Wo steckt Salah Abdeslam?

Hinweis auf Terrorverdächtigen in Ostwestfalen bestätigt sich nicht

Fieberhaft suchen Behörden nach den Pariser Anschlägen nach abgetauchten Terroristen. Ein Hinweis führte nach Ostwestfalen. Nach einem Großeinsatz ist klar: Der Terrorverdächtige Salah Abdeslam versteckt sich dort nicht.
Update: 24.11.2015 - 18:22 Uhr

Versteckt sich der Paris-Attentäter in NRW?

Rahden/BielefeldNach einem Polizeieinsatz im Zuge der Suche nach dem Terrorverdächtigen Salah Abdeslam in Ostwestfalen gibt die Polizei Entwarnung. Ein Hinweis, dass der international gesuchte Bruder eines der Selbstmordattentäter von Paris sich in Rahden im Kreis Minden-Lübbecke aufhalten könnte, bestätigte sich am Dienstag nicht, wie die Polizei mitteilte.

Mehrere Personen seien am Dienstag bei einem größeren Einsatz überprüft worden. Der Gesuchte sei jedoch nicht darunter gewesen, sagte ein Polizeisprecher. „Nach unseren Ermittlungen können wir bislang davon ausgehen, dass die kontrollierten Personen in keinem Zusammenhang mit den Pariser Attentaten stehen.“ Allerdings dauere die Überprüfung der Personalien an. Der Hinweis auf den international zur Fahndung ausgeschriebenen Abdeslam sei aus der Bevölkerung gekommen. Es habe Anlass gegeben, den Verdacht ernst zu nehmen, sagte ein Polizeisprecher.

Mit Spezialeinheiten war die Polizei daher am Dienstag in der kleinen Stadt am nördlichen Rand Nordrhein-Westfalens angerückt. Einige Straßen im Ortsteil Varl waren stundenlang abgeriegelt. Im Visier standen eine Wohnung sowie ein Fahrzeug. Im Laufe des Einsatzes seien dann neun Menschen, darunter drei Kinder, kontrolliert worden, ohne dass der Verdacht erhärtet werden konnte.

Fieberhaft fahndet die Polizei in mehreren Ländern bisher ergebnislos nach Salah Abdeslam. Er ist der Bruder eines der Pariser Selbstmordattentäter und soll eine Unterstützerrolle bei den blutigen Anschlägen vor zehn Tagen gehabt haben. Zuletzt hatten die Behörden nach dpa-Informationen mehrmals Hinweise auf seinen vermeintlichen Aufenthaltsort erhalten, die aber letztlich nicht zum Ziel führten.

„Es gibt fast immer eine Verbindung nach Molenbeek“
Molenbeek
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Schon länger gilt Belgien als Zufluchtsort radikaler Islamisten – erst recht nach den Pariser Anschlägen im vergangenen November, von denen wieder einmal direkt Spuren nach Brüssel führen. Damals stellte die belgische Presse sogar einen Zusammenhang zwischen den Paris-Attentaten und einem besonders berüchtigten Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates (IS) aus Brüssel her: Abdelhamid Abaaoud; er stammt aus Molenbeek, einem als Islamisten-Hochburg bekannten Brüsseler Stadtviertel.

Großeinsatz
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Einer der Attentäter von Paris soll Verbindungen zu Abaaoud gehabt haben. Der Name des betreffenden Selbstmordattentäters von Paris tauche in mehreren Strafverfahren aus den Jahren 2010 und 2011 zusammen mit dem von Abaaoud auf, meldete die flämische Zeitung „De Standaard“.

Razzia
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Damals eröffnete die Justiz mehrere Strafverfahren. Zwei Verdächtigen wurde ein „Terroranschlag und die Teilnahme an den Aktivitäten einer Terrorgruppe“ vorgeworfen.

In der Nachbarschaft
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Abaaoud, der später bei der Razzia in Paris ums Leben kam, galt als Kopf der Islamistenzelle von Verviers. In dem ostbelgischen Ort war im vergangenen Jahr eine Islamistenzelle zerschlagen worden, die Anschläge auf die Polizei geplant haben soll.

Wohnviertel
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Ein internationaler Haftbefehl wurde auch gegen Salah Abdeslam erlassen, der ebenfalls in Molenbeek gelebt hat und kurz vor den Anschlägen in Brüssel festgenommen wurde. Ein Bruder von Abdeslam war einer der Selbstmordattentäter von Paris.

Brennpunkt Molenbeek
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Belgien ist mit seinen elf Millionen Einwohnern eines der kleineren EU-Länder. Bezogen auf die Bevölkerung hat es aber den größten Anteil radikaler Islamisten, die nach Irak und Syrien in den sogenannten Heiligen Krieg ziehen. Fast 500 „belgische Islamisten“ sind vom Geheimdienst identifiziert worden. Immer wieder wurden in der Vergangenheit Anti-Terror-Gesetze verschärft und terroristische Netzwerke ausgehoben. Trotzdem gilt Belgien als vergleichsweise sicherer Hafen für Islamisten. In der Hauptstadt Brüssel wiederum gilt Molenbeek als Brennpunkt, wo die Arbeitslosigkeit und die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund gleichermaßen hoch sind.

Markt in Molenbeek
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Besonders viele Molenbeeker sind Muslime, und unter diesen findet sich auch eine radikale Minderheit. In dieser kleinen Minderheit gebe es Leute, die „auf europäischer Ebene bekannt sind“ und andere Extremisten anzögen, analysiert der Terrorismus-Experte Claude Moniquet. Belgiens Regierungschef Charles Michel ist sich des Problems bewusst: „Ich stelle fest, dass es fast immer eine Verbindung nach Molenbeek gibt“, sagt Michel.

  • dpa
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