Zahlen aus dem Bundesfinanzministerium
Steueroasen überweisen mehr Geld nach Deutschland

Nach wie vor überweisen Steueroasen wie die Schweiz oder Luxemburg Kleckerbeträge nach Deutschland. Doch der Trend weist nach oben. Dieses Jahr flossen fast 200 Mio. Euro Zinssteuer von europäischen Fluchtburgen in das Bundesfinanzministerium – nach den Plänen der EU könnten es noch mehr sein.

DÜSSELDORF. Die Steueroasen überwiesen für 2007 gut 35 Prozent mehr an den deutschen Fiskus als im Jahr zuvor. Dies erfuhr das Handelsblatt aus dem Bundesfinanzministerium. Mehr als 40 Prozent des Geldes stammt aus der Schweiz. Weitere 30 Prozent kommen aus Luxemburg; drittgrößter Zahler ist Österreich. Dagegen überwiesen mit der EU assoziierte Steuerparadiese wie die Niederländischen Antillen oder die Isle of Man keinen Cent nach Deutschland. Über ganze acht Euro konnte sich Steinbrück von den Britischen Jungferninseln freuen, zumal er das Geld auch noch mit seinen Länderkollegen teilen muss.

Die EU-Zinssteuerrichtlinie soll Steuerhinterziehung verhindern. Sie trat nach langen, zähen Verhandlungen am 1. Juli 2005 in Kraft. Banken sind seitdem grundsätzlich verpflichtet, Zinserträge von EU-Ausländern den Finanzbehörden des jeweiligen Heimatstaates zu melden. Konkret bedeutet dies, dass etwa eine spanische Bank dem Bundeszentralamt für Steuern eine Kontrollmitteilung über die Erträge schickt, wenn ein deutscher Anleger in Spanien ein Festgeldkonto unterhält.

Wichtige Finanzzentren in Europa haben sich aber Ausnahmen von den Kontrollmitteilungen erbeten, um ihr Bankgeheimnis zu schützen. In Belgien, Luxemburg, Österreich und einigen Nicht-EU-Mitgliedern wie der Schweiz und Liechtenstein können ausländische Anleger wählen, ob sie anstatt Kontrollmitteilungen eine anonym abgeführte Quellensteuer auf Zinserträge von zunächst 15 Prozent bevorzugen. Dieser Steuersatz ist seit Juli 2008 auf 20 Prozent gestiegen und wird in der Endstufe ab Juli 2011 auf 35 Prozent betragen. Ein Viertel der Einnahmen behält der Quellenstaat, den Rest überweist er an den Wohnsitzstaat des Anlegers. Der ehrliche Anleger kann die Quellensteuer bei seiner Steuererklärung anrechnen lassen. Maßgeblich für die Belastung in Deutschland ist bislang der persönliche Steuersatz.

Wenn nächstens Jahr die deutsche Abgeltungsteuer von 26,4 Prozent in Kraft tritt, verringert sich die Steuerersparnis im Vergleich zur EU-Zinssteuer aber deutlich. Ab Mitte 2011 lohnt sich die Hinterziehung von Zinsen allenfalls noch dann, wenn es sich bei dem im Ausland angelegte Vermögen um Schwarzgeld handelt.

Nach Ansicht des Chefs der Deutschen Steuergewerkschaft, Dieter Ondracek, ist die Zinssteuerrichtlinie leicht zu umgehen. Eine Liechtensteiner Stiftung mit einem Konto in der Schweiz sei für Hinterzieher immer noch eine „ziemlich sichere Sache“, sagt Ondracek. Mittlerweile seien Lohnsteuerzahler und Rentner „scharf im Griff der Finanzverwaltung – nur bei den anderen, muss man sich etwas einfallen lassen“.

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