Zapp-Gruppe
Nachhilfe im Werksunterricht

Die Zapp-Gruppe sorgt sich um den Fachkräftemangel, weil immer weniger geeignete Schulabgänger eine Ausbildung machen wollen. Deshalb geht das Familienunternehmen nun einen offensiven Weg.
  • 0

Düsseldorf/SchwerteNormalerweise stapeln sich auf ihrem Schreibtisch die Bewerbungen für die Ausbildungsplätze. Nur nicht gerade jetzt. Nicht, dass sich niemand bewerben würde. Im Gegenteil: Bei Zapp, einer Unternehmensgruppe der Kaltumformung und Werkstofftechnik mit Sitz in Ratinigen, ist die Ausbildungswelt noch in Ordnung: Die Plätze für 2012 sind schon längst besetzt. Meist sind die 20 Stellen – 7 kaufmännische Ausbildungsplätze, 13 technische – ohnehin schon zu Weihnachten vergeben. Seit ein paar Tagen trudeln die ersten Bewerbungen für das Ausbildungsjahr 2013 ein. Aber noch ist der Stapel hier in der in der Personalabteilung in Schwerte bei Carolin Vohla überschaubar. Diese Woche gibt es erst einmal eine Einführungsveranstaltung für den Jahrgang 2012. Ja, die Welt ist soweit in Ordnung.

Und doch hat sich in Sachen Ausbildung beim Familienunternehmen Zapp einiges verändert – mehr schleichend als offensichtlich. „Ich bin manchmal schon fast überrascht, wenn ich eine völlig fehlerfreie Bewerbung auf dem Tisch liegen habe“, sagt Vohla, sie scheint selbst etwas verwundert über ihre Aussage. Nach wie vor gebe es sehr gute Bewerbungen: Teilweise hätten die Bewerber jedoch massive Probleme mit der Rechtschreibung, von der Kommasetzung ganz zu schweigen. Fehler, die sie auch in den Bewerbungen von Abiturienten finden würde. Woher die Defizite kommen? „Fehlendes Können, das in der Schule nicht vermittelt wurde“, ist die Einschätzung der Personalerin, die seit fünf Jahren bei Zapp ist, „sicher auch verbunden mit mangelnder Sorgfalt“.

Ein K.O.-Kriterium beim Rennen um einen Ausbildungsplatz sind die Fehler in den Bewerbungen trotzdem nicht immer, wenigstens nicht, wenn es um den technischen Bereich geht. Vohla: „Wenn die Fehler nicht zu gravierend sind, alles andere aber stimmt, lade ich die Bewerber trotzdem ein.“ Dann weist sie die Schulabgänger allerdings auf ihre Fehler hin. Wer jedoch mit solch einer Bewerbung auf ein Vorstellungsgespräch für eine kaufmännische Ausbildung oder ein Verbundstudium hofft, der wartet vergeblich. Das sind Bewerbungen, die Vohla sofort aussortiert. Und so schafft es nur weniger als ein Zehntel von rund 950 Bewerbern zu einem Vorstellungsgespräch.

Die fehlende Bildung vieler Schulabgänger ist ein Aspekt, der die Sorge um den Fachkräftemangel nicht nur bei Zapp schürt. Gut 62 Prozent der Unternehmen im IHK Bezirk Dortmund (Dortmund, Hamm und Kreis Unna) sehen dadurch eine Gefährdung für ihr Unternehmen. Für die Ausbildungsplatzsituation heißt das: Noch immer sind 1.496 von 6.347 Ausbildungsplätzen für 2012 unbesetzt. Zum Vergleich: Deutschlandweit sind es noch 143.000 Stellen. Die Wirtschaft schaut auf den doppelten Jahrgang 2013. Dann, so die Hoffnung der IHK Dortmund, könnten sich mehr Abiturienten für eine Ausbildung im dualen System entscheiden.

Kommentare zu " Zapp-Gruppe: Nachhilfe im Werksunterricht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%