Wohnungsmangel
Studentenbude im Altenheim – oder im Container

Nach dem Abi freuen sich Schulabgänger aufs Studium. Viele ziehen in eine neue Stadt und sind ernüchtert, wenn sie keine Wohnung finden. Manche ziehen in Seniorenheime oder Turnhallen – und bald auch in Frachtcontainer.
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Hannover/Kiel/BerlinAuf laute WG-Feten verzichtet Abusar Ahmadi gerne. Während seine Kommilitonen in ihren Studentenbuden feiern, lebt der Medizinstudent aus Hannover in eher ruhiger Umgebung. „Meine Nachbarn sind höflich, machen keinen Lärm und liegen auch nicht besoffen vor der Tür“, sagt Ahmadi. Nur manchmal drehen sie den Fernseher lauter. „Weil sie nicht mehr so gut hören.“

Der 27-Jährige Ahmadi wohnt in einem Altenheim, unter einem Dach mit Hunderten Senioren. Er ist dankbar, ein Dach über dem Kopf zu haben. Wegen doppelter Abiturjahrgänge und dem Wegfall von Zivil- und Wehrdienst strömen Erstsemester an die Unis wie nie zuvor. In Deutschland studieren derzeit gut 2,5 Millionen Menschen - öffentlich geförderte Wohnheimplätze gibt es für sie aber nur etwa 230.000.

Bundesweit sind das nach Angaben des Deutschen Studentenwerks mindestens 25.000 Wohnheimplätze zu wenig. Insgesamt gebe es Bedarf von rund 70.000 Wohnungen für Studenten, vermutet DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.

Ein Grund für den Wohnungsmangel: Während die Zahl der Studenten seit 1999 von 1,7 auf 2,5 Millionen anstieg, hat sich der Platz in den Wohnheimen nicht sonderlich erhöht. „Bund und Länder müssen ein gemeinsames Förderprogramm auflegen“, fordert deshalb Meyer auf der Heyde. Um über das Problem zu reden, lädt Bundesbauminister Peter Ramsauer an diesem Freitag zu einem Runden Tisch in Berlin.

Auch in Ahmadis Studentenstadt ist bezahlbarer Wohnraum Mangelware. Rund 38.000 Studenten stehen in Hannover genau 2318 Wohnheimplätze zur Verfügung. „Die Wartezeit kann bis zu einem Jahr betragen“, sagt Ingrid Kielhorn, beim Studentenwerk für die Abteilung Wohnen zuständig.

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