Zahlreiche Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag
Müller: Deutsche Geschichte nicht relativieren

Am Volkstrauertag hat Saarlands Ministerpräsident Müller davor gewarnt, deutsche Geschichte zu relativieren. Auch "dunkle Kapitel" gehörten dazu, sagte er bei der zentralen Gedenkveranstaltung im Reichstag.

HB BERLIN. Mit zahlreichen Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen ist am Sonntag in ganz Deutschland der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht worden. In Berlin warnte der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) am Volkstrauertag bei der zentralen Gedenkveranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Reichstagsgebäude davor, deutsche Geschichte zu relativieren. Sie müsse in "all ihren Facetten" angenommen werden, forderte der saarländische Regierungschef. Wer versuche, ihre dunkelsten Kapitel "auf der Basis absurder und abstruser Vergleiche und Überlegungen" zu relativieren, verlasse die Grundlagen dessen, worauf die Bundesrepublik Deutschland aufgebaut sei, sagte Müller in Anspielung auf die Antisemitismus-Debatte um den Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann. Unrecht dürfe niemals aufgerechnet werden. Allerdings müsse auch in Deutschland "Raum sein für Patriotismus", sagte Müller. Man müsse sagen dürfen, dass man stolz sei, ein Deutscher zu sein.

Zuvor hatten Jugendliche aus mehreren Ländern über ihre Erfahrungen bei der Pflege von Soldatengräbern berichtet. Der Volksbund veranstaltet entsprechende Projekte. Volksbund-Präsident Reinhard Führer sprach von einem "Gefühl des Glücks", dass diese Arbeit inzwischen auch in den Ländern Osteuropas möglich sei. Nach seinen Angaben haben in den vergangenen 50 Jahren insgesamt 190.000 junge Menschen am "Werk der Versöhnung über den Gräbern" mitgewirkt. Begonnen hatte die zentrale Veranstaltung mit einer Kranzniederlegung an der Neuen Wache. Neben Rau nahmen daran Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer (Grüne), der Bundesratspräsident und Ministerpräsident Thüringens, Dieter Althaus (CDU), Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) und der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, teil.

Weitere Kränze legten Volksbund-Präsident Führer, Berlins Bürgermeisterin und Justizsenatorin Karin Schubert (SPD) und Parlamentsvizepräsidentin Martina Michels (PDS) nieder. Soldaten der Ehrenformation der Bundeswehr legten auf dem Juedischen Friedhof in Berlin-Weissensee Kränze nieder. Zusammen mit dem Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, gedachten hochrangige Vertreter des öffentlichen Lebens der im Ersten Weltkrieg gefallenen und dort begrabenen 395 deutschen Soldaten jüdischen Glaubens.

Eingeführt wurde der Volkstrauertag nach dem Ersten Weltkrieg auf Initiative des 1919 gegründeten Volksbundes. Während der Nazi-Herrschaft wurde er als "Heldengedenktag" missbraucht. In der Bundesrepublik wird der Volkstrauertag in seiner ursprünglichen Bedeutung seit 1952 wieder begangen.

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