Wohlfahrtsverbände setzen auf geringfügig Beschäftigte
Minijobber ersetzen Zivildienstleistende

Die Wohlfahrtsverbände setzen bei sozialen Diensten zunehmend auf geringfügig Beschäftigte und ersetzen so die Arbeit von Zivildienstleistenden. Das sagten Vertreter etlicher Wohlfahrtsverbände auf Anfrage des Handelsblattes.

HB DÜSSELDORF. Die Verbände reagieren damit auf die bevorstehende Verkürzung der Dienstzeit von zehn auf neun Monate. Sie stellen sich auch schon auf einen kompletten Wegfall des Zivildienstes ein, falls in naher Zukunft die Wehrpflicht abgeschafft wird.

Um die Abhängigkeit von den verpflichteten Arbeitskräften zu reduzieren, hat beispielsweise der Malteser Hilfsdienst die Zahl seiner Zivildienststellen drastisch gesenkt. „Wo immer Zivildienstleistende ohne Zusatzkosten ersetzbar waren, haben wir das getan“, sagt Karl zu Löwenstein, Vorstand der Bundesgeschäftsführung der Malteser Hilfsdienste gGmbH. Anstelle von Wehrdienstverweigerern setzen die Sozialdienste dann geringfügig Beschäftigte ein. Auch junge Leute im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) sind eine Alternative. Die Caritas in Düsseldorf stellt sich darauf ein, in zwei bis fünf Jahren keine „Zivis“ mehr einsetzen zu können. Schon mehr als 100 geringfügig Beschäftigte arbeiten für den Stadtverband.

Bundesweit sank die Zahl der Zivildienstplätze von Juni 2003 bis März 2004 um 6650 auf unter 158 000. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Minijobs im Sozial- und Gesundheitswesen um knapp 43 500 auf rund 602 000 – ein weiteres Indiz dafür, dass zumindest teilweise geringfügig Beschäftigte die Arbeit von „Zivis“ übernehmen.

Schritt zu mehr Wehrgerechtigkeit

Obwohl Minijobber bei gleicher Arbeitszeit mehr kosten als Zivildienstleistende, hält sie auch der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) für eine günstige Alternative. „Für einen Dienst wie Essen auf Rädern sind nicht unbedingt 40 Wochenstunden nötig, eventuell reicht ein einzelner geringfügig Beschäftigter als Ersatz“, sagt Joachim Kendelbacher, Sprecher der Awo.

Der Sprecher des Deutschen Caritasverbandes, Michael Bergmann, hält die neue Verkürzung um einen Monat trotzdem für verkraftbar. „Außerdem ist mit der Angleichung der Dienstzeiten von Wehr- und Zivildienst eine alte katholische Forderung erfüllt“, sagt Bergmann. Auch das Diakonische Werk begrüßte die Entscheidung als Schritt zu mehr Wehrgerechtigkeit.

Mittelfristig stellen sich die Verbände auf das Ende des Zivildiensts ein und suchen nach Wegen, ihre Dienste aufrecht zu erhalten. Karl zu Löwenstein warnt, dass der Ausstieg aus dem Pflichtdienst Geld kosten wird: „Wenn die Stellen nicht automatisch refinanziert werden, dann müssen Dienste wie Hausnotruf, Behindertenfahrdienst und Essen auf Rädern wegfallen.“

Awo-Sprecher Joachim Kendelbacher blickt trotzdem optimistisch in die Zukunft der Sozialdienste: „Wir haben die bisherigen Kürzungen der Dienstzeit über 20 Jahre hinweg verkraftet, jetzt werden wir auch das letzte Kapitel lösen.“

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