Wolfgang Franz
Euro-Bonds sind „ein Fass ohne Boden“

Nach Ansicht des Chefs sind Euro-Bonds in Deutschland rechtlich nicht zulässig. Das sei auch gut so, argumentiert Franz im Interview - und skiziiert die verheerenden Folgen einer Vergemeinschaftung von Staatsschulden.
  • 5

Handelsblatt: EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat Euro-Bonds wieder ins Gespräch gebracht. Zu Recht?

Franz: Ich lehne Euro-Bonds strikt ab. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes ist so zu interpretieren, dass Euro-Bonds in Deutschland rechtlich nicht zulässig sind. Auch aus ökonomischer Sicht sprechen zwei Argumente dagegen: Erstens verhindert eine Einebnung der Zinssätze, dass Finanzmärkte Signale aussenden bei finanzpolitischem Fehlverhalten. Zweitens macht mir eine Vergemeinschaftung der Staatsverschuldung Sorgen; sie wären ein Fass ohne Boden.

Kann sich Deutschland trotz der akuten Sorgen bislang als Gewinner der Euro-Krise fühlen - schließlich sind die Zinsen langanhaltend niedrig?

Diese Frage kann man per saldo mit Ja beantworten. Einerseits beflügeln die niedrigen Zinsen die Investitionstätigkeit der Unternehmen in Deutschland, insbesondere in der Bauwirtschaft. Andererseits besaß Deutschland vor der Einführung des Euros einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Ländern mit hohen Zinsen. Seit es die Euro-Zone gibt, hat Deutschland diesen Wettbewerbsvorteil eingebüßt..

Sie haben die hohe Investitionsbereitschaft der Unternehmen in Deutschland angesprochen. Wie sehr könnten die Investitionen unter einer wachsenden Unsicherheit infolge der Schuldenkrise leiden?

Wenn die Exporte weniger stark zulegen, unter Umständen infolge der unvermeidlichen Konsolidierungsmaßnahmen in vielen Ländern, wird die Bereitschaft der hiesigen Unternehmen zu Kapazitätserweiterungen gedrosselt. Allerdings erfordert die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit innovative Produkte und Produktionsverfahren. Das gilt gerade in einer labilen Konjunktur und spricht eher für Investitionen in Forschung und Entwicklung..

Wie labil ist die Konjunktur? Besteht ein ernst zu nehmendes Risiko einer Rezession für die deutsche Wirtschaft?

Es besteht die Gefahr sich selbst erfüllender Prophezeiungen. Deshalb sollte man mit dem R-Wort sehr sparsam umgehen. Angesichts der für alle Prognosen geltenden Unsicherheit kann man einen solchen Konjunkturrückschlag natürlich nicht ausschließen, aber so weit sind wir derzeit noch nicht..

Seite 1:

Euro-Bonds sind „ein Fass ohne Boden“

Seite 2:

Kommentare zu " Wolfgang Franz: Euro-Bonds sind „ein Fass ohne Boden“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die diversen Sachverständigenräte haben in der Vergangenheit auch sehr viel Unsinn erzählt (man denke nur an Grossekettlers Aussage, dass die Erhöhung von Einkommensteuern in Deutschland schlimmer sei, als die Erhöhung der Umsatzsteuer - angesichts des schwachen Binnenkonsums, der hohen Einkommensungleichheit und der hohen Sparquote eine ziemlich gewagte These).

    Soll der euro gerettet werden, sind Eurobonds die einzige Lösung. Allerdings nur in der Ausführung "blau und rot" und die Nehmerländer der roten Bonds müssten Grundpfandrechte an öffentlichem Boden bei der EU hinterlegen. Des Weiteren müssten die Nehmer roter Bonds ihre Finanz- und Wirtschaftspolitik komplett auf die EU übertragen.

    Falls Deutschland Eurobonds weiterhin ablehnt, wäre ein Ausstieg aus der Eurozone die notwendige Konsequenz. Über Chancen und Risiken wurde schon viel diskutiert, aber ich denke es würde in eine zweite Finanzkrise führen, in der der deutsche Staat nochmals mit bis zu 700 Mrd. Euro für die heimische Wirtschaft einspringen müsste.

  • Wir sind auf dem Weg zum Zentral-Staat mit 1 Weltregierung, so hat man es beschlossen vor über 200 Jahren. Die EU-Diktatur ist nur eine Zwischenstufe und die alternde Stasi-Angela ist ihr Wegbereiter.

    Schon heute haben die Notenbanken alle Macht. aber auch das hat Rothschild schon vor vielen hundert Jahren gesagt, wiee r sich das denkt. Langsam wird es offensichtlich und selbst der letzte Depp auf der Strasse erkennt langsam den weisen Plan, der das alles steuert.

    Sores hat es gestern hier im HB geäußert.

  • Prof. Franz ist sehr vorsichtig in seinen Prognosen. Leider befürchte ich, dass sich die Bundespolitik nicht an seinem Rat orientieren wird und mittels Eurobonds die Marktwirtschaft weiter zurückdrängt. Die EU scheint auf dem Weg in den Dirigismus zu sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%