Zahl der Arbeitslosen, denen die Bundesagentur direkt einen Job verschafft hat, ist um ein Viertel gesunken
Vermittlungsoffensive kommt nicht voran

Die Vermittlungsoffensive der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist bisher nicht von Erfolg gekrönt. Nach dem Arbeitsmarkt-Sonderbericht der BA von Ende August ist die Zahl der Vermittlungen „nach Auswahl und Vorschlag“ durch die Arbeitsagenturen 2004 um 26,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken.

HB DÜSSELDORF.Diese enttäuschende Bilanz leitet Wasser auf die Wahlkampfmühlen der FDP, die die Abschaffung der Agentur fordert. Die Union will den Beitragssatz für die Arbeitslosenversicherung von 6,5 auf 4,5 Prozent senken und macht sich für Einsparungen und strukturelle Veränderungen stark.

Nur 496 000 Arbeitslose haben im vergangenen Jahr direkt durch die Vermittlung der Agenturen eine Stelle gefunden, knapp 1,6 Millionen dagegen durch Eigeninitiative. Die BA begründet den Rückgang bei der Vermittlung zum Teil mit einer neuen statistischen Abgrenzung.

BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt will die Vermittlungsbilanz aber nicht als alleinigen Maßstab für die Effizienz der Agenturen gelten lassen. Die Geschäftspolitik der BA sei darauf ausgerichtet, Arbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen. Dabei bekomme jeder die Unterstützung, die er individuell benötige. Unter den vielfältigen Möglichkeiten sei die klassische „Vermittlung nach Auswahl und Vorschlag“ nur ein Weg, Arbeitslose in den Arbeitsmarkt zu integrieren, relativierte Alt gegenüber dem Handelsblatt die Aussagekraft der Statistik.

Alt verweist darauf, dass die BA bei vielen anderen Wegen der Beschäftigungsaufnahme indirekt beteiligt ist – beispielsweise durch die Job-Börse im Internet –, ohne dass eine Vermittlung ausgewiesen wird. Damit schaffe die Bundesagentur eine hohe Transparenz über offene Stellen und Bewerberangebote und unterstütze gleichzeitig Eigenaktivitäten der Arbeitslosen. „Die Vermittlungszahlen nach Auswahl und Vorschlag berücksichtigen zudem nicht, dass die BA bei vielen Arbeitslosen durch aktive Arbeitsförderung, zum Beispiel Qualifizierungsmaßnahmen, Bewerbertraining und Betriebspraktika, die Chancen verbessert, in den Arbeitsmarkt zurückzukehren“, betonte Alt.

Er möchte den Erfolg der Arbeitsagenturen lieber am Anteil der mit ihrer Hilfe besetzten Stellen messen. Hier ergibt sich eine Erfolgsquote von 46 Prozent – das heißt, etwa jede zweite Stelle, die den Agenturen gemeldet wurde, konnte auch besetzt werden. Die Möglichkeiten der Integration in Beschäftigung würden natürlich auch durch die gesamtwirtschaftliche Situation beeinflusst, sagte Alt unter Hinweis auf den Rückgang der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Deren Zahl lag im Juni dieses Jahres um etwa 400 000 unter der des Vorjahres.

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