Wunsch-Regierung
Börsianer wählen Merkel und Westerwelle

Die Börsianer sind sich weitgehend einig: die Bundestagswahl am kommenden Sonntag wird das die Anleger am deutschen Aktienmarkt weitgehend kalt lassen. Höchstens für kurze Zeit könnte die Abstimmung etwas Bewegung in die Kurse bringen. Trotzdem hat auch die Börse ihre Lieblinge, die eher den Boden für Kursgewinne bereiten könnten.

HB FRANKFURT. Für größere Aufregung bei den Anlegern dürfte nur ein theoretisch denkbares Ergebnis sorgen: eine irgendwie geartete Regierungsbeteiligung der Linken an der Regierungsbildung - ein Szenario, das die SPD allerdings unmissverständlich ausschließt.

„Generell kann man sagen: Je konservativer das Ergebnis, desto freundlicher wird es vom Aktienmarkt aufgenommen. Je stärker die Rolle der SPD, desto weniger positiv wäre das für den Aktienmarkt“, sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt bei der Bremer Landesbank. Ähnlich sieht es Dennis Nacken, Kapitalmarktanalyst von der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors. „Von den Börsen dürfte eine Regierung aus CDU/CSU und FDP eher positiv aufgenommen werden wegen der eher unternehmerfreundlichen Wirtschafts- und Steuerpolitik.“ Allerdings unterschieden sich die Parteiprogramme auf diesen Politikfeldern nur in Nuancen, fügt er hinzu. Aktienstratege Tammo Greetfeld von Unicredit rechnet mit deutlichen Kursverlusten, sollte die Linke an der künftigen Regierung beteiligt sein.

Experten sind sich einig, dass andere Faktoren inzwischen für den Finanzmarkt wichtiger sind als Bundestagswahlen. „Die Wahl ist ein lokales Ereignis. Auf die Börsen und die Unternehmen wirken sich eher globale Ereignisse aus, wie etwa die Entwicklung der globalen Nachfrage, die Zinsentwicklung, Inflationsgefahren oder die Bewältigung der Staatsverschuldung“, sagt Nacken.

Christian Kahler von der DZ Bank äußert sich ähnlich: „Eine Konjunkturerholung ist wesentlich wichtiger für den Aktienmarkt.“ Er weist zudem darauf hin, dass die Wahlprogramme breit gefächert seien, um möglichst alle Wählerschichten zu erreichen. Sie böten deshalb wenig Impulse für einzelne Branchen. Die größten Auswirkungen könnte der Ausgang der Wahl auf die Aktien der Versorger RWE und Eon haben. Denn im Fall einer CDU/CSU-FDP-Regierung könnten die Restlaufzeiten der deutschen Atomkraftwerke verlängert werden. „Von einer Verlängerung der Laufzeiten würden die Versorger profitieren“, erwartet Kahler.

Eine Besonderheit gibt es in diesem Jahr dennoch. Deutschland steckt in einer tiefen Krise, einst soliden Unternehmen geht die Puste aus, und die Regierung greift zu rigorosen Rettungsmaßnahmen. Von der Wahl könne in diesem Jahr deshalb eine größere Bedeutung für den Aktienmarkt ausgehen, erwartet Unicredit-Analyst Greetfeld: „Deutschland befindet sich in einem Prozess, in dem der wirtschaftliche Ordnungsrahmen und damit auch die Rolle des Staates in der Wirtschaft neu justiert werden.“ Die Folgen politischer Entscheidungen für Wirtschaftswachstum, Unternehmensgewinne und die Nachsteuerrenditen könnten die Kurse in die eine oder andere Richtung bewegen.

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