  • @Mabaufreak

    Zunächst einmal meinen Dank über Ihre Worte und die Arbeit die Sie leisten. Die 4 Energieversorgungsunternehmen, die nach wie vor zu 80% den Markt beherrschen, haben mit der Atomenergie gewaltige Mengen Geld verdient, tun dies noch und haben über Jahrzehnte die Politik daran teilhaben lassen. Insofern schaut Deutschland zurück auf etliche Legislaturperioden in den die Grünen nicht die absolute Mehrheit gestellt haben und der Atomstrom ein Muss der Energiepolitik war. In dieser Zeit wurden unter Helmut Kohl Gutachten von Lagern bis zur Tauglichkeit geschönt, erhebliche Mehrmengen radioaktiven Mülls eingelagert und vieles mehr.

    Gehen wir von der Richtigkeit der Aussagen von Herrn Vandale und anderen aus, dann haben im gleichen Zeitraum weder die Politiker, die Atombefürworter und die Betreiber es für notwendig befunden, ihr Wissen hieb- und stichfest öffentlich zu machen sowie überprüfbar darzustellen.
    Unsere Demokratie bietet alle Wege für ein solches Miteinander.

    Weder diese Tatsache noch die von Ihnen dargestellte Überprüfungs- und Qualitätsmechanismen zeigen auf, dass hier mit dem notwendigen Allgemeininteresse und dem notwendigen Verantwortungsbewusstsein gehandelt wurde.

    Es bleibt somit m.E. das Fazit, dass die Atombetreiber und -befürworter vor allem an ihrer Unmündigkeit an einer risikoreichen aber ggf. beherrschbarer Technologie gescheitert sind.
    Ein positiver Umgang mit dieser Technik ist offensichtlich weder mit unseren 4 Energieoligarchen, den Kontrollmechanismen und unserem Politikerbezahlsystem vereinbar.
    Daher ist der Atomausstieg - ob vorher von Rot-Grün oder nachher von Schwarz-Gelb - nur eine logische Konsequenz die Wucherung herauszuschneiden, bevor sie richtig bösartig wird.
    Bisher ist sie zum Glück nur teuer.

  • Wenn man die Speisewasserversorgung zerstört passiert genau das Gleiche wie bei einem Auto, wenn man die Luft abdreht... ... das Auto geht aus. Als Betreiber lache ich mich über so einen Angriff kaputt. Die Anlage fährt ab und fährt die Restenergie über den Kondensator und die Turbine. Sollte das nicht reichen wird der Restdruck + Dampf über die sekundärseitigen Abblaseventile in die Umwelt geblasen. Nur als Hinweis, die Sekundärseite ist NICHT radioaktiv. Sollte das nicht reichen wird der Primärkreislauf zusätzlich über die Notspeisewasserbehälter runtergekühlt. Ích hoffe jetzt die richtigen Fachbegriffe verwendet zu haben, Vandale mag mich gerne korrigieren.

  • Der einfachste Terrorangriff setzt bei der Wasserversorgung des KKWs ein... und das geht auch vom Wasser her per Boot und ohne Flugzeug! Nur mal so am Rande erwähnt!

  • Blödsinn! Wasserstoff ist viel näher als gedacht... und das ganz ohne Fusion für die man eh das extrem seltene schwere Wasser braucht.

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