Wolfgang Clement
Das zweite Leben des großen Reformators

Da die SPD nicht mehr auf ihn hört, führt er seine Mission jetzt als Vortragsreisender fort. In der Klosterkirche zu Aachen predigt Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement den schlanken Staat - und trifft auf eine Gemeinschaft von Gläubigen.
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AACHEN. Wolfgang Clement nickt kurz, bevor er zur Kanzel schreitet. Ein Blick in die Sitzreihen der alten Klosterkirche. Die Gemeinde ist versammelt: Damen im Kostüm, manche onduliert; viele Herren, deren Haupthaar ergraut ist oder licht. Clements Weg führt ihn durch ein Spalier aus warmem Applaus. Die Messe kann beginnen.

Die Kanzel ist eine einfache Bühne. Clement prüft, ob die Mikrofone am Pult richtig eingestellt sind. "Wir haben in Deutschland 90000 Steuerberater - die Hälfte aller Steuerberater in Europa", sagt Clement. "Das ist das beste Beispiel für die Komplexität des deutschen Steuerwesens." Zustimmendes Raunen in den Sitzreihen, er hat es an diesem Abend nur mit Gläubigen zu tun, bereit für die Predigt.

Clement weiß, was zu tun ist. Er übt das ja jetzt lange genug, es ist sein zweites Leben. Er war Wirtschaftsminister, der wichtigste Mann in Gerhard Schröders zweitem Kabinett, Verfechter der Agenda-2010-Reformen. Seit fünf Jahren ist nicht mehr im Amt, es hat sich viel verändert seither. Es gab eine Wirtschaftskrise, die noch nicht ausgestanden ist. Die SPD will Hartz IV und schlankem Sozialstaat nichts mehr wissen. Auch von Clement nicht. Clement ist das egal, die große Reformation Deutschlands hat ja mit ihm erst begonnen. Sie muss weitergehen. Clement macht weiter, ohne die SPD, dafür mit den Gegnern von einst.

Er ist Lobbyist der Energiebranche, hält Vorträge und führt Podiumsdiskussionen. Er hat mit Friedrich Merz von der CDU ein Buch verfasst. Ein Buch der Gebote. "Was jetzt zu tun ist - Deutschland 2.0". Der Titel ist auch der Titel dieses Abends in Aachen. Denn Wolfgang Clement, Reformator a.D., tritt nun als Wanderprediger auf.

Weniger Geld für den Sozialstaat, mehr Eigenverantwortung, mehr Geld für Bildung. So steht es geschrieben, in seinem Buch. Das ist zu tun. Das ist zu sagen.

Heute also in Aachen. Aula Carolina, Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert, Länge: 30 Meter, Breite: 19 Meter, in der Regel etwa 450 Sitzplätze, Mietpreis auf Anfrage.

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Kommentare zu " Wolfgang Clement: Das zweite Leben des großen Reformators"

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  • Wie oft kommt diese Mumie noch aus seinem Grab und überschüttet uns mit seinem Unsinn. Es wäre besser das Hb würde ihn endlich im Loch verschwinden lassen. Diese traurige Gestalt fördert nur die Politikverdrossenheit.

  • ich war internatsschülerin bei den Engl. Fräulein, einem Orden in bayern.
    Wir hatten nachmittags, während der Studierzeit, also wo wir Hausaufgaben machten und lernten usw. auch zwei weltliche Erzieherinnen. Eine war Engländerin.
    ich vergesse nie, wenn wir schwätzten, wie von vorne vom Pult, wo sie saß, immer nur kurz und knapp kam "Shut up"
    Genau das sollte man Clement zurufen.
    Genau wie Steinbrück ein selbstverliebter Spinner, der sich maßlos überschätzt

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