Wolfgang Kubicki
Ein Querkopf rettet die FDP

Er gilt als Selbstdarsteller, Querschläger und Mann deutlicher Worte. Trotzdem - oder gerade deshalb - hat Wolfgang Kubicki die FDP in Schleswig-Holstein in den Landtag geführt. Es ist sein größter politischer Erfolg.
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HamburgWolfgang Kubicki hat die wohl wichtigste Prüfung seines politischen Lebens mit Bravour gemeistert: Der Spitzenkandidat der FDP wuchtete seine Partei bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein nicht nur über die überlebenswichtige Fünf-Prozent-Hürde, er fuhr mit prognostizierten 8 Prozent sogar ein Ergebnis ein, das unter den gegebenen Vorraussetzungen als herausragend gelten kann. Kubicki selbst sprach von einem„unglaublichen Erfolg“. „Ich bin stolz, dass ich seit 41 Jahren Mitglied der FDP in Schleswig-Holstein bin“, sagte er am Sonntagabend unter dem großen Jubel der FDP-Anhänger bei der Wahlparty in Kiel. „Ich bin stolz auf die Mitglieder, die so unglaublich engagiert Wahlkampf geführt haben.“

In der kriselnden FDP gehört Kubicki zu den profiliertesten Köpfen: Der 60-jährige Spitzenkandidat der schleswig-holsteinischen Liberalen ist schon seit langem weit über die Grenzen des nördlichsten Bundeslandes hinaus bekannt. Bezahlt gemacht hat sich Kubickis eigenständiger Kurs, bei dem er nie den Konflikt mit der eigenen Bundespartei scheut: Der stets akkurat gekleidete Anwalt mit dem silbrig-weißen Haar, dem scharfen Intellekt und dem Hang zu deutlichen Worten liebt die Konfrontation - mit dem politischen Gegner ebenso wie mit der eigenen Parteiführung im Bund.


Der FDP-Wahlkampf in Schleswig-Holstein war ganz auf Kubicki zugeschnitten, er war Gesicht und die Stimme der Partei, die sich vor allem als Anwalt einer konsequenten Wirtschaftswachstumspolitik inszenierte. Kubicki verzichtete allerdings auf die von ihm gewohnten Spitzen gegen die Parteiführung, mit denen schon der Vorgänger des heutigen Parteichefs Philipp Rösler, Guido Westerwelle, zu kämpfen hatte. Das machte sich für den liberalen Querdenker bezahlt, und er blieb seiner Strategie am Wahlabend treu. "Personalspekulationen sind das letzte, was wir gegenwärtig brauchen."

Aus der schleswig-holsteinischen Politik ist der in Braunschweig geborene Jurist und Volkswirt, der als namhafter Anwalt gilt und vor einigen Jahren unter anderem einen Angeklagten in der VW-Korruptionsaffäre vertrat, kaum wegzudenken. Mitte der 1970er Jahre kam er zum Studieren nach Kiel und blieb. 1976 wurde er erstmals in den Landesvorstand der Liberalen gewählt. Die turbulenten Zeiten der "Barschel-Affäre", als das Land 1987 bundesweit in die Schlagzeilen geriet, erlebte er bereits als Vizechef des Landesverbands.

Später war er zeitweise Parteichef, wurde in den Bundestag gewählt und führte die FDP-Landtagsfraktion - eine Aufgabe, auf die er sich seit 1996 vornehmlich konzentriert. An einem Kabinettsposten zeigte der scharfzüngige Redner, dem ein Hang zur Selbstdarstellung nachgesagt wird, hingegen bislang kein Interesse. Auch nach dem schwarz-gelben Wahlsieg 2009, als die FDP 14,9 Prozent erreichte, blieb er lieber an der Spitze der Fraktion.

Als Vorzeige-Liberaler im Norden kennt Kubicki auch harte Zeiten. Schon oft musste die FDP um den Wiedereinzug ins Parlament kämpfen. Kubicki selbst war in führender Position dabei, als die Partei 1983 mit 2,2 Prozent und 1988 mit 4,4 Prozent aus dem Landtag flog. Bei den Wahlen von 1987, 1992 und 1996 schaffte sie es mit Stimmanteilen zwischen 5,2 und 5,7 Prozent nur knapp ins Parlament.

Trotz seines bisweilen harten Auftretens hat Kubicki immer wieder durch sozial-liberale Töne von sich reden gemacht: Jüngst hatte er der Partei ins Stammbuch geschrieben, sie gelte als "kaltherzig" und "nicht-mitfühlend". So sei ein "Zerrbild" entstanden. "Ich will diese Partei verteidigen, gegen Unprofessionalität und mögliche Existenzkrisen." Nach Kubickis Erfolg vom Sonntag dürfte sein Wort in der Partei wieder an Gewicht gewinnen.


Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wolfgang Kubicki: Ein Querkopf rettet die FDP"

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  • Abwarten Herr Kubicki. Denn die Kieler Nachrichten schreiben über Wahlbetrug !

  • Freiheit
    da bin ich dabei

  • Jetzt wird die Halbierung des Wahlergebnisses der Vorwahl schon als Erfolg gepriesen.

    Na, das hätte mal Oscar Lafontaine widerfahren müssen.

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