Zählung vor 19 Jahren verursachte heftige Protest
Deutschland soll antreten zur Volkszählung

Das deutsche Volk wird wieder gezählt. Was vor 19 Jahren bei der damaligen Volkszählung noch Aufregung und heftige Proteste auslöste, geht diesmal vermutlich eher reibungslos über die Bühne.

HB BERLIN. Geplant ist die EU-weite Erhebung ohnehin erst 2010/2011, und sie wird völlig anders ablaufen als 1987. Diesmal werden nicht mehr Hunderttausende Zähler an den Wohnungstüren klingeln. Die Statistiker bauen auf eine inzwischen praxiserprobte „registergestützte Zählung“.

Johann Hahlen, als Präsident des Statistischen Bundesamtes der oberste Zahlenverarbeiter der Republik, dringt schon lange auf eine neue Erhebung. Seit der Zählung 1987 im Westen und einer Erhebung 1983 in der DDR seien die Veränderungen gravierend. Die Daten sind mittlerweile immer unschärfer geworden und taugen immer weniger als Grundlage für wichtige staatliche Entscheidungen. Das fängt schon mit der einfachen Frage an: Wie viele Menschen leben in Deutschland?

Nach der fortgeschriebenen Statistik sollen es am 31. Dezember 2005 knapp 82,44 Mill. gewesen sein. Die Experten des Statischen Bundesamtes schätzen aber, dass es in Wirklichkeit 1,3 Mill. weniger sind. Schon die Volkszählung 1987 brachte das überraschende Ergebnis, dass in Westdeutschland eine Million Menschen weniger lebten als angenommen. Ein simpler Grund: Viele ziehen weg, ohne sich abzumelden. Nach der Wiedervereinigung kam jetzt noch eine erhebliche Ost-West-Wanderung hinzu, von der Statistik nur unzureichend erfasst.

Auch andere Daten liegen nach Vermutung der Statistiker weit neben der Realität. So könnte die erst im vergangenen Jahr auf 6,7 Mill. nach unten korrigierte Zahl der Ausländer immer noch deutlich zu hoch sein. Auch die fortgeschriebenen Wohnungszahlen halten die Experten für stark überhöht. Dies war bereits 1987 so.

Per Mikrozensus werden jährlich ein Prozent aller Haushalte nach einer repräsentativen Stichprobe befragt. Doch offensichtlich kann dies die in zwei Jahrzehnten aufgelaufenen Fehler nicht ausgleichen. Für Politik und Statistik folgt daraus: Es muss neu gezählt werden.

Eine Volkszählung ist mehr als nur die Zählung der Einwohner. Die Daten über Bevölkerung, Haushalte, Erwerbsstatus, Bildungsstand sowie über Wohnungen und Gebäude bilden die Grundlage für politische Entscheidungen, etwa für die Planung von Schulen und Kliniken oder für den Wohnungsbau. Zudem bestimmt die Einwohnerzahl die Anzahl der Stimmen eines Landes im Bundesrat und die Größe eines Wahlkreises.

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