Zahlen nur bis 2005
Kritik am Armutsbericht

Obwohl das Kabinett am Mittwoch den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung gebilligt hat, gab es auch regierungsintern Kritik an dem Papier. Größter Kritikpunkt: Der Messzeitraum gebe die aktuellen Verhältnisse überhaupt nicht mehr wieder.

HB BERLIN. Das Kabinett hat den neuen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung gebilligt. Danach hat sich die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland weiter vertieft. Zuletzt waren 13 Prozent der Bundesbürger arm - das ist jeder achte. Durch staatliche Transferleistungen wie Arbeitslosen- oder Kindergeld konnte die Armutsquote aber von 26 auf 13 Prozent halbiert werden. Dies zeige, dass "der deutsche Sozialstaat wirkt", erklärte das Bundesarbeitsministerium.

Am meisten von Armut bedroht sind Arbeitslose, Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung, Alleinerziehende und Ausländer. Als Schlüssel zur Armutsvermeidung nennt der Bericht "mehr Bildung und Beschäftigung". Alle Bemühungen müssten darauf gerichtet sein, Vollbeschäftigung zu erreichen. Der Bericht gibt die soziale Lage des Jahres 2005 wider. Die 2006 einsetzende Konjunkturbelebung mit einem deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit ist darin noch nicht berücksichtigt.

Für Bundeswirtschaftsminister Michael Glos war diese Tatsache Anlass für Kritik am Armutsbericht. Die Zahlen "blenden damit die sozialen Erfolge der letzten Jahre aus", erklärte er und fügte hinzu: "Die Menschen haben vom Aufschwung profitiert." "Die soziale Realität des Jahres 2008 ist eine völlig andere als die des Jahres 2005", erklärte Glos weiter. Mehr Arbeitsplätze, verbesserte Einkommenschancen, höhere Transferzahlungen und verstärkte öffentlichen Investitionen in die Infrastruktur hätten sich positiv auf die Lebenssituation vieler ausgewirkt. "38 Prozent der Arbeitslosen, das sind rund zwei Millionen Menschen, haben seit Anfang 2005 einen Weg aus der Bedürftigkeit gefunden."

Weiter kritisierte das Wirtschaftsministerium in einem Papier, dass viele Menschen aufgrund einer "verzerrten öffentlichen Diskussion" Gefühl hätten, "Deutschland würde verarmen".

Der Deutsche Caritasverband kritisierte die "wachsende Spaltung der Gesellschaft in Deutschland". So lebten elf Prozent der Bevölkerung dauerhaft an der Armutsgrenze. Dies zeigt nach den Worten von Caritas-Präsident Peter Neher "massiven Handlungsbedarf". Er forderte, künftig einen unabhängigen Expertenrat mit dem Bericht zu betrauen. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) bemängelte, der Bericht blende die massive Kürzung von Sozialleistungen im Zuge der Agenda 2010 einfach aus, ebenso die Gefahr steigender Altersarmut.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%