Wulffs Kreditaffäre: Ein Präsident erneut in Erklärungsnot

Wulffs Kreditaffäre
Ein Präsident erneut in Erklärungsnot

Das neue Jahr beginnt für Bundespräsident Christian Wulff so schlecht wie das alte endete: Wulff bleibt wegen seiner Hauskredite weiter in der Defensive – und sieht sich neuen Vorwürfen gegenüber.
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Berlin/Frankfurt/MünchenBundespräsident Christian Wulff kommt wegen der Finanzierung seines Eigenheims auch im neuen Jahr nicht aus den Schlagzeilen. Über die genauen Abläufe der Kreditvergabe tauchten erneut Unklarheiten auf. So wurde am Wochenende deutlich, dass Wulff den jüngsten, langlaufenden Bankkredit für sein Privathaus offenbar erst auf öffentlichen Druck hin unter Dach und Fach gebracht hat.

Nach Angaben der kreditgebenden BW-Bank wandelte Wulff seinen Kredit erst kurz vor Weihnachten in ein langfristiges Darlehen um. Zu diesem Zeitpunkt sorgten seine angeblich besonders günstigen Kreditkonditionen bei der Bank bereits für Wirbel. Die Bank bestätigte auch, dass der Unternehmer Egon Geerkens den Kontakt hergestellt hatte. Dies hatte Wulff selbst bereits am 15. Dezember mitgeteilt. Damals erklärte der Bundespräsident, er habe 2008 zuerst einen Privatkredit zu einem Zinssatz von vier Prozent bei Edith Geerkens aufgenommen, um seinen Hauskauf zu finanzieren.

Im Dezember 2009 habe er dann auf Anregung von Egon Geerkens Gespräche mit der BW-Bank aufgenommen, die am 21. März 2010 zur Unterzeichnung „eines kurzfristigen und rollierenden Geldmarktdarlehens mit günstigerem Zinssatz als zuvor“ geführt hätten. „Inzwischen habe ich das Geldmarktdarlehen in ein langfristiges Bankdarlehen festgeschrieben“, hieß es in der schriftlichen Erklärung Wulffs vom 15. Dezember.

Das Problem: Nach Angaben der BW-Bank hatte Wulff den Vertrag zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht unterzeichnet. Der Vertrag sei am 12. Dezember 2011 von der Bank unterschrieben an Wulff geschickt worden, teilte das Geldinstitut mit. Dieser habe ihn am 21. Dezember unterzeichnet. Sechs Tage später – am Dienstag nach Weihnachten – sei er bei der BW-Bank eingegangen.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr sagte dazu der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, der Zinssatz für das jüngste Darlehen sei bereits am 25. November – also bevor die Konditionen des ersten BW-Kredits Gegenstand der Berichterstattung wurden – zwischen Wulff und der BW-Bank „fixiert“ worden.

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Ein Präsident erneut in Erklärungsnot

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"Absoluter Blödsinn"

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Gutachten bringt keine Entlastung

Kommentare zu " Wulffs Kreditaffäre: Ein Präsident erneut in Erklärungsnot"

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  • Die Dreierbande Berlin/SPRINGER, Frankfurt/FAZ/FAZ und München/SZ schlägt wieder zu mit neuaufgewärmten Kamellen.


    Ablauf nach originalen dpa-Meldungen:

    Der Darlehensvertrag mit dem neuen Zinssatz wurde bereits am 25. November von beiden Seiten schriftlich vereinbart

    Anschließend nahm die Vertragsabwicklung ihren weiteren normalen Verlauf mit der Erstellung der Darlehens-Urkunde und den Unterschriften in der Urkunde, die sich auf dem Bearbeitungs- und Postweg bis nach Weihnachten hinzog.

    Was machen nun die Medien aus dieser normalen Geschichte, die jeder kennt, wenn er einen Darlehen haben möchte?
    Sie erfinden einfach den „Erklärungsnotstand“ !

    ZITAT: Wulffs Kreditaffäre: Ein Präsident erneut in Erklärungsnot
    Das neue Jahr beginnt für Bundespräsident Christian Wulff so schlecht wie das alte endete: Wulff bleibt wegen seiner Hauskredite weiter in der Defensive – und sieht sich neuen Vorwürfen gegenüber.
    KOMMENTAR: Infamer geht es nicht! Das ist die real-existierende Pressefreiheit.

    ZITAT: „Inzwischen habe ich das Geldmarktdarlehen in ein langfristiges Bankdarlehen festgeschrieben“, hieß es in der schriftlichen Erklärung Wulffs vom 15. Dezember.
    Das Problem: Nach Angaben der BW-Bank hatte Wulff den Vertrag zu diesem Zeitpunkt aber noch gar nicht unterzeichnet.
    KOMMENTAR: Das ist überhaupt kein Problem, da es sich nur noch um die Urkunde handelte.

    ZITAT: Wulff weiter in Erklärungsnot wegen Ablauf der Kreditvergabe
    Bundespräsident Christian Wulff kommt wegen der Finanzierung seines Eigenheims auch im neuen Jahr nicht aus den Schlagzeilen heraus.
    KOMMENTAR: Der Ablauf der Kreditvergabe war ein ganz normaler Ablauf.

    ZITAT: Kreditvertrag mit Wulff kurz vor Weihnachten
    KOMMENTAR: Der 25. Nov. liegt bekanntlich vor Advent!

  • @deerhunter:
    Ein Präsident der eine Umfinanzierung ankündigt, ohne den Vertrag in trockenen Tüchern zu haben, sportlicher Auftakt in die nächste Runde. ###


    Sie haben sich ja schon den richtigen Nick gewählt: Auf zum hinterhältigen Präsidentenjagen.

    Wie kommen Sie eigentlich zu Ihrer hinterhältigen Lüge, dass der Vertrag nicht in trockenen Tüchern war. Aus den originalen dpa-Meldungen geht hervor, dass Herr Wulff am 15. Dezember wahrheitsgetreu sagte: „Inzwischen habe ich das Geldmarktdarlehen in ein langfristiges Bankdarlehen festgeschrieben“, hieß es in der schriftlichen Erklärung Wulffs vom 15. Dezember. Wulffs Anwalt Gernot Lehr sagte dazu der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, der Zinssatz für das jüngste Darlehen sei bereits am 25. November zwischen Wulff und der BW-Bank „fixiert“ worden.

    Ein Banksprecher bestätigte auf Anfrage, dass an diesem Tag, dem 25. November, das Darlehen und der neue Zinssatz schriftlich fixiert wurden. Als Verfügbarkeitsdatum wurde der 16. Januar 2012 vereinbart.
    Die Bank hat sich deshalb mit der formalen Erstellung der Darlehens-Urkunde etwas Zeit gelassen. Die Urkunde sei erst am 12. Dezember 2011 von der Bank unterschrieben an Wulff geschickt worden, teilte das Geldinstitut mit. Dieser habe sie am 21. Dezember unterzeichnet. Sechs Tage später – am Dienstag nach Weihnachten – sei die Urkunde bei der BW-Bank eingegangen.
    Es würde mich nicht wundern, wenn Herr Diekmann und all seine Jagdgesellen behaupten, dass man sich auf schriftliche Vereinbarungen nicht mehr verlassen darf und im Falle Wulff erst nach Bar-Auszahlung des Kredits von „trockenen Tüchern“ sprechen darf. Den Banken kann man ja heutzutage nicht mehr trauen.

    Übrigens arbeitet Diekmann mit seinen Jagdgesellen von SZ und FAS inzwischen mit den gleichen Mailbox-Tricks wie die Murdoch-Bande in britischen Presse-Skandal.

  • In der Sache gebe ich Ihnen vollständig recht. Nachdem sich Wulff öffentlich zu der Angelegenheit (den Begriff Affaire sollten wir für Wichtiges übriglassen!) geäußert hat, sollte er auf Nachtreten nicht reagieren. Merke: wenn eine Filiale eine Kreditkondition verein-baren kann, ohne höhere Ebenen einschalten zu müssen, also innerhalb ihrer Konditionskompetenz bleibt, dann ist die Kondition keine Sonderkondition! Hier wird nach dem Prinzip gearbeitet "irgendetwas bleibt hängen, wenn ich nur oft genug werfe".

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