Wulff-Nachfolge: Glückwunsch Deutschland - Gauck wird Präsident

Wulff-Nachfolge
Glückwunsch Deutschland - Gauck wird Präsident

Joachim Gauck soll Bundespräsident werden. Nach dem Einlenken der Kanzlerin ist der Weg für den DDR-Bürgerrechtler frei. Bei der Wahl in der Bundesversammlung am 18. März kann er sich auf eine breite Zustimmung stützen.

BerlinDer ostdeutsche Theologe und ehemalige DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck soll neuer Bundespräsident werden. Die Koalition habe sich mit Rot-Grün auf den früheren DDR-Bürgerrechtler geeinigt, um einen überparteilichen Kandidaten zu finden, sagte Merkel am Sonntagabend bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Parteichefs.

Der einstige Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde dürfte nun von der Bundesversammlung mit übergroßer Mehrheit zum Nachfolger des am Freitag zurückgetretenen Christian Wulff gewählt werden. Gauck zeigte sich überwältigt und sprach von einem „besonderen Tag“ in seinem Leben. Damit werden bald zwei Ostdeutsche an der Spitze des Staates stehen.

Gauck sagte auf der Pressekonferenz, er sei kein „Supermann“ und müsse sich die Vorschußlorbeeren erst verdienen. Die Bevölkerung müsse „politisch wieder Vertrauen gewinnen“. Gauck gestand offen ein, von der Nominierung „verwirrt zu sein. Er komme soeben aus dem Flieger, habe erst im Taxi Merkels Anruf bekommen und sei „nicht mal gewaschen“.

Die Bundesversammlung soll Gauck am 18. März zum neuen Bundespräsidenten zu wählen. Den Termin bestätigte eine Sprecherin von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) am Montag in Berlin. Wann Lammert die Bundesversammlung offiziell einberufen werde, sei noch nicht klar. Am Dienstag solle es noch einmal ein Treffen geben, um organisatorische Fragen zu klären.

Gauck sagte, bei der Annahme der Kandidatur für das Staatsoberhaupt habe ihm unglaublich geholfen, dass die Koalition, SPD und Grüne sich zusammengefunden hätten. An Merkel persönlich gerichtet sagte Gauck, das Wichtigste für ihn sei immer gewesen, dass sie ihm Vertrauen und Hochachtung gezollt habe.

Merkel betonte, Gaucks Lebensthema sei die „Idee der Freiheit in Verantwortung“. Dies verbinde sie als Ostdeutsche - „bei aller Verschiedenheit“ - mit Gauck. „Unsere Sehnsucht nach Freiheit hat sich 1989/90 erfüllt.“

Der in der Bevölkerung beliebte Gauck war bei der Wahl des Bundespräsidenten 2010 dem von Merkel favorisierten CDU-Politiker Wulff knapp unterlegen - damals als Kandidat von SPD und Grünen.

SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte mit Blick auf die damalige Ablehnung von Gauck durch Union und FDP: „Ich bin sicher, dass inzwischen alle (...) die nicht erfolgte Wahl von Gauck vor zwei Jahren bedauern.“ Nach dem gescheiterten Anlauf mit Gauck 2010 laute nun das Motto: „Ende gut, alles gut“. Gauck könne die Kluft zwischen Bürgern und politischer Klasse schließen.

Ausdrücklich lobte er, Merkel und die Koalition hätten „offene und faire“ Gespräche mit der Opposition gesucht, um einen überparteilichen Kandidaten zu finden. Gauck zeichne sein Kampf für Demokratie und Freiheit aus.

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Handfester Koalitionskrach

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