Wolfram Weimer zur Islam-Debatte

„Das Klima der Angst zeigt Wirkung"

Wie weit soll die Kritik am Islam gehen, was ist der Satire erlaubt? Alles, argumentiert Publizist Wolfram Weimer. Der Staat müsse sich raushalten und dem Trend zur Selbstzensur begegnen.
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Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Mit seinen Mohammed-Karikaturen löste das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ im September 2012 weltweite Proteste unter Muslimen aus. Damals führte Handelsblatt Online dieses Interview über Satire und den Islam.

Herr Weimer, islamfeindliche Provokateure nutzen die Freiheiten der offenen Gesellschaft gezielt als Einfallstor, um Hass zu schüren. Soll der Staat sich dagegen wehren, oder muss er es ertragen?
Das Problem liegt weniger bei islamfeindlichen Provokateuren als bei Radikalislamisten, die jeden Anlass suchen, um gewalttätig zu werden, die ein Klima von Bedrohung und Angst verbreiten, ja nicht einmal davor zurückschrecken, andersdenkende Menschen umzubringen. Sie wollen die Regeln der freien Gesellschaften nach ihren Maßstäben neu definieren. Wir sollten uns daher gerade nicht in einen Kreislauf der Selbstzensur drängen lassen, sondern die Freiheit der Kunst, der Literatur, der Debatte und auch der Satire unbedingt verteidigen.

Wo liegen die Grenzen? Sollten die Behörden eine öffentliche Aufführung des Islam-Films verbieten – mit welchen Argumenten?
Diese Debatte ist lächerlich. Der Film wird in jeder Sekunde öffentlich aufgeführt, im Internet mit millionenfachen Downloads. Der Staat sollte gar nichts verbieten, was im Rahmen der Meinungs- und Kunstfreiheit geschieht. Alles andere wäre eine Anbiederung an religiösen Fundamentalismus.

Das Christentum ist in freien, aufgeklärten Gesellschaften zuhause. Der Islam in der Regel nicht. Ergeben sich daraus unterschiedliche Grenzen für Kritik und Satire?
Natürlich nicht. Umgekehrt wird ein Schuh draus. Wenn die Verhältnisse in islamistischen Regimen brutaler werden, wenn Bürgern grundlegende Menschenrechte aberkannt werden, wenn Studenten fürs Demonstrieren gefoltert und wenn Frauen wegen Ehebruchs gesteinigt werden – dann ist doch die offene Kritik der freien Welt umso nötiger. Alleine die Tatsache, dass sich eine unsägliche Frauen-Apartheid in vielen islamischen Länder etabliert, dass Frauen massenhaft als Menschen zweiter Klasse unterdrückt werden, kann die Kritik nicht ruhen lassen. Denn häufig ist unsere Kritik die letzte Hoffnung der Unterdrückten.

Meinungsfreiheit kann jeder ausüben, Pressefreiheit nur derjenige, der über ein Medium verfügt. Gilt das in Zeiten von Youtube, Facebook und Blogs noch?
Die Grenzen verschwimmen, und das ist im Sinne der Freiheit sehr erfreulich. Wir haben bei den Revolutionen in arabischen Diktaturen ja beobachten können, wie das Internet zum Sturz der Regime beigetragen hat.

Satire darf sich mit dem Islam auseinandersetzen. Sollte sie es in der aktuell aufgeheizten Situation auch, muss sie es erst recht?
Leider zeigt das Klima der Angst, das Islamisten verbreiten, bereits Wirkung. Es gibt unter Karikaturisten, Satirikern und Journalisten seit den Mohammed-Zeichnungen aus Dänemark einen Trend zur Selbstzensur. Die Fundamentalisten haben damit bereits einen Etappensieg errungen. Leider ist diese Entwicklung aber auch in der Gesellschaft insgesamt zu beobachten. Nikolausfeiern in Kindergärten werden abgesagt, Fußballvereine wie Real Madrid entfernen ihre Symbole mit christlichen Bezügen, Stewardessen werden gehalten ihre Kreuze von den Halsketten abzulegen, islamkritische Kunstwerke oder Theaterstücke werden kaum mehr gezeigt. Ich halte das für eher für ein Indiz von Feigheit als für Klugheit.

Was treibt die französische Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ und die deutsche Titanic an: Lust an der Provokation – oder das Geschäft?
Wahrscheinlich beides.

Sie wollen demnächst das traditionsreiche Satire-Magazin Pardon wiederbeleben. Wenn das Heft am Montag an den Kiosk ginge – was wäre auf dem Titelbild zu sehen?
Die Freiheits-Umfaller im Westen böten Anlass für manch bissigen Scherz.

Herr Weimer, danke für das Gespräch.

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55 Kommentare zu "Wolfram Weimer zur Islam-Debatte: „Das Klima der Angst zeigt Wirkung""

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  • Genau, die Schuld allein auf die Agitatoren in Nahost schieben...

    Die können nur so gut funktionieren, weil der Westen überhaupt nicht so gemäßigt und weise ist, wie er es gerne wäre. Sonst würde das Verunglimpfen der Menschen, die in dieses von Religion bestimmte System hineingeboren wurden, (Meinungs)freiheit nicht kennen und kaum eine Gelegenheit haben über ihren Tellerrand hinauszublicken, überhaupt nicht stattfinden.

    Herrn Weimer fehlt es an Empathie. Das Mohammedvideo hat überhaupt nichts mehr mit Meinungsfreiheit zu tun. Denn dort wird keine Meinung geäußert, sondern ein Glaube ins Lächerliche gezogen, der für die Menschen in Nahost das einzig relevante im Leben darstellt. Und letzteres ist genau der Umstand, gegen den wir im Westen kämpfen müssen. Als zivilisierte und säkularisierte Welt muss eines unserer Ziele sein, dass wir kein weiteres Material liefern, durch das wir dämonisiert werden können.

    Und am allerwenigsten dürfen wir auf Grund von Atomwaffenvermutungen militärisch dort einfallen. Das ist ein Schnitt ins eigene Fleisch. Der Zug ist jedoch schon längst abgefahren.

    Wer die Schuld alleine den Islamisten zuschreibt, hat einfach ganz ganz viel nicht verstanden. Und wer das Mohammedvideo der Meinungsfreiheit unterstellt, dem unterstelle ich Boshaftigkeit und/oder Idiotie.

    Und sollte meine zugegebener Maßen sehr kritische Meinung in Bezug auf Herrn Weimers Worte von der Redaktion gelöscht werden, so untermauerte dies nur, in welch aberwitzigen Zustand sich unsere "Meinungsfreiheit" befindet.

  • +++Beitrag von der Redaktion gelöscht+++

  • religion ist privatsache..jeder hat ein recht auf seine illusion

  • Herr Weimer hat völlig recht, Angst bestimmt die Debatte hierzulande wenn es um den Islam geht.

    @Rechner - Sie schreiben "Islamische" Terroristen, und Sie schreiben das völlig bewusst und zutreffend. Ich verachte sicherlich Holocaust-Leugner, von Shoah bis Aghet, und trotzdem finde ich selbstverständlich, dass Holocaust-Leugnung oder Relativierung erlaubt sein sollte, allerdings hoffe ich auf Ächtung der Mehrheit solcher. Nichts gehört verboten was die Meinungsfreiheit betrifft, außer lebende Menschen, egal ob Volksgruppe oder Individuen, direkt zu verleumden oder zu Hass, zu Gewalt oder gar zu Mord gegen diese aufzurufen.

    Meiner Meinung nach war der Prophet Mohammed ein kranker, perverser, mordender, lügender und versklavender Kriegsherr, in zu vielen Suren, Koranstellen, Hadithen- und Sira-Beschreibungen ist dies belegt. Verleumden kann man mit der Wahrheit, oder Teilen der Wahrheit nun einmal nicht.

    Islamische Abbildungen des Propheten:

    http://zombietime.com/mohammed_image_archive/islamic_mo_face_hidden/

  • #Laienrichter: Sie sagen, diejenigen die den Islam als totalitäre, gewalttätige Ideologie kritisieren seien "hirnverbrannt".
    Genau diese Kritik wird doch von den mordenden und randalierenden "Gläubigen" dieser Ideologie perfekt bestätigt. Ist das nicht "hirnverbrannt"?

  • Besonders befremdlich finde ich, wie Politiker und Journalisten jetzt mit vollkommen verdrehten Argumenten die Schuld dafür, dass mohammedanische Horden sengend und mordend durch die Straßen ziehen, einem harmlosen satirischen Film geben. Dazu kann ich nur sagen: Angst essen Urteilsvermögen auf.

  • Ich bin dankbar und erfreut, dass Herr Weimer zu denen gehört, die noch vernünftig und klar denken können. Alle anderen sollten den Koran lesen und die islamischen Überlieferungen vom Leben und Wirken Mohammeds. Sie werden sehen, dass die Argumente der Islamkritiker in diesen Schriften des Islam und im Verhalten fanatischer Moslems mehr als bestätigt werden. Kleine Kostprobe, wie nach Anweisungen Allahs Moslems mit Nichtmoslems umgehen sollen:
    Koran, Sure 4, Vers 89:
    “Sie wünschen, dass ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, und dass ihr ihnen gleich seid. Nehmet aber keinen von ihnen zum Freund, ehe sie nicht auswanderten in Allahs Weg. Und so sie den Rücken kehren, so ergreifet sie und schlagt sie tot, wo immer ihr sie findet; und nehmet keinen von ihnen zum Freund oder Helfer.”

  • Zitat: "Wer die Wahrheit sagt und die Finger in die (islamische)Wunde legt, wird als Nazi oder Rassist diffamiert."

    Da Nazis und Rassisten nie die Wahrheit sagen, sondern sich ausschließlich in Lügen, Beschimpfungen, Beleidigungen, Gewaltandrohung und Gewaltanwendung artikulieren, passt ihr Vorwurf nicht.

  • Wir sind immer noch ein besetztes Land ohne Verfassung und Rechte.Die BRD ist eine Verwaltung der Siegermächte und kein eigener Staat. Unsere sogenannten Politiker sind Mietmaulstatisten.Die Bundeskanzlkerin macht nur das, was von ihr erwartet wird und arbeitet auf Weisung der Bilderberger. Staatsanwälte werden von der Politik eingesetzt und arbeiten nur auf Weisung.
    Richter haben keine Gesetze mehr(durch die sogenannte Wiedervereinigung gestrichen) nach denen sie Recht sprachen! Darum finden wir auch keine Unterschrift unter einem Urteil. Auch die Polizei keine Unterstützung. Alle haben angst um ihren Job. Das Schlimme ist, dass 95% von den Deutschen weder Traute noch Mut hat zu sagen jetzt reicht es. Wie Schafe lassen sie sich zur Schlachtbank führen.

  • @margrit
     Ich könnt jetzt auch sagen ich kenne es anderst. Ich kenne 10mal mehr muslime, die die Aufregeung um dieses Video nicht verstehen können, als andere. Aber man sieht doch oft einfach nur das, was man sehen will. Das git für sie wie aber auch für mich. Subjektive Ansichten widerspiegeln kaum die Welt wie sie tatsächlich ist. Dafür hat das Subjekt, also sie und ich einfach zuwenig reichweite um alles zu sehen. Im normalfall und mit ein bisschen selbstreflexion sollte man das auch wissen. Dafür hätten wir ja aber die Medien. Doch auch die sind oft nur noch sehr einseitig und billig. 
    Sie kommen mit Goethe ich komme mit sokrates und sage:"Ich weiss das ich nichts weiss" Ich weiss nicht, wie es ist in ein fremdes Land gehen zu müssen nur weil man im eigenen Land nicht anständig leben kann. Und wir westler sollten uns bewusstsein, das unser Reichturm auch nur da ist, weil wir in früheren Zeiten kolonialisierten und menschen und fremden Kulturen ausgebeutet haben! Im grunde genommen machen wirs heute immer noch nur mit dem unterschied das China nun auch mitmacht.. Also zusammen gefasst, leute die ihr Land verlassen tuen dies meist selten aus purer entdeckerlust sondern weil sie gezwungen werden. Sie kommen dan in ein Land wo nur so vor unverschämten Reichtum platzt und insgeheim wissen sie woher dieser Reichtum kommt. Da kann man noch so oft sagen "wems hier nicht passt der soll gehen" das ist nichts als ne dumme floskel und wiederspiegelt die tatsächlich viel komplexere realität einfach nicht! 
    Und neee lesen an und für sich bildet nicht autimatisch. Es kommt schon auch noch drauf an WAS man liest und noch mehr ob man dan auch noch fähig ist selber zu denken. Den nicht vermeintlichen fakten zu wissen und zu lernen ist Bildung sondern mit ihnen vernünftig umzugehen, das ist Bildung!!

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