Wulffs letzter Auftritt
Das abrupte Ende eines quälend langen Dramas

Getrieben von den Medien und der Staatsanwaltschaft trat Christian Wulff an das Pult des Präsidialamtes - ein letztes Mal. Nach dem schnellen Abgang hat nun die Kanzlerin das Problem: In 30 Tagen muss Ersatz her.
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BerlinDieser Mann steht nicht freiwillig hier. Mit verkniffener Miene, den typisch ungelenkten Bewegungen ist Christian Wulff am 598 Tag seiner Amtszeit an das Rednerpult im Schloss Bellevue getreten. Er holt gewohnt staatsmännisch aus - und sagt dann doch den einen Satz, auf den alle so lange gewartet haben: „Ich trete heute vom Amt des Bundespräsidenten zurück, um den Weg zügig für die Nachfolge freizumachen.“ Am Freitag um 11.06 Uhr geht ein quälend langes Drama um Wulffs Kreditäffäre plötzlich sehr rasch zu Ende. Vier  Minuten, ohne sichtbare Regung, ohne erkennbare Nervosität braucht der Noch-Bundespräsident. Ein wenig grau, aber gefasst verkündete er seinen Rücktritt.

Christian Wulff gibt auf, in höchster Not. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bevor der Bundestag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Hannover seine Immunität aufgehoben hätte. Eine reine Formsache - und dennoch in der Geschichte der Bundesrepublik ein einmaliger und unerhörter Vorgang. Wollte er dieser ultimativen Demütigung entgehen, blieb Wulff nur noch diese einzige Chance. Er nutzte sie, endlich.

Wulff spricht mit belegter, deutlich um kühle Beherrschung erzwungene Stimme. Kurz holt er aus. Gerne habe er das Amt angenommen, sich der Aufgabe mit voller Kraft gewidmet. Sein vorrangiges Ziel, so Wulff, sei die Stärkung des Zusammenhaltes der Gesellschaft gewesen - und gerade darum sei es ihm so wichtig gewesen, dass er sich auf das „Vertrauen einer breiten Mehrheit der Bevölkerung“ stützen könne.

Damit ist Wulff, dessen abgelesene Erklärung gerade mal drei Minuten dauert, schon bei der Sache: Die Entwicklung der vergangenen Wochen habe gezeigt, dass dieses Vertrauen nicht mehr gegeben sei, seine Wirkungsmöglichkeiten „nachhaltig beeinträchtigt“ seien. Fast gelassen sprach er eher in buchhalterischer Nüchternheit als bedauernd: „Aus diesem Grund ist es mir nicht mehr möglich, das Amt des Bundespräsidenten nach innen und nach außen so wahrzunehmen, wie es notwendig ist."

Kommentare zu " Wulffs letzter Auftritt: Das abrupte Ende eines quälend langen Dramas"

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  • Die Wahlen im Saarland und in Schleswig-Holstein sind doch für die Wahl des Bundespräsidenten völlig egal, weil dieser innerhalb von 30 Tagen gewählt werden muss und beide danach sind.

  • @btw
    Nein,nein,
    ich habe Sie nur ganz höflich gefragt, weil ich den Zusammenhang Wulff Nazikeule nicht so recht oder überhaupt nicht verstanden habe.
    Nur eine Bitte um Aufklärung für mein Verständnis.
    Darum bitte ich Sie in aller Höflichkeit und Vertrauen
    auf Ihre Bereitschaft zu ergänzenden Erläuterungen zu Ihren interessanten Bemerkungen, die ich überhaupt nicht bewerten will, denen ich vielmehr in Teilen sogar meinen Beifall zu zollen gerne bereit bin.

  • gz

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