#YallaCSU
Was hinter den Sprachvorgaben für Zuwanderer steckt

Gezielte Provokationen gehören zum Markenkern der CSU. Zuletzt sorgte der Slogan „Wer betrügt, der fliegt“ für Aufregung. Welches Kalkül verbirgt sich nun hinter dem jüngsten Vorstoß aus München?
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MünchenWollte die CSU mal wieder maximale Aufmerksamkeit erreichen, so hat sie ihr Ziel erreicht - und wie. Allerdings kommt auch gewaltiger Spott hinzu. Sogar das Auswärtige Amt in Berlin kann sich nicht zurückhalten. „Klarstellung aus gegebenem Anlass: Wir sprechen weiter diplomatisch!“, schreibt das Amt im Kurznachrichtendienst Twitter. Der Generalsekretär der Schwesterpartei CDU, Peter Tauber, gibt ebenfalls jede Zurückhaltung gegenüber der CSU auf. „Ich finde ja, es geht die Politik nichts an, ob ich zu Hause lateinisch, klingonisch oder hessisch rede“, spottet Tauber auf Twitter.

Was die Republik derart in Wallung bringt, ist eigentlich nur ein Satz in einem Leitantrags-Entwurf für den CSU-Parteitag am nächsten Wochenende in Nürnberg. Dort steht es unter der Überschrift „Integration durch Sprache“ folgendes: „Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen.“

Gezielte Provokation als politisches Mittel, das ist schon so etwas wie ein Markenzeichen der CSU. Bestes Beispiel dafür: die alljährlichen Winterklausuren der Bundestagsabgeordneten in Wildbad Kreuth. Wenn dort nicht laut und bundesweit vernehmbar gepoltert wird, dann ist fast schon der Klausurzweck verfehlt.

Beispiel aus dem vergangenen Januar: der Satz „Wer betrügt, der fliegt“, ebenfalls versteckt in einem mehrseitigen Papier zum Thema Zuwanderung. Inzwischen wurde belegt, dass es massenhaften Sozialleistungsmissbrauch von Zuwanderern gar nicht gibt. Eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hat nachgewiesen, dass in Deutschland lebende Ausländer insgesamt viele Milliarden mehr an Steuern zahlen als sie an Sozialleistungen vom Staat beziehen.

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  • Toll, Herr MUch,
    Ein sehr wahre Wort Danke
    Aber die vielen Gutmensch im Land verstehen das nicht.
    Sie werden alle noch ein sehr böses Aufwachen erleben

  • Bravo Herr Muche. Bin völlig Ihrer Meinung. Den Spöttern unterstelle ich, dass sie in ländlicher Gegend leben und eher selten in einer deutschen Großstadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Andernfalls würden Sie, wenn schon nicht selbst fordern, zumindest nachvollziehen können, dass die Forderung "Bitte sprecht hier Deutsch" verständlich ist. Ich fahre täglich in München mit der U-Bahn und kann das vielfältige, lautstarke Geplärre im babylonischen Sprachgewirr nervlich nach einem stressigen Arbeitstag kaum ertragen.

  • „„Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen.““

    Das ist keine „gezielte“ Provokation, sondern eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Besonders für die, die die deutsche Staatsbürgerschaft anstreben und erst recht danach.
    Das eigentliche Problem blenden Politiker, wie Peter Tauber, einfach aus. Die meisten dieser „Zuwanderer“ haben nicht die Absicht hier zu arbeiten, sie wollen hier leben. Da ist die Sprache egal, aber der Anspruch, den diese Leute an die aufnehmende Gesellschaft stellen, eben nicht. Wir „leisten“ uns in Deutschland eine zu große Masse „Zuwanderer“, die für die ihnen erbrachte gesellschaftliche Leistung keine Gegenleistung erbringen. Der ehem. Sozialminister S-H Günther Jansen hatte es gewagt anzuordnen, daß die Sozialhilfe an einem von ihm bestimmten Tag persönlich abgeholt werden mußte. Neben dem politischen Erdbeben, das diese Anordnung auslöste, sparte das Land eine Menge Geld, denn seltsamer Weise wurden einige Leistungen an verschiedenen Standorten nicht abgeholt. Dies dürfte ein sehr deutlicher Hinweis auf Sozialbetrug sein. Die dt. Politik ist bei der Leistungserbringung für „Zuwanderer“ viel zu blauäugig, während ein deutscher Empfänger sich komplett zu entblößen und sich für alles und jedes zu rechtfertigen hat.
    Die Sprache betreffend zeigen die „Twitterkommentare“, daß deren Absender das Gesamtproblem nicht erfaßt haben und versuchen es ins lächerliche zu ziehen. Die Umgangs- und Geschäftssprache ist in Deutschland immer noch deutsch, auch wenn dies viel zu vielen „Zuwandererverstehern“ nicht paßt und sie diese Haltung in die Nähe der „Deutschtümelei“ rücken. Wer seine Sprache und Kultur aufgibt, unterwirft sich Zuwanderern, die ihn anschließend im eigenen Land nicht mehr ernst nehmen und sich dann zu recht fragen, weshalb sie deutsch lernen sollen obwohl die Deutschen ihre Sprache selbst nicht achten.

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