Wunsch erfüllt
Opel-Deal mildert Merkels Sorgen

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erfüllt sich mit dem Verkauf von Opel an Magna ein Wunsch. Denn was sich wie die Lösung für Opel anhört, ist zunächst einmal eine Lösung für Merkels Wahlkampf. Allerdings: Auch ihr Herausforderer Frank-Walter Steinmeier (SPD) beansprucht die Lorbeeren der Einigung für sich.

BERLIN. Angela Merkel strahlt nicht, aber sie lächelt, immerhin. Eilends hat sie die Hauptstadtpresse in den ersten Stock des Kanzleramts geladen. Die Hausherrin hatte gute Nachrichten zu verkünden, am Donnerstag um 15.15 Uhr. Schon zuvor hatten die Agenturen in Eilmeldungen verbreitet, dass der Verwaltungsrat der Opel-Mutter General Motors (GM) nach langer Hängepartie schließlich doch eine Empfehlung für den Verkauf von 55 Prozent der GM-Anteile an Opel ausgesprochen hatte - an das Konsortium um den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna und nicht an den Finanzinvestor RHJ.

"Ich freue mich außerordentlich über diese Entscheidung", sagt Merkel. "Das Ergebnis liegt auf der Linie dessen, was sich die Bundesregierung und die Arbeitnehmer von Opel gewünscht haben." Eineinhalb Stunden später meldet sich auch Frank-Walter Steinmeier, der SPD-Kanzlerkandidat. Er ist in Leipzig, im Wahlkampf im Nikolaikirchhof. "Das ist ein guter Tag für Opel und für die Menschen bei Opel", sagt er. Jetzt hätten die Mitarbeiter an den Standorten endlich Gewissheit.

Merkel wie Steinmeier wissen: noch ist der Opel-Deal nicht abgeschlossen. Trotzdem ist Merkel die Erleichterung anzusehen, über den erlösenden Anruf von GM-Chef Fritz Henderson bei Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU). Und trotzdem reklamiert Steinmeier die Kärrnerarbeit, die den Weg dafür frei gemacht hat, für sich. Schließlich sei er es gewesen, der Magna als Investor Anfang 2009 ins Gespräch gebracht habe, heißt es in Steinmeiers Umfeld. Bis zuletzt habe er immer wieder telefoniert, bis zuletzt habe er sich gegen das Insolvenzgerede von Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gewehrt.

Was sich wie die Lösung für Opel anhört, ist zunächst einmal eine Lösung für Merkels Wahlkampf. Bis zuletzt hatte es Hinweise darauf gegeben, GM wolle Opel nicht mehr verkaufen. "Detroit düpiert Merkel", lauteten die Schlagzeilen, die Merkel, wenige Wochen vor der Bundestagswahl nicht gebrauchen konnte. Zumal der Wahlkampf in diesen Tagen für Merkel nicht rund läuft. Die Mehrheit für Schwarz-Gelb schwindet, die Debatte über den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr schadet der Kanzlerinnenpartei. Beim Thema Atomkraft, das Merkel ausnahmsweise offensiv fahren wollte, steht die Union den Attacken von Sigmar Gabriel (SPD) etwa wegen des geplanten Endlagers Gorleben hilflos gegenüber.

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