Wulff-Kredit

Jetzt kommt auch Porsche ins Spiel

Von wegen Feiertagsruhe: Bundespräsident Wulff steht wegen seines Hauskredits weiter unter Druck. Es geht um Termine und um eine mögliche Verwicklung in die Übernahmeschlacht zwischen VW und Porsche.
Update: 31.12.2011 - 15:34 Uhr 49 Kommentare
Christian Wulffs Schatten fällt auf immer neue Aspekte rund um seinen Hauskredit. Quelle: AFP

Christian Wulffs Schatten fällt auf immer neue Aspekte rund um seinen Hauskredit.

(Foto: AFP)

HamburgDie Konstruktion geht so: Die baden-württembergische BW-Bank, die Wulff den umstrittenen vergünstigten Kredit gegeben hat, ist auch Hausbank des Sportwagenbauers Porsche. Der wurde im März 2009 durch den Einstieg des niedersächsischen Autobauers Volkswagen vor der drohenden Insolvenz gerettet. Und bei Volkswagen wiederum war Wulff damals als niedersächsischer Ministerpräsident im Präsidium des Aufsichtsrats. Diesen Zusammenhang stellt der „Spiegel“ her. Wulff betont allerdings im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin, es bestehe „keine irgendwie geartete Interessenkollision“.

Wulff entwickelte dem Bericht zufolge mit VW-Patriarch Ferdinand Piëch und Konzernchef Martin Winterkorn eine „Grundlagenvereinbarung“ für den Einstieg bei Porsche. Durch diesen konnten auch die Geldgeber des Sportwagenbauers, die BW-Bank und deren Muttergesellschaft, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), aufatmen, wie es in dem Magazin heißt. Wulff erklärte gegenüber dem „Spiegel“, er könne Vorgänge aus dem VW-Aufsichtsrat nicht kommentieren, weil sie „fortgeltender Verschwiegenheitsverpflichtungen“ unterlägen.

Der „Spiegel“ berichtete indes weiter, vier Monate nach Unterzeichnung des Grundlagenvertrages habe sich Wulff wegen seines Privatkredits an die BW-Bank gewandt. Wulff hatte zur Finanzierung seines Hausbaus bei Hannover zunächst rund eine halbe Million Euro von der Frau des befreundeten Unternehmers Egon Geerkens geliehen, später löste er den Kredit durch ein besonders zinsgünstiges Darlehen der BW-Bank ab. Inzwischen wandelte er dieses nach eigenen Angaben in einen langfristigen Kredit zu normalen Konditionen um.

Die Kritik an Wulffs Privatkredit hält indes an, obwohl sich der Bundespräsident vor Weihnachten für sein Vorgehen in der Affäre entschuldigte. Zuletzt wurde der Bundespräsident mit dem Vorwurf konfrontiert, den neuen langfristigen Kredit erst auf öffentlichen Druck hin unter Dach und Fach gebrach zu haben. Sein Kreditgeber, die BW-Bank, teilte mit, man habe am 21. Dezember den von Wulff unterschriebenen Vertrag erhalten. Damit kam der neue Darlehensvertrag erst mehr als eine Woche nach dem ersten Bericht der „Bild“-Zeitung über den früheren Geerkens-Kredit zustande.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr sagte der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, der Zinssatz für das jüngste Darlehen sei am 25. November 2011 zwischen Wulff und der BW-Bank fixiert worden. Nach Rückkehr von seiner Reise an den Persischen Golf am 13. Dezember hat Wulff demnach den Kreditvertrag der Bank vorgefunden. Bereits am 15. Dezember erklärte Wulff schriftlich: „Inzwischen habe ich das Geldmarktdarlehen in ein langfristiges Bankdarlehen festgeschrieben.“

Die Bank veröffentlichte unterdessen erstmals Details zur Geschäftsbeziehung mit Wulff. Demnach hat sich der damalige niedersächsische Ministerpräsident im Herbst 2009 telefonisch gemeldet. Er habe eine Empfehlung von seinem Freund Egon Geerkens gehabt. Am 21. März 2010 sei der erste Banken-Darlehensvertrag mit Wulff abgeschlossen worden. Dieser kurzfristig refinanzierte Geldmarktkredit wurde nun in ein langfristiges Darlehen geändert, wie die Bank weiter mitteilte. Es bestehe ein üblicher Tilgungsplan. Die Darlehensgewährung sei voll besichert. Der Aufsichtsrat und der Vorstand der BW-Bank seien in die Vergabe der Darlehen nicht eingebunden gewesen.

Zu den Konditionen und bankinternen Kalkulationen machte die Bank allerdings weiterhin keine Angaben. Sie verwies auf das Geschäfts- und Bankgeheimnis. Die Aufsichtsgremien der Bank würden über die Darlehensvergabe umfassend informiert, hieß es.

  • afp
  • dapd
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49 Kommentare zu "Wulff-Kredit: Jetzt kommt auch Porsche ins Spiel"

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  • und...
    dieser nasshauer will nur die 12 Monate im Amt voll haben, um seinen "Ehrensold" in Empfang nehmen zu können.
    Im nächsten Monat tritt er ab - Wetten?

  • hier etwas umsonst - dort etwas vergünstigt
    wir haben einen nasshauer als präsidenten.
    Melden Sie sich bei mir, Herr Wulf, ich geb Ihnen ein Bier aus.

  • Wahrlich erschreckend ist das einige hier Korruption als Normalität abtun. Wenn ein Angestellter auch nur einge Kleinigkeit von einer Flasche Wein minderwertigen Wein von einem Lieferanten annimmt muss er gehen. Wulf hat mehr als ein Paar Kleinigkeiten angenommen.

    Erschreckendes Unrechtsbewusstsein auch in der politischen Klassen bei den Etablierten Parteien. Die Opposition müsste viel härter schiessen - der Rücktritt hätte schon längst gefordert werden sollen.

  • Es wird sich nichts ändern. Ob Kohl - Schröder und Kollegen,
    wer nun einmal am Fleischtopf sitzt, wird immer in Versuchung
    kommen, sich ein Stück zu angeln. Wenn er es nicht macht - redet nicht über ihn - Leider !!!!

  • Wulff und die Frauen
    Es scheint daß er wirklich Pech gehabt hat mit seinen Frauen. Die vorherige hat ihm wohl bei der Scheidung so richtig das Fell über die Ohren gezogen, ihn sämtlicher Finanzmittel beraubt und obendrein noch aus dem gemeinsamen Haus rausgeschmissen.
    Jetzt kommt die Neue, Party und Glamour viel mehr zugetan als es sich für einen Bundespräsidenten ziemt. Als erstes muß ein neues Haus her, beim finanzieren helfen ja die guten Freunde. die sind dann auch für die Finanzierung diverser Urlaube zuständig, das allein hat bspw. beim MP von BW Lothar Späht schon gereicht um seine politische Karriere zu beenden. Beim Bundespräsidenten soll das anders sein? Daß er leicht zu beeinflussen ist haben seine Frauen ja bewiesen, da ist es unerträglich wenn er eine solche Nähe zu Unternehmern pflegt. Wer soll denn ernsthaft glauben, daß er noch unabhängig Entscheidungen treffen kann, die seinen Freunden zum Nachteil gereichen könnten. Und der soll dann noch als oberstes Vorbild für das Volk agieren und es obendrein noch repräsentieren?
    Ich bin überzeugt Merkel hat ihn zum Kandidaten auserkoren, weil er nicht durch *abweichende* Meinungsäusserungen zur offiziellen CDU-Linie auffallen würde und wenn doch dann schnell wieder einzufangen wäre.

  • Ich würde jetzt sagen, für standesgemäße Renovierung, da die bescheidenen Präsidentenbezüge dies nicht ermöglichen!
    Weiter so auf Kosten der Bevölkerung.

  • Korruption führt zu geldwerten und moralischen Nachteilen für die Gesellschaft. Ökonomen nennen das Wohlfahtsverluste. Soweit die internationale Definition. Die deutsche Definition (Annahme von Belohnungen und Geschenken; Interessenverquickung)greift viel zu kurz.
    Der das Amt beschädigte Inhaber ist deshalb unhaltbar und muss zurücktreten bzw. zurückgetreten werden.

  • Komisch ist nur, dass Wulff sich für eine Hausfinanzierung in Niedersachsen eine Bank aussucht, die ausschließlich in Baden-Württemberg ansässig ist!

  • Nun ziehen die Ungereimtheiten des Bundespräsidenten immer größere Kreis, um diese lückenlos aufzuklären, wäre es ratsam, das er sofort zurücktritt, denn alles was er verlautbaren lässt, glaubt kein Mensch mehr.
    Also sofortiger Rücktritt, ohne seine Vergünstigungen.
    Danke

  • Korrekt! Diese Unsachlichkeit und diese lächerlichen Verschwörungstheorien. Als nächstes kommt 'raus, dass Wulff's Oma mit dem Opa vom Filialleiter in die Schule gegangen ist. Wo ist das Problem? Unsere Präsidenten und Kanzler (Schröder musste auch ein BauFi in Hannover suchen) können sich nicht mal ein Haus in der Provinz leisten! In 80% der Länder steckt sich jeder Minister jährlich Millionen in die Tasche und jeder Präsident Milliarden - auch von unseren Entwicklungshilfegeldern! Ich arbeite in dem Bereich und könnte täglich kotzen!

    Wulff's Geschäfte waren alle auf "arms-length-basis". 4% lagen genau in der Mitte zwischen Haben- und Soll-Zins. Der BW-Geldmarktkredit wurde zu normalen Konditionen vergeben, die jeder gehobene Privatkunde auch hätte bekommen können. Wie können HB und FTD so unqualifiziert berichten, dass sie einen Geldmarktkredit mit einem 10-Jahres-Festzins vergleichen?!

    Ich hätte lieber Gauck als Präsident gesehen - aber sachlich ist Wulff nicht das geringste vorzuwerfen (außer vielleicht die "überkorrekte" Aussage vorm Nieders. Landtag - aber das ist auch Geschmackssache). Bleibt auf dem Teppich und regt Euch lieber die über Milliarden auf, die dem deutschen Volk gestohlen werden!

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