Zahlreiche Patienten deckten sich im Dezember ein
Ärzte verordnen nur noch halb so viele Pillen

Die im Januar in Kraft getretene Gesundheitsreform hat zu einem massiven Rückgang der Ausgaben der Krankenkassen für Arzneimittel geführt. Nach Angaben der Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände (ABDA) gingen sie im Januar um knapp ein Drittel oder 560 Mill. Euro im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahres zurück.

pt BERLIN. Hatten die Ärzte damals noch gut 71,5 Mill. Medikamentenpackungen verordnet, so waren es im erstem Monat der Gesundheitsreform nur noch 46 Mill., also etwas mehr als ein Drittel weniger, teilte der Informationsdienstleister NDCHealth mit. Im Vergleich zum Dezember waren es nur noch halb so viele Packungen.

Ursache für den Einbruch sind neben den erhöhten Zuzahlungen für Medikamente, der Herausnahme rezeptfreier Präparate aus der Erstattungspflicht der Kassen und der Praxisgebühr die Vorzieheffekte der Gesundheitsreform. Viele Versicherte hätten sich noch im Dezember mit Medikamenten eingedeckt, erklärten ABDA und NDC-Health.

Trotzdem zeigten die Zahlen, dass die Gesundheitsreform wirke, hieß es bei der ABDA. Sie erwartet für das Gesamtjahr 15 % oder 4 Mrd. Euro. weniger Ausgaben. Davon entfalle rund die Hälfte auf gesetzlich vorgeschriebene Preisrabatte, die Senkung der Handelsspanne des Arzneimittelgroßhandels und die Ablösung der Handelsspannen bei den Apotheken durch eine feste Beratungsgebühr, sagte ABDA-Hauptgeschäftsführer Rainer Braun.

Das Sozialministerium bezifferte die Vorzieheffekte der Gesundheitsreform über alle Leistungsbereiche gestern auf 800 Mill. Euro. So seien die Ausgaben für Medikamente im vierten Quartal um 11 % und für Brillen, die es seit 1. Januar nicht mehr auf Krankenschein gibt, um 67% gestiegen. Beim Zahnersatz habe es ein Plus von 16,1 % gegeben, weil viele Versicherte nicht verstanden hatten, dass sie für diesen Leistungsbereich erst ab 2005 eine eigene Versicherung abschließen müssen.

Ohne diese Vorzieheffekte hätte das Defizit der Kassen für 2003 statt bei den nun erreichten 2,9 Mrd. Euro mit 2,1 Mrd. Euro deutlich unter dem Vorjahresniveau gelegen (2,95 Mrd. Euro), erklärte Gesundheitsstaatssekretär Theo Schröder. Im Sommer war das Ministerium noch von einem Minus von 2 Mrd. Euro ausgegangen. Aufs Gesamtjahr gesehen stiegen die Leistungsausgaben mit 1,7 % nur sehr moderat.

Probleme bereitete den Kassen die schwache Konjunktur. Sie führte dazu, dass die beitragspflichtigen Einkommen (Grundlohnsumme) um 0,23 % schrumpften. Probleme bereitet auch der starke Anstieg die Verwaltungsausgaben der Kassen um 3 %, die in Zukunft allerdings nicht stärker als die Einnahmen steigen dürfen. Wegen des niedrigen Krankenstands gingen allein die Ausgaben für Krankengeld deutlich um 7,4 % zurück. Erneut forderte das Sozialministerium die Kassen auf, die erwarteten Einsparungen durch die Gesundheitsreform von 9 bis 10 Mrd. Euro für Beitragssenkungen zu nutzen – das entspräche rund einem Beitragspunkt. Tatsächlich lag aber zum 1. Januar der Durchschnittsbeitrag aller Kassen mit 14,27 % nur geringfügig unter dem Dezember-Schnitt (14,32 %). Nach einer Übersicht des Ministeriums senkten 17 der 288 Kassen zum 1. Januar. Davon profitierten 9,6 Millionen Kassenmitglieder. Zum 1. April sind weitere Senkungen für neun bis 11 Millionen Mitglieder geplant. Zur Jahresmitte rechnet das Ministerium mit einer Unterschreitung der 14-%-Grenze beim Durchschnittsbeitrag.

Quelle: Handelsblatt

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