Yasmin Fahimi: Gabriels neues Risiko

Yasmin Fahimi
Gabriels neues Risiko

Sigmar Gabriel hat die SPD mit Bravour in die Regierung geführt. Jetzt spürt er den ersten Gegenwind – auch aus seiner Partei. In dieser Phase soll ausgerechnet eine unerfahrene Genossin für Geschlossenheit sorgen.
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BerlinEs ist ein offenes Geheimnis dass SPD-Chef Sigmar Gabriel eigentlich Ralf Stegner, den Chef der SPD in Schleswig-Holstein, zum neuen Generalsekretär machen wollte. Er hätte dem Posten wieder die Schlagkraft gegeben, die er in früheren Zeiten einmal hatte. Dass sich Gabriel letztlich für Yasmin Fahimi entschieden hat, ist der Quote geschuldet. Da sowohl der Partei- als auch der Fraktionsvorsitz mit Gabriel und Thomas Oppermann männlich besetzt sind, musste der Posten des Generalsekretärs wieder mit einer Frau besetzt werden.

Die Vorschusslorbeeren für Fahimi sind gewaltig. Die Genossen des außerordentlichen Bundesparteitags in der "Arena" im Berliner Bezirk Treptow wählten sie mit 88,5 Prozent zur neuen SPD-Generälin. Erste Zweifel, ob sie ihrer Aufgabe gewachsen ist, meldete ihr Amtskollege von der CDU, Peter Tauber, an – auf seine Weise. Tauber will Fahimi ein Buch mit Überlebenstechniken schenken. Die Sozialdemokratin lehnte dankbar ab und erklärte, sie habe sich bereits ein passenderes Buch besorgt: „Die Gunst des klaren Denkens. 52 Denkfehler, die man besser anderen überlässt.“

Fahimi erzählt das, nachdem das fulminante Wahlergebnis für sie verkündet worden war. Vielleicht ist ihre Reaktion auf Tauber auch als Hinweis darauf zu verstehen, dass sie durchaus schlagfertig sein kann, wenn es darauf ankommt. Ihrer Bewerbungsrede waren jedenfalls kaum Ansätze in diese Richtung zu entnehmen.

Das zeigt auch: Gabriel geht mit Fahimi ein Risiko ein. „Sie kennt die Bundes-SPD nicht, sie kennt das Willy-Brandt-Haus nicht, sie kennt Berlin nicht, sie kennt die Medienlandschaft dort nicht“, schrieb die Wochenzeitung „Die Zeit“ unlängst. Treffender kann man wohl nicht ausdrücken, dass hier eine Sozialdemokratin ganz nach vorne rückt, die doch reichlich wenig Erfahrung mitbringt, um ihm Haifischbecken des politischen Berlins zu bestehen. 

Und das, obwohl Fahimi immerhin schon seit 28 Jahren SPD-Mitglied ist. Führende Funktionen hatte sie allerdings nie inne. Stets hat die 46-Jährige aus der zweiten Reihe heraus versucht, die Partei zu unterstützen – ob im Ortsverein oder über Juso- und Partei-Arbeit auf Bundesebene. Stark geprägt hat sie die Gewerkschaftsarbeit. 14 Jahre lang war Fahimi in der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) aktiv. Zuletzt leitete sie dort die Abteilung Grundsatz und Organisationsentwicklung. 

Kommentare zu " Yasmin Fahimi: Gabriels neues Risiko"

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  • Yasmin is the best!!!

  • Hir geht es wenig um Quotenfrauen oder Unkenntnis, Herr Neuerer, sondrn darum, dass die neue Generalsekretärin eine Muslima ist

  • Da ist die SPD über ihre eigene Doktrin gestolpert und Gabriel ist dabei auf die Nase gefallen. Vielleicht ist er eines Tages glücklich darüber, daß ihm der Quertreiber Stegner als „General“ erspart blieb. Was Frau Fahimi als „Generalin“ leistet, wird sich noch zeigen. Eines ist jetzt schon klar, das grießgrämige Gesicht des Ralf Stegner bleibt weiterhin im Hintergrund und das muß für die SPD kein Nachteil sein.

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