Wohnen im Ruhestand
Was geht ab, Alter?

Mehrgenerationenhäuser, Senioren-WGs und Westrentner, die ihr Glück im Osten suchen – das Wohnen im Alter wandelt sich. Doch welches Modell ist für wen tatsächlich das richtige? Altern, da sind sich alle einig, kann farbig sein. Drei Lebensentwürfe, drei Hausbesuche.

BREMEN/GÖRLITZ. Er öffnet die Tür, eine breite Hand, ein noch breiteres Lächeln, die Holzdielen knarren sanft unter den großen Füßen. „Kommense rein.“ Er ist ein Riese, in Bremen kennt ihn jeder, hier ist er geboren, hier hat er gearbeitet, hier wohnt er noch immer, mittendrin. Henning Scherf (68), der ehemalige Oberbürgermeister, ist Deutschlands bekanntester Kommunarde, seit seinem Rückzug aus der Politik hört man ihn nur noch über eins sprechen: sein Leben in der Alten-WG.

In Wipperfürth herrscht Basisdemokratie. Drei Frauen, ein Mann, eine heiße Diskussion im oberbergischen Land: Sollen wir einen Obolus erheben, um Pflege daheim zu ermöglichen, wenn wir mal nicht mehr können? Irmgard Steffens ist eine der Damen, 50 Jahre ist sie alt, Mitte August wird sie ein großes Gartenfest mitorganisieren. Das Wipperfürther Mehrgenerationenhaus, in dem sie hier alle leben, ist von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet worden. Die Damen fänden es schön, wenn der Bundespräsident käme.

Von Remscheid nach Görlitz sind es 700 Kilometer. 700 Kilometer in ein neues Leben. Als der Vorruhestand da war, ist Gerd Dausend (69) umgezogen, in den äußersten Osten der Republik. Nach 62 Jahren Remscheid. Jetzt ist alles anders, und vieles billiger. Hier bekommt man noch etwas für seine Rente, viel Wohnung und viel Benzin. Polen liegt vor der Haustür, Luftlinie werden es 500 Meter sein. Die Zigaretten sind drüben auch günstiger.

Herr Scherf, Frau Steffens, Herr Dausend – sie kennen sich nicht, sie wohnen in ganz unterschiedlichen Gegenden in Deutschland, sie alle haben völlig unterschiedliche Geschichten. Aber sie alle haben sich beizeiten mit derselben Frage beschäftigt: Was geht noch ab, wenn wir alt sind? Wie und wo wollen wir leben, wenn das Arbeitsleben vorbei ist, wenn die Kinder aus dem Haus sind, wenn nur noch die Rente bleibt? Altersheim oder heimelig altern?

Sie alle haben längst für sich beantwortet, was Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) in diesem Jahr anschieben will. 2007 soll das Jahr der neuen Alten werden, von Januar bis Dezember eröffnen in ganz Deutschland 439 mit Bundesmitteln geförderte Mehrgenerationenhäuser. Im Juni waren es 51 Orte, vorgestern erst kam ein neuer hinzu.

Doch welches Modell ist für wen tatsächlich das richtige? Da gibt es die Alten-WG für den vermögenden Unruheständler, da gibt es das Mehrgenerationenhaus für Bürger mit weniger Geld, aber gleichviel Gemeinsinn. Und es gibt den Osten der Republik, der mit Niedrigstpreisen lockt: Herr Scherf, Frau Steffens, Herr Dausend – drei Antworten, drei Hausbesuche.

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