Wohnungswirtschaft

Vom Hof ins Hochhaus – und zurück?

Seite 2 von 2:
Spagat zwischen Wohnungsknappheit und Leerständen
Wie die Landflucht Deutschland prägt
Bevölkerungsentwicklung
1 von 7

Deutsche Großstädte locken Menschen an. Die stärksten Bevölkerungsrückgänge zwischen 2000 und 2015 verzeichneten dagegen die mittelgroße Stadt Suhl (minus 22,1 Prozent) in Thüringen und der Kreis Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg (-21,7). Dagegen konnten sich München (plus 20,5 Prozent), Potsdam (+19,6) und die kreisfreie Mittelstadt Landshut (Bayern/+17,8) über die höchsten Zuwächse freuen.

Alter
2 von 7

Deutschlandweit sind 21 Prozent der Menschen älter als 65 Jahre, in Großstädten nur 19,8 Prozent. Doch es gibt auch hier Unterschiede: Nach einer Analyse des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung vom Herbst 2016 liegt das Medianalter, bei dem die Hälfte der Bevölkerung älter und die andere jünger ist, etwa in Heidelberg (Baden-Württemberg) bei 38,1 und in Chemnitz (Sachsen) bei 48,9 Jahren. Grundsätzlich gilt: Der Osten ist älter. Der Altersdurchschnitt in den ostdeutschen Bundesländern liegt – so das Statistische Bundesamt – jeweils bei mehr als 46 Jahren, bundesweit bei 44,3 Jahren.

Geburten
3 von 7

In Deutschland kamen 2015 im Schnitt 1,5 Kinder je Frau auf die Welt – so viele wie seit 1982 nicht mehr. Am höchsten war der Wert in Sachsen (1,59), am niedrigsten im Saarland (1,38). Da junge Menschen nicht nur in Großstädte zuwandern, sondern teils auch bleiben, gibt es dort mittlerweile mehr Geburten als auf dem Land.

Hotel Mama
4 von 7

Sechs von zehn jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren lebten 2015 noch bei ihren Eltern - vor allem in ländlichen Gebieten. In Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern hatten 78 Prozent noch ein Zimmer im elterlichen Haushalt, in Großstädten ab 500.000 Einwohnern lediglich 45 Prozent. Der Bundesschnitt blieb mit 62 Prozent im Vergleich zu den zehn Jahren zuvor nahezu unverändert.

Binnenwanderung
5 von 7

Manche Regionen sind beliebter als andere – gerade das Berliner und Hamburger Umland zieht viele Menschen aus anderen Bundesländern an. Bei Umzügen innerhalb Deutschlands war 2015 unterm Strich Brandenburg mit 11.440 mehr Zu- als Fortzügen am attraktivsten, gefolgt von Schleswig-Holstein (+7093).

Einkommen
6 von 7

Wer mehr verdienen will, muss oft in eine Stadt ziehen. In Wolfsburg lag das sogenannte Mediangehalt 2015 bei 4610 Euro brutto - das heißt, dass die eine Hälfte der sozialversicherungspflichtigen Vollzeit-Arbeitnehmer mehr, die andere Hälfte weniger erhielt. Damit war das Monatseinkommen in der niedersächsischen VW-Stadt am höchsten. Auch am Audi-Standort Ingolstadt (Bayern/4545 Euro), in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz/4491) und Erlangen (Bayern/4486) bekam man einen richtig guten Lohn.

Das geringste Einkommen gab es im sächsischen Erzgebirgskreis (2036), in Vorpommern-Rügen (2057), im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis (2060) und im sächsischen Görlitz an der polnischen Grenze (2068). Bei Berechnungen des Medianwertes hatte ein Beschäftigter in diesen Gebieten einen halb so hohen Lohn wie die Menschen in den einkommensstärksten Städten.

Mietkostenn
7 von 7

Die Miete in den deutschen Großstädten steigt deutlich. Während in Berlin im ersten Halbjahr 2016 die Preise in Inseraten um 5,5 Prozent höher waren als ein Jahr zuvor, kletterten sie in München sogar um 7,6 Prozent. In Kleinstädten hingegen, die abseits der Ballungsräume liegen, drohen bei andauernder Abwanderung Preisrückgänge. Während etwa in Wunsiedel im bayerischen Fichtelgebirge der Quadratmeter durchschnittlich für 4,24 Euro Kaltmiete angeboten wurde, waren es in München 15,52 Euro.

Momentan passiert aber meist das genaue Gegenteil. Deutschland habe 11.300 Gemeinden, weiß Nagel, „und 84 Prozent von ihnen weisen neue Wohnungsbauflächen aus, obwohl zwei Drittel dieser Gemeinden schrumpfen“. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die wohnungspolitische Förderung des Bundes sollten deshalb auf integrierte Lagen ausgerichtet werden, forderte er.

Das betrifft beispielsweise das Thema Eigentumsförderung, das vor allem Union und FDP angehen wollen und Inhalt der derzeitigen Jamaika-Sondierungen ist. „Wohneigentumsförderung sollte nur für den Erwerb, den Umbau und die Sanierung oder Ersatzneubau von selbstgenutztem Wohneigentum gewährt werden“, erklärte Gedaschko. Neubau am Stadtrand fördere Leerstand im Zentrum und Zersiedelung im Umland. „Immer neue Baugebiete an den Ortsrändern können dazu führen, noch halbwegs funktionierende Innenstädte zu beschädigen.“ Außerdem sollte der Fokus nicht auf den stark nachgefragten Hotspots liegen: „Das verschlingt nur zig Steuermillionen.“

Der Aufbau schnellen Internets ist aber nicht die einzige Herausforderung auf dem Land. Es braucht Kitas, Schulen und beispielsweise multifunktionale Dorfläden, in denen unterschiedliche Dienstleistungen gebündelt werden – beginnend beim Verkauf von Lebensmitteln über Paketannahme bis hin zu Reinigung, Kfz-Zulassungen, Handwerkerdienste sowie Beratungs- und Gesundheitsangebote.

Dafür sind nach Meinung der Wohnungswirtschaft dringend Öffnungsklauseln für bestehende Vorschriften und Regulierungen in strukturschwächeren Regionen notwendig. Außerdem sollte das bürgerschaftliche Engagement in der Nachbarschaftshilfe als eigenständiger gemeinnütziger Zweck steuerlich aberkannt werden.

Angesichts der heißen Phase bei den Sondierungsgesprächen einer möglichen Jamaika-Koalition forderte die Wohnungswirtschaft erneut mehr und vor allem bezahlbare Grundstücke, weniger Normen und Regulierung, eine Abkehr von der Preisspirale bei der Grund- und Grunderwerbsteuer, sowie einen Fokus auf den sozialen Wohnungsbau. Und es müsse über Stadtgrenzen zusammen geplant werden.

Nur so, heißt es, kann der Spagat zwischen Wohnungsknappheit in den Metropolregionen und Leerständen in den ländlichen Räumen bewältigt werden.

Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Wohnungswirtschaft - Vom Hof ins Hochhaus – und zurück?

0 Kommentare zu "Wohnungswirtschaft: Vom Hof ins Hochhaus – und zurück?"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%