Wohnungswirtschaft
Vom Hof ins Hochhaus – und zurück?

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Spagat zwischen Wohnungsknappheit und Leerständen

Momentan passiert aber meist das genaue Gegenteil. Deutschland habe 11.300 Gemeinden, weiß Nagel, „und 84 Prozent von ihnen weisen neue Wohnungsbauflächen aus, obwohl zwei Drittel dieser Gemeinden schrumpfen“. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die wohnungspolitische Förderung des Bundes sollten deshalb auf integrierte Lagen ausgerichtet werden, forderte er.

Das betrifft beispielsweise das Thema Eigentumsförderung, das vor allem Union und FDP angehen wollen und Inhalt der derzeitigen Jamaika-Sondierungen ist. „Wohneigentumsförderung sollte nur für den Erwerb, den Umbau und die Sanierung oder Ersatzneubau von selbstgenutztem Wohneigentum gewährt werden“, erklärte Gedaschko. Neubau am Stadtrand fördere Leerstand im Zentrum und Zersiedelung im Umland. „Immer neue Baugebiete an den Ortsrändern können dazu führen, noch halbwegs funktionierende Innenstädte zu beschädigen.“ Außerdem sollte der Fokus nicht auf den stark nachgefragten Hotspots liegen: „Das verschlingt nur zig Steuermillionen.“

Der Aufbau schnellen Internets ist aber nicht die einzige Herausforderung auf dem Land. Es braucht Kitas, Schulen und beispielsweise multifunktionale Dorfläden, in denen unterschiedliche Dienstleistungen gebündelt werden – beginnend beim Verkauf von Lebensmitteln über Paketannahme bis hin zu Reinigung, Kfz-Zulassungen, Handwerkerdienste sowie Beratungs- und Gesundheitsangebote.

Dafür sind nach Meinung der Wohnungswirtschaft dringend Öffnungsklauseln für bestehende Vorschriften und Regulierungen in strukturschwächeren Regionen notwendig. Außerdem sollte das bürgerschaftliche Engagement in der Nachbarschaftshilfe als eigenständiger gemeinnütziger Zweck steuerlich aberkannt werden.

Angesichts der heißen Phase bei den Sondierungsgesprächen einer möglichen Jamaika-Koalition forderte die Wohnungswirtschaft erneut mehr und vor allem bezahlbare Grundstücke, weniger Normen und Regulierung, eine Abkehr von der Preisspirale bei der Grund- und Grunderwerbsteuer, sowie einen Fokus auf den sozialen Wohnungsbau. Und es müsse über Stadtgrenzen zusammen geplant werden.

Nur so, heißt es, kann der Spagat zwischen Wohnungsknappheit in den Metropolregionen und Leerständen in den ländlichen Räumen bewältigt werden.

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Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin

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