Würzburg-Attentat
Die neue Dimension von Terror

Nicht vernetzt, unauffällig, radikalisiert: Einzeltäter wie der 17-Jährige in Würzburg hinterlassen eine Spur des Schreckens. Dagegen gibt es kaum präventive Mittel. Doch die Politik will dem Phänomen Herr werden.

BerlinParis, Brüssel, Istanbul, Nizza. Und jetzt in einem Regionalzug bei Würzburg. Jenseits von Großstädten und Menschenansammlungen, irgendwo in der unterfränkischen Provinz, geht ein 17-jähriger Flüchtling mit einer Axt und einem Messer auf Fahrgäste los. In einem Video bezeichnet sich der Jugendliche als Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Deutsche Sicherheitsexperten sind nach der Würzburger Attacke alarmiert. „Was wir jetzt in Würzburg erlebt haben, ist für Deutschland eine völlig neue Dimension“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamten (BDK), Ulf Küch, dem Handelsblatt. Gegen solche Einzeltäter, wo ein Jugendlicher afghanischer Herkunft in einem Regionalzug am Montagabend mehrere Menschen mit einer Axt und einem Messer schwer verletzt hat, seien die Sicherheitsbehörden „relativ machtlos“. „Wir können nicht in die Köpfe solcher Leute hineinschauen.“

Die neue Qualität des Terrorismus ist es, die den Sicherheitsbehörden Sorgen bereitet. Nicht vernetzte, unauffällige Täter, die sich extrem schnell radikalisieren und mit alltäglichen Gegenständen an unverdächtigen Orten eine Spur des Schreckens hinterlassen. Dagegen gibt es kaum präventive Mittel.

„Die deutschen Sicherheitsbehörden tun seit Jahren alles, um durch eine intensive Zusammenarbeit mögliche Anschlagspläne rechtzeitig zu erkennen“, sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Oliver Malchow, dem Handelsblatt. Aber gerade bei Einzeltätern, die sich erst vor ein paar Wochen oder gar Tagen radikalisiert hätten, sei es kaum möglich, zu entsprechenden Erkenntnissen zu kommen. „Wir müssen auch so ehrlich sein und feststellen, dass solche Anschläge, zudem noch von Jugendlichen, im Vorfeld schwer zu verhindern sind, obwohl meine Kolleginnen und Kollegen alles Erdenkliche tun.“

Die Machtlosigkeit zeigt sich auch in der Reaktion der Politik auf den Vorfall in Bayern. Obwohl die Hintergründe der Tat noch nicht vollständig aufgeklärt sind, werden bereits Forderungen nach weiteren Anti-Terror-Maßnahmen laut. Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) sprach sich am Mittwoch für mehr Videoüberwachung, mehr Polizei, und besseren Schutz der Polizeibeamten aus.

Die Unions-Fraktion im Bundestag plädierte dafür, künftig die Werbung für terroristische Vereinigungen und insbesondere Sympathiebekundungen unter Strafe zu stellen. Das Internet werde immer mehr „zum geistigen Nährboden für islamistisches Gedankengut“, sagte der CSU-Innenexperte Stephan Mayer dem Handelsblatt. Die Union setze sich daher dafür ein, dass die Sympathiewerbung für eine terroristische Vereinigung wieder unter Strafe gestellt werde. „Wir sollten mit der gleichen Vehemenz, mit der gegen rechtsextremistischen Hasspostings im Internet vorgegangen wird, auch gegen solche islamistischen Inhalte vorgehen.“

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