Wohnungseinbrüche in Deutschland
SPD kritisiert de Maizières „Hilfssheriff-Vorschlag“

Im Kampf gegen Einbrecherbanden schlägt der Innenminister eine bewaffnete „Wachpolizei“ vor. Der Vorstoß trifft bei der SPD auf heftigen Widerstand. Die Partei fordert stattdessen mehr Personal für BKA und Polizei.
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Berlin, Düsseldorf Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) stößt mit seinem Vorschlag, „Hilfspolizisten“ im Kampf gegen Einbruchsdiebstähle einzusetzen, auf heftige Kritik der SPD. „Wir brauchen im Kampf gegen gut organisierte und international operierende Einbrecherbanden nicht schlecht bezahlte und unzureichend ausgebildete Hilfssheriffs, sondern gut ausgestattete Sicherheitsbehörden, sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burghard Lischka, dem Handelsblatt.

De Maizière plädiert angesichts steigender Einbrüche für schnell ausgebildete Polizisten, die „als Wache in besonders belasteten Vierteln eingesetzt werden.“ Die Angehörigen einer sogenannten „Wachpolizei“ sollten über eine Kurzausbildung verfügen, begrenzte Befugnisse haben, aber Uniform und Waffe tragen, sagte der Minister der „Rheinischen Post“. „Sie würden die Präsenz der Polizei erhöhen und können Meldungen machen.“ Sachsen habe die Wachpolizei bereits eingeführt, es sei ein „zukunftsweisendes Modell“.

Lischka sagte, es sei „lachhaft“, dass die Koordinierungsstelle Organisierte Kriminalität beim Bundeskriminalamt (BKA) nach wie vor nur mit einer Handvoll Leuten besetzt sei. Diese Einrichtung müsse dringend gestärkt werden und auf mindesten 50 Mitarbeiter aufgestockt werden. Außerdem werde sich die SPD in den anstehenden Haushaltsberatungen dafür einsetzen, dass die Bundespolizei nicht nur 3.000, sondern 6.000 zusätzliche Stellen erhält. Einen Personalaufbau bei der Polizei in ähnlicher Größenordnung erwarte er auch von den Ländern, sagte Lischka.

Statt unausgegorene Vorschläge zu machen, solle de Maizière sich bei Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) lieber für eine ausreichende Personalausstattung stark machen. Wenn er das mit den „Hilfssheriffs“ intendierte „Sparprogramm für die innere Sicherheit“ ernst meine, dann sei de Maizière im Finanzministerium sicher besser aufgehoben als im Innenministerium, sagte der SPD-Experte.

SPD-Vizechef Ralf Stegner stieß ins gleiche Horn: „Herr de Maizière will billige Hilfssheriffs für Kriminalitätsbekämpfung“, twitterte er. „Wir brauchen aber gut ausgebildete ordentlich bezahlte Polizisten!“

Die Zahl der Einbrüche in Deutschland hatte sich zuletzt deutlich erhöht. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik gab es im vergangenen Jahr 167.136 Einbrüche mit Diebstählen. Viele dieser Einbrüche werden Tätern zugeschrieben, die bandenmäßig organisiert sind.

Der Bundesinnenminister will neben der Wachpolizei mehr Videoüberwachung zur Abwehr von Einbrechern einsetzen. Dies sei „ein wichtiges Element gegen Einbruchskriminalität“, führte er aus. „Ich möchte aber nicht, dass sich Bürger gegenseitig überwachen.“ Es sei indes möglich, auch Kreuzungen in Einfamilienhaussiedlungen zum Kriminalitätsschwerpunkt zu erklären und dort öffentliche Kameras zu installieren.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wohnungseinbrüche in Deutschland: SPD kritisiert de Maizières „Hilfssheriff-Vorschlag“"

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  • Was soll der arme Kerl denn machen?

    Als er vorschlug, die Maut-Video-Überwachung auch zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen, stellte sich Unionskollege Seehofer vehement dagegen (damals war gerade "Datenschutz" das große Thema).

    Jetzt fordert Seehofer´s CSU eine bundesweite Schleierfahndung (heute ist gerade "Einbrecherbanden" das große Thema).

  • Aushilfspolizisten bekämpfen also die Kriminalität, damit die "richtigen" Polizeibeamten weiterhin mit der Radarpistole hinter irgendwelchen Büschen auf der Lauer liegen können.
    Da soll noch mal jemannd behaupten, dass unsere Politiker keine guten Ideen haben.

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