Wohin mit dem Atommüll?
Endlagersuche im Schneckentempo

Deutschland braucht ein Endlager, doch keine Region freut sich über hochradioaktive Abfälle. Die Suche ist mühsam angelaufen – denn die Beteiligten begegnen sich mit Argwohn. Heute fällt immerhin eine erste Entscheidung.
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DüsseldorfMänner, die sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, Händeschütteln und ein Lächeln für die Kameras – das Wort „historisch“ fehlt in keiner Rede. Vor einem Jahr feierten der damalige Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) einen Kompromiss, der einen Neuanfang bei der Suche nach einer Lagerstätte für hochradioaktivem Atommüll in Deutschland ermöglichte. Ein Endlagersuchgesetz wurde verabredet und wenig später verabschiedet.

Seitdem geht die Suche nur im Schneckentempo voran. Schon der allererste Meter in diesem Marathon erweist sich als beschwerlich. Immerhin – um im Bild zu bleiben – nachdem die Schnecken jahrzehntelang den Kopf im Häuschen belassen hatten, haben sie sich nun nach draußen gewagt. Und sie haben ihr Ziel benannt: Eine Lagerstätte finden, die die am wenigsten schlechte ist, um die deutschen Atomabfälle für mindestens eine Million Jahre sicher zu lagern.

Längst haben sie bemerkt, wie steinig der Weg ist, der zu diesem Ziel führt. Dabei klingt in der Theorie alles ganz einfach: Erst kam das durch den Altmaier-Weil-Kompromiss ermöglichte Gesetz, das den politischen Willen formuliert, ein Endlager zu finden. Dann wird als nächstes eine Kommission eingesetzt.

Diese legt die Kriterien für ein solches Endlager und die Suche nach einem geeigneten Standort fest. In der Kommission sind alle gesellschaftlich relevanten Gruppen vertreten: Politik, Wissenschaft, Glaubensgemeinschaften, Wirtschaft, Gewerkschaften, Umweltverbände. Die Beschlüsse der Kommission fließen schließlich in ein zweites Gesetz ein. Dann beginnt die Suche anhand der erarbeiteten Kriterien. Ist der Standort gefunden, kommen dorthin die Castoren voller Atommüll, die derzeit an zig Standorten in ganz Deutschland lagern. Fertig.

Fertig ist bislang aber gerade einmal die Besetzungsliste für die Kommission. Nach monatelanger Verzögerung wird der Bundestag an diesem Donnerstag 33 Mitglieder benennen. Den Vorsitz teilt sich eine Doppelspitze: Neben der CDU-Politikerin Ursula Heinen-Esser soll der frühere Umweltstaatssekretär Michael Müller (SPD) die Kommission leiten. „Die Doppelspitze ist eine vertrauensbildende Maßnahme und gewährleistet ein hohes Maß an Ausgewogenheit“, sagt Ute Vogt, die Atom-Expertin der SPD. Ihre Fraktion wird wohl wie die Union und die Grünen zustimmen – dann könnte sich die Kommission noch vor der Sommerpause konstituieren, erste Mitarbeiter einstellen und Gutachten in Auftrag geben.

Gegen die Benennung wird die Fraktion der Linkspartei stimmen. „Unter den Wissenschaftlern sind etliche, die schon durch ihre Biographie auf den Standort Gorleben festgelegt sind“, sagt deren atompolitischer Sprecher Hubertus Zdebel. Der Altmaier-Weil-Kompromiss sieht vor, dass die Suche nach einem Endlager auf einer weißen Landkarte beginnt. Zu Beginn kommt also jeder Standort infrage. Auch Gorleben, wo die Erkundung schon lange läuft, wird überprüft – aber auch nicht ausgeschlossen.

Die Linke findet aber auch an der Doppelspitze wenig Gefallen. „Der Kommissionsvorsitz sollte unabhängig und unparteilich sein sowie das Vertrauen aller Kommissionsmitglieder genießen“, sagt Zdebel. „Ursula Heinen-Esser und Michael Müller sind aber ehemalige Staatssekretäre aus dem Bundesumweltministerium, die beide mit der alten Atompolitik vorbelastet sind.“

Kommentare zu " Wohin mit dem Atommüll?: Endlagersuche im Schneckentempo"

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  • Politiker haben keinen Ar... in der Hose. Die endlose Endlagersuche in Deutschland ist ein Armutszeugnis und schließt für mich primär die Nutzung der Kernkraft kategorisch aus.

    Es kann nicht sein, dass Dutzende KKW's Tonnen von hochgefährlichen Abfällen produzieren, die letztlich ohne vernünftigen Schutz dauerhaft zwischengelagert werden. Solange nicht klar ist, was mit dem Abfall geschieht, verbitte ich mir jede Renaissance der Kernkraftdiskussion in diesem Lande.

  • Heuchelei von allen Seiten

    Der Neuanfang ist ein großer Betrug, der uns aber bei dem heißen Thema viele Jahre Zeit verschafft. Die Atomkraftgegner heucheln, dass sie irgendeinem Standort zustimmen könnten. Das wird sich spätestens nach dem unvermeidlichen Protest der Anlieger des vorgesehenen Standortes nicht mehr verbergen lassen. Die Gruppen, die tatsächlich ein Endlager suchen, heucheln, sie nähmen den Atomgegnern ihren guten Willen ab.
    Die sinnvolle Lösung ist die Lagerung an einem Ort, der weit von Siedlungen entfernt ist. So etwas haben wir in Deutschland leider nicht. Und zur Zeit werden sich die Atomkraftgegner auf keinen Fall auf ein Endlager im Ausland einlassen, um nicht ihr wichtiges Argument gegen die Kernkraftwerke, das fehlende Endlager zu verlieren.
    Vielleicht bekommen wir ja wirklich eine neue Chance, wenn die AKW in Deutschland abgeschaltet sind und das Argument des fehlenden Endlagers nicht mehr gebraucht wird.

  • Wir brauchen kein Endlager, sondern ein sicheres Zwischenlager.

    Ohne viel Aufwand könnte der ehemalige Regierungsbunker unter dem Ahrgebirge - geplanter Sitz der Verfassungsorgane - der nach Fertigstellung 1971 eine Länge von mehr als 17 Km Länge hatte, benutzt werden.

    Im Augenblick sind nur ca. 200 m als Dokumentationsstätte begehbar, da man ihn zwischenzeitlich zurückgebaut hatte, was auch immer das heißt.

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