Wolfgang Schäuble wird 70 Blumen für den ersten Diener

Wolfgang Schäuble wird von seiner Partei mehr respektiert als geliebt. Gelitten hat der heute 70-Jährige unter Helmut Kohl, aber auch unter Angela Merkel. Doch in der Euro-Krise hat der Minister seine Rolle gefunden.
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Seit 1972 sind Wolfgang Schäuble für die CDU im Bundestag. Quelle: Reuters

Seit 1972 sind Wolfgang Schäuble für die CDU im Bundestag.

(Foto: Reuters)

BerlinErst nachdem der Film zu Ende war und die Saalbeleuchtung anging, wurde den Zuschauern im Kino am Alexander Platz in Berlin klar, wer die späten Besucher waren. Der Mann im Rollstuhl war Finanzminister Wolfgang Schäuble, die Frau neben ihm die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Beide zusammen hatten sich den Film „Ziemlich beste Freunde“ angeschaut.

Als Erster angesprochen wurde Schäuble. Ein Besucher dankte ihm für seinen Einsatz in der Euro-Krise. Schäuble zeigte, so schildert er den Vorgang später selbst, etwas verlegen zur Seite auf die Kanzlerin. Eine Geste, die aussagte: Nicht ich bin die entscheidende Person, die da neben mir ist es, die Kanzlerin. Selbst in solchen Situationen zeigt Schäuble sein Selbstverständnis. Dienen bis zur Selbstverleugnung - so könnte man einen Teil des Lebens von Schäuble beschreiben, der am Dienstag seinen 70. Geburtstag feiert.

Sein Politikerleben hat ihn gezeichnet - mit den körperlichen Narben als Folge des Attentats am 12. Oktober 1990 auf ihn und mit den seelischen Narben, die man nicht sieht, die man aber erahnt, wenn er sich verschlossen und manchmal auch verbissen, wenig Widerspruch duldend, in Debatten einmischt. Die größten Narben haben ihm Helmut Kohl und Angela Merkel zugefügt: Der Altkanzler machte Schäuble zum ewigen „Kronprinzen“ in Partei und Staat - und ließ ihn nicht die Nummer eins werden.

Als Schäuble schließlich doch 1998 CDU-Vorsitzender wurde, stoppte ihn die CDU-Parteispendenaffäre. Letztlich konnte man ihm zwar keine konkrete Verfehlung - wie das Wissen um eine Bargeldspende des Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber - nachweisen, doch war seine Loyalität zu Kohl und auch seiner Partei so groß, dass er die Beschädigung seiner Person in Kauf nahm. So wundert es nicht, dass Sisyphos, jener Held der griechischen Mythologie, der im permanent-vergeblichen Hochrollen eines Felsens auf einen Berg seinen Lebensinhalt sieht, eine seiner Lieblingsfiguren ist.

Erst Kohl, dann Merkel
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48 Kommentare zu "Wolfgang Schäuble wird 70: Blumen für den ersten Diener"

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  • Hier werden Kommentare gelöscht, weil sie zu persönlich sind? Diese Kommentare spiegeln lediglich die Unzufriedenheit und den Wut gegenüber den Schandtaten unserer machtbesessen Politiker, allen voran Herrn Schäuble, dar! Wir werden nur belogen und betrogen und der einfache Mann wird alles verlieren! Das ist ein Verbrechen! Ehrliche Meinungsäusserungen werden durch die Redaktion aufgrund der netiquette weggeklickt und gelöscht! Soweit seid ihr schon!?


  • Als "ersten Diener eines Staates" gerade Schäuble zu titulieren, ist schlchte Blasphemie.

    Leuna, 100000 DM, Ritter der Kohlschweigerunde, Wissen um die Kohlsche Schweinerei mit den Stiftungsgeldern in Liechtenstein, und und und....

    Kein Vorbild für meine Generation, kein Vorbild für die nachfolgende Generation und auf keinen Fall mit Persönlichkeiten wie z.B dem Minsterpräsident Goppelvater in Bayern, Karl Schiller etc zu vergleichen. Das waren Diener ihres Staates.

    Gleichwohl: ein gestrafter Mensch , der meine Anteilnahme an seinem Schicksal findet. Ob er aus der "Selbstlüge" zurückfindet ?. Es wär ihm um des pers. Seelenfrieden Willen zu wünschen.


  • @rechner

    ....Welch "Jubelperser" vor dem Herrn....
    Lustig mit Ihnen...
    Ich ziehe Axel Weber vor.... Sie duerfen dann sein Büro führen.... Wär doch mal nee Erleuchtung.

  • @oh_mein_Gott:

    OK ihr Standpunkt ist deutlich, aber was ist der Schluss? Zu Hause sitzen und nichts tun, alles ertragen und Geranien züchten?

    Ich kannte die DDR nur aus dem Fenster auf dem Weg nach Berlin oder vom Drüberfliegen, da haben sie recht. Und dann wie die Mauer gefallen ist.
    Aber noch wird nicht scharf geschossen, das ist zum Beispiel ein Unterschied. Man kann sich eine eigene Meinung bilden und diese auch offen vertreten.

    Ich finde ihren Standpunkt zwar berechtigt, aber die Konsequenz daraus wäre für mich, es kann doch nichts geändert werden, also ziehen wir den Schwanz ein und gehen nach Hause. Genau diesen Gefallen darf man ihnen eben nicht tun. Vor allen Dingen, wo doch bald Wahl ist. Man hat Dinge schleifen lassen, aber noch ist es nicht zu spät um die Demokratie einzufordern. Noch kann man das Blatt wenden und nicht einfach nur zusehen, wie man eine Mauer baut, wo man nicht mehr rauskommt.
    Ich weiss nicht, ob ich meinen Punkt irgendwie deutlich gemacht habe, aber es liegt auch an der Reaktion des Volkes, was man zulässt und es gibt sehr viele, die eben in einer Demokratie aufgewachsen sind und die keine Lust haben, sich diese nehmen zu lassen.
    Jetzt zu resignieren ist genau der falsche Weg. Damit würde man sich jede noch verbleibende Chance nehmen. Diesen Gefallen sollte man den Politikern nicht tun. Letztendlich sitzt das Volk am längeren Hebel, auch wenn das in der DDR ziemlich lange gedauert hat, bis man es begriffen hat.

  • 'calculor' sagt
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    @Rechner: Was haben Sie gegen Willsch? Die von ihm durch Sie zitierten Sätze sind inhaltlich richtig, zumindest nicht falsch, wenngleich populitisch formuliert.
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    Om Zusammenhang mit dem Draghi-Plan zu behaupten, daß die EZB " im ganz großen Stil Staatsanleihen kaufen und sich endgültig von ihrem Vorbild der Bundesbank verabschieden - in Richtung Banca d'Italia" würde ist schlichter Unsinn.

    Denn erstens kann man aus dem Beschluß der EZB weder schließen, daß es überhaupt zu Anleihekäufen der EZB kommen wird, noch daß die "in großem Stil" erfolgen würden.

    Zweitens werden alle Anleihekäufe sterilisiert, sind also nicht im mindesten inflationär, weshalb sein Vergleich mit der "Banca d'Italia" Unsinn ist.

    Und drittens hat die Bundesbank selbst auch schon Bundesanleihen gekauft - was von den EZB-Bashern gerne verschwiegen wird.

    Mit dieser Äußerung demonstriert der Herr Willsch geballte Ignoranz.

  • Ihr_merkt_nichts_mehr
    wunderbar bgesagt. Danke
    So ist es. Die Deutschen lernen nichts aus der Geschichte

  • @Heinz-Rudolph

    Es ist ihre persönliche Meinung, dass die Kommentare nur Pöbeleien und Beleidigungen sind. Damit versuchen Sie Kritiker mundtot zu machen. Ich bin 41 und versuche meinen Kindern Werte beizubringen. Erkenne ich einen Lügner oder Betrüger, dann warne ich meine Kinder vor solchen Menschen und versuche nicht seine schäbigen Handlungen zu vertuschen in dem ich sage, dass der Lügner oder Betrüger auch ein paar gute Seiten hat. Was nützt es, wenn der Serienmörder so Herzensgut ist, dass er seiner Oma jeden Sonntag frische Blumen in die Vase stellt? Aber für Sie scheint es nur wichtig zu sein, dass Sie für ihre Söhne noch jung rüberkommen. Ich bringe meinen Kindern Anstand bei und kann sie allein zu Konzerten schicken. Auch ich bin GF, fahre Porsche und weiß dass ich mir alles selbst erarbeitet habe und keinem Politiker irgendetwas verdanke. Und ich bringe meinen Kindern bei, wie sie von den Medien manipuliert werden und wie öffentliche Meinungsmache betrieben wird.

  • @Atze

    Naja ein Freidenker scheinen Sie ja nicht gerade zu sein!

  • @Atze

    ihr Name scheint wohl Programm zu sein! Tja schon besser, wenn einem das Denken abgenommen wird, Sie wissen ja die Partei hat immer recht!

  • @ Patriot

    Mach das. Das HB wird auch ohne dein Abo überleben. Wichtiger wäre allerdings, dass du dann auch deinen geistigen Müll nicht mehr im Forum absabbelst.

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