Wolfgang Schneiderhan
„Mr. Bundeswehr“ endet als Bauernopfer

Der zurückgetretene Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan ist eine außergewöhnliche Figur der deutschen Sicherheitspolitik. Daran ändert auch sein abruptes Karriere-Ende wegen der „Informationspanne“ nach dem verheerenden Bombardement bei Kundus nichts.
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BERLIN. Dass Deutschlands oberster General einmal als Bauernopfer enden könnte, hatte sich Wolfgang Schneiderhan wohl selbst nicht vorstellen können. Deshalb wird sich der 63-jährige Schwabe nun vorwerfen, nicht früher aus dem Amt des Generalinspekteurs ausgeschieden zu sein. Schließlich hat Schneiderhan damit seit Jahren geliebäugelt – war aber immer wieder gebeten worden, noch einmal zu verlängern.

Doch nun stolpert er offiziell über eine „Informationspanne“ nach dem verheerenden Bombardement nahe der nordafghanischen Stadt Kundus mit mehr als 140 Toten. Der Vier-Sterne-General übernimmt dabei die Verantwortung für den wohl größten Fehlschlag, den die Bundeswehr bei ihren Auslandseinsätzen bisher zu verantworten hatte. Das wirkt konsequent und passt zu seiner Dienstauffassung, dass er als Soldat notfalls den Kopf für seine Vorgesetzten hinhalten muss.

In Wahrheit dürfte er aber bei der angeblichen „Vertuschung“ nur jene Verantwortung übernehmen, die Politikern gefährlich werden kann. Der Generalinspekteur war nach dem Bombardement selbst unglücklich über allzu schnelle öffentliche Festlegungen über die unklaren Folgen des Angriffs gewesen.

Damit endet die Karriere eines Generals, der in der deutschen Sicherheitspolitik eine außergewöhnliche Figur war: Schneiderhan hatte als „GI“ unter den Verteidigungsministern Rudolf Scharping (SPD), Peter Struck (SPD), Franz Josef Jung (CDU) und eben Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gedient. Dass er bis gestern alle politischen Wechsel an der Spitze des Ressorts überlebte, lag vor allem daran, dass er als verlässlich, kompetent, integer und parteiübergreifend loyal eingestuft wurde.

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