Wulff-Affäre Maschmeyer zahlte Werbung für Wulff-Buch  

Neue Enthüllungen bringen Bundespräsident Wulff in Bedrängnis: Nach einem Medienbericht bezahlte AWD-Gründer Carsten Maschmeyer Anzeigen für das Wulff-Buch „Besser die Wahrheit“. Die Erklärung klingt wenig überzeugend.
Update: 20.12.2011 - 06:05 Uhr 80 Kommentare
Carsten Maschmeyer und Christian Wulff während des Wahlkampfs in Niedersachsen: Rechnungen bezahlt. Quelle: dpa

Carsten Maschmeyer und Christian Wulff während des Wahlkampfs in Niedersachsen: Rechnungen bezahlt.

(Foto: dpa)

BerlinDer niedersächsische Unternehmer Carsten Maschmeyer hat 2008 eine Anzeigen-Kampagne für ein Interview-Buch bezahlt, in dem der heutige Bundespräsident Christian Wulff sein privates und politisches Leben beschreibt. Ein Sprecher Maschmeyers bestätigte der Nachrichtenagentur dpa am Montagabend einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung. Danach hatte der Gründer des Finanzdienstleister AWD für die Zeitungsanzeigen rund 42.700 Euro aus seinem Privatvermögen ausgegeben.

Mit den Annoncen war im Herbst 2007 während des niedersächsischen Landtagswahlkampfs für das Buch „Besser die Wahrheit“ geworben worden, in dem sich der Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Wulff umfassend darstellte. Maschmeyer sagte der „Bild“-Zeitung, er habe „die Anzeigen privat bezahlt“, sie jedoch nicht steuerlich geltend gemacht. Mit Wulff habe er darüber nicht gesprochen.

Der Sprecher Maschmeyers bestätigte auf Anfrage diese Darstellung. Von Wulffs Anwälten war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der „Bild“-Zeitung erklärte Rechtsanwalt Gernot Lehr, Wulff sei von den Zahlungen Maschmeyers nichts bekanntgewesen.

Das Interview-Buch war dem Bericht zufolge ein wichtiges Instrument im damaligen CDU-Landtagswahlkampf: Die Partei habe seinerzeit einige tausend Exemplare gekauft und sie als Wahlwerbung für den damaligen Ministerpräsidenten Wulff verschenkt, berichtet das Blatt.

Wulff hatte sich im Sommer 2010 kurz nach seiner Wahl zum Staatsoberhaupt auch in einer Ferienanlage Maschmeyers auf Mallorca eingemietet. Der niedersächsische Landtag befasst sich am Dienstag mit den Vorwürfen gegen das Staatsoberhaupt. In einer Sondersitzung will der Ältestenrat prüfen, ob Wulff gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen hat, als er 2008 ein 500.000-Euro-Darlehen von der Ehefrau des Unternehmers Egon Geerkens annahm.

Zugleich sollen seine Verbindungen auch zu anderen Geschäftsleuten durchleuchtet werden, bei denen Wulff als Regierungschef Urlaub gemacht hatte. Zentrale Frage ist, ob Wulffs Vorgehen mit dem Ministergesetz im Einklang steht, das es Politikern untersagt, Geschenke in Bezug auf ihr Amt anzunehmen.

Am Sonntag hatte der Bundespräsident eine Liste von Urlauben veröffentlichen lassen. Danach verbrachte er als Regierungschef zwischen 2003 und 2010 insgesamt sechs Urlaube bei Freunden in Spanien, Italien, Florida und auf Norderney.

Experten betrachten die Urlaubsreisen als Geschenke

Die Unternehmerin Angela Solaro-Meyer bezeichnete die Urlaube in ihrem Haus auf Norderney als rein privat. Die Inhaberin eines Süßwarenfachgeschäfts auf der Nordseeinsel bestätigte im Sender MDR Info, dass Wulff 2008 und 2009 bei ihr Ferien gemacht hatte. Sie bestritt aber nachdrücklich, dass es dabei um geschäftliche Dinge gegangen sei: „Das ist eine rein private Freundschaft. Ich würde niemals Vorteile davon haben wollen“, sagte sie.

Nach Ansicht des Steuerexperten Peter Bilsdorfer sind die Gratis-Urlaube Wulffs bei befreundeten Unternehmern als Schenkungen anzusehen. Für Schenkungen müssten über einem Freibetrag von 20 000 Euro Steuern entrichtet werden, sagte der Vize-Präsident des saarländischen Finanzgerichts der „Frankfurter Rundschau“ (Dienstag). „Es stellt sich die Frage, ob Wulff wegen der Vielzahl der geschenkten Luxusurlaube schenkungssteuerpflichtig war.“

Ein Großteil der Deutschen ist einer Umfrage zufolge gegen einen Rücktritt des Bundespräsidenten. Nach dem am Montag erhobenen ARD-Deutschlandtrend plädieren 70 Prozent dafür, dass Wulff weiter im Amt bleiben soll. Allerdings finden es weniger als die Hälfte - 49 Prozent der Befragten - in Ordnung, wenn ein Ministerpräsident von einem befreundeten Unternehmer einen privaten Kredit annimmt. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, rief zu einem schonenden Umgang mit Wulff auf.

Merkel: Wulff hat mein vollstes Vertrauen

„Europa steht zumindest wirtschaftlich vor dem Abgrund und der Rassismus droht - durch den Naziterror deutlich geworden - sich in unsere Gesellschaft hinein zu fressen“, sagte er der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ (Online-Ausgabe). „Wir brauchen jetzt mehr denn je ein stabiles politisches Berlin, damit unserer Gesellschaft nicht weiter auseinander driftet.“

  • dpa
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80 Kommentare zu "Wulff-Affäre: Maschmeyer zahlte Werbung für Wulff-Buch  "

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  • Maschmeyer zahlte....
    Ich verstehe die ganze Aufgeregtheit überhaupt nicht! Herr Maschmeyer hat doch schon immer mehr an andere als an sich selbst gedacht. Ich erinnere nur an die vielen tausenden von Anlegern, um die sich Herr Maschmeyer mit seinem "Struktur-Vertrieb" gekümmert hat. Fazit: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr!

  • Gegen zweierlei Maß.
    Wenn in der "normalen" Arbeitswelt ein Personalleiter für die Annahme einer Eintrittskarte legitim gefeuert werden kann.
    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/0,2828,618940,00.html
    An diesem Urteil ist vor allem die Begründung lesenswert:
    Zitat: "Allein der Anschein, dass ein führender Mitarbeiter bei seinen Entscheidungen nicht allein die Interessen seines Arbeitgebers vertrete, sei nicht hinnehmbar. Das sogenannte Schmiergeldverbot verlange nicht, dass der Mitarbeiter sich auch tatsächlich habe beeinflussen lassen, argumentierten die Richter."
    Jetzt ersetze man Arbeitgeber durch Volk und führender Mitarbeiter durch Wulff und es wird ein Schuh draus.

  • Wenn Merkel mal die Politik verlässt, hinterlässt sie nur Arschkriecher, denn sie als Kanzlerin hat einen sehr hohen Männerverschleiß (ohne Rotlichtgedanken). Maerz, Koch, Wulf, selbst Ziehvater Kohl wurde gewatscht und die Aufzählung derer, die wagten ihr zu widersprechen und durch Intrigegespinnste zur Aufgabe gezwungen wurden, ist noch nicht am Ende. Eine Hyäne im Amt.
    Was die „kriminellen“ Vorwürfe betreffen ... mit solchen Etiketten sind doch alle Politiker geschmückt.
    Beim Autokauf, Sonderpreisnachlass, Rabatt mal hier mal da … solche Vorwürfe unseren Politikern gegenüber sind lächerlich, ehr gang und gäbe. Nun hat man eben mal das Schubfach Wulf geöffnet. Eigentlich alter Grimmgrams, aber das muss reichen! Rufmord bis zur Familie! Traurig!
    Besonders schlimm wirkt es, wenn dies von den eigenen „Freunden“ eingerührt wird und die anderen Parteien, sprich Trittbrettfahrer, nach solidarischem Gemeinschaftssinn Schützenhilfe leisten. Diese Politiker erhalten für die gekonnte Trittbrettfahrerei ein politisches Zugeständnis, hier in diesem Fall, der CDU als Lohn. So funktioniert es quer Beet, egal welcher Couleur die Partei ist.
    Ich schreibe aus Erfahrung und gehöre schon lange keiner Partei mehr an.
    CHARLY

  • Geht es hier nicht im Kern um die Einforderung eines Amtsbonus?


    Wie muss es dem vorkommen, der wegen eines scheinbar herrenlosen Pfandbonds entlassen wird?

    Wie pervers müssen Arbeitgeber sein, die einen Pfandbond als Köder auslegen, um einen Mitarbeiter zu feuern?


    Wie muss sich ein Oberbürgermeister fühlen, der wegen nicht bezahlten drei Glas Rotwein im fernen afrikanischen Busch hier dem öffentlichen Druck nicht mehr standhält und sein Amt niederlegt?


    Herr Wulff wäre m.E. gut beraten wegen des vermeintlichen Gleichheitsgrundsatzes sein Amt niederzulegen, bevor dieser Schritt von außen erzwungen wird.

    Das Amt des Bundespräsidenten ist beschädigt, auch wenn Frau Merkel dies alles für nicht so "schlimm" hält.

  • Der hält ja nicht mal eine richtige Weihnachtsansprache. Und an "sein Volk" alsdo die detuschen, schon gar nicht.
    Für den gibt es ja nurnoch eine bunte Republik.
    Die letzte Weihn.-Ansprache war eine Katastrophe, sie war einfach nur driest

  • Wulff gehört zu der Generation, die nicht mehr 68er waren, dazu ist er zu jung. Aber im Windschatten der auslaufenden 68er-Ära groß wurden.
    Mit Bafög konnte man studieren. Das gab es ja vorher nicht. Auch sonst war ja das Prägende der 68er, übrigens bis heute, "das will ich haben, das steht mir zu, das hat der Staat zu machen" Diese ganze Generation taugt nicht viel, wie wir ja sehen können.
    Die jüngeren Nachrücker, die Kinder der 68er, diese Lindners, Bahrs, Mißfelder usw. sind noch schlimmer. Die haben nur noch die Dollar-Zeichen im Auge.
    Hinzu kommt, dass Wulff nun auch rhetorisch nicht gerade eine Leuchte ist, er ist auch sonst eher der stromlinienförmige Typ und offenbar hat er auch ein wenig die Bodenhaftung verloren, wie so viele andere auch.
    Sein Hang zu Glamour bringt ihn eben jetzt in Schwierigkeiten.
    Ich finde einfach, er sollte gehen, so einen BuPrä braucht wirklich niemand

  • Alle Politiker und Politikerinnen sind berufmäßige Lügner und Betrüger und korrupt bis auf die Knochen.

  • Als Deutscher schäme ich mich zu tiefst für diesen "Bundespräsidenten".

  • schlicht und ergreifend: ja
    Wir haben nur noch die allerletzten primitiven Typen im Budnestag.
    Kein Anstand, keien Kenntnis,keine Moral

  • Warum wundert sich eigentlich niemand, wo all die Vorwürfe und Geschichten plötzlich herkommen? Und - viel wichtiger - warum gerade jetzt? Fühlt sich denn keiner von BILD gehörig auf den Arm genommen? Warum lässt sich das Volk so einfach und offensichtlich manipulieren?

    Armes Deutschland.

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