ZDF-Interview Wie Dobrindt „geslomkat“ wird

Auf die linke Revolution der Eliten folgt eine konservative Revolution der Bürger? Mit dieser These hatte CSU-Politiker Dobrindt reichlich provoziert. Im Interview mit ZDF-Moderatorin Slomka ringt er um Antworten.
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ZDF-Interview: Alexander Dobrindt von Marietta Slomka entlarvt Quelle: screenshot/Meedia
Slomka und Dobrindt

Konservative Revolution?

(Foto: screenshot/Meedia)

Wie schon Sigmar Gabriel, Horst Seehofer und einige andere zuvor wird sich nun auch Alexander Dobrindt „geslomkat“ fühlen. In einem siebenminütigen Interview im „heute journal“ hatte die Moderatorin den CSU-Politiker „gegrillt“. Vor den Sondierungsgesprächen mit der SPD ging es dabei um Dobrindts steile These: „Auf die linke Revolution der Eliten folgt eine konservative Revolution der Bürger“.

In einem Gastbeitrag in der Welt hatte der Landesgruppenchef der CSU zuvor eine „linke Meinungsvorherrschaft in Deutschland” konstatiert und gegen die 68er gewettert, die in den Medien und in den Institutionen Schlüsselpositionen besetzen würden. „Wir brauchen den Aufbruch in eine neue, konservative Bürgerlichkeit, die unser Land zusammenführt, unsere Wertegemeinschaft stärkt und unsere Freiheit verteidigt”, schreibt der Politiker.

Der Debattenbeitrag zeigt Wirkung. Er löste tatsächlich eine Diskussion aus. Allerdings eine, bei der Dobrindt bereits im Laufe des gestrigen Tages nicht sonderlich gut aussah. So stellte beispielsweise „Monitor”-Chef Georg Restle in einem Brief an Dobrindt die Frage, von welcher „linken Revolution“ Dobrindt denn spreche, wenn in den vergangenen 35 Jahren 28 Jahre lang die CSU in der Bundesregierung saß – und in Bayern ja ohnehin seit Jahrzehnten regiert.

Am Abend stellte sich der Ex-Minister den Fragen von Marietta Slomka im „heute journal” und machte alles andere als eine gute Figur. Auf die Einwände der Journalistin, ob beispielsweise Helmut Kohl in seinen 16-Regierungsjahren und der damals ausgerufenen „geistig-moralischen Wende” denn nichts erreicht hätte, hatte Dobrindt keine Antwort, wie auch auf die simple Definitions-Frage, warum er von einer „Revolution” spreche. Das Interview wurde zum Duell, in dem der Minister keinen Punkt machen konnte.

Die folgenden Reaktionen im Social-Web ließen ebenfalls kein gutes Haar an dem Auftritt. Bei Twitter war schnell von „vorführen”, „entlarven” und „irre” die Rede.

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12 Kommentare zu "ZDF-Interview: Wie Dobrindt „geslomkat“ wird"

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  • Schaun wir mal, wann der CSU-Wähler es merkt, wie peinlich Herr D. ist. Dem Bierzeltbesucher ist's doch eh egal, der will was zum Jubeln haben. Mal abgesehen von der Partei , die sich links nennt, hat es in Deutschland der Nachwendezeit doch wohl eher querbeet einen Rechtsruck gegeben. Schröder hat angefangen, den Mittelstand anzugreifen und die GroKos sichern seitdem primär Besitzeinkommen ab. Leistung lohnt sich hierzulande schon lange nicht mehr und mit dem bedingungslosen Einkommen wird der Niedergang der sozialen Marktwirtschaft seine logische Fortsetzung erfahren. Über bedingungslosen Bildungszugang denkt in unseren Parteien jedoch niemand öffentlich nach. Diese Recource ist offensichtlich keinen Cent wert.

  • Das eigentliche Problem sind ja nicht die normalen Leute, sondern die Internet-Trolle. Trolle und Trump bringen den ganzen Schwachsinn in die Welt. Man muss nur vorsichtig sein, wen diese Leute letztendlich an die Macht bringen wollen. Ob man sie nun Quatschköpfe, Rechtspopulisten oder Nationalionalszialsien nennt, ist fast egal. Sie wissen, wie man Menschen aufpeitscht.

  • An diesen Stammtischbrüdern Marke Dobrindt sieht man ziemlich traurig, was passiert, wenn diese Leute wirklich ans Licht geholt werden. An ihren Stammtischen oder mit Fake-News bei Facebook können sie immer Stimmung machen. Aber wenn sie ernsthaft regieren müssen - dann wirds unangenehem. Protest schön und gut. Aber in den Parlamenten machen die AfD Abgeordneten eine erbärmliche Figur.

    Irgendwie muss ja auch vernünftig regiert werden. Wer soll das tun? Wenn nur noch Stammtischbrüder in die Parlamente geschickt werden, lachen sich die Geschäftsführer der großen Konzerne kaputt. Die betonieren dann überall ihre Zufahrtsstraßen hin, und freuen sich, wenn der Pöbel die Ausländer verdrischt. Im Fernsehen machen die Trumps dann Show für die Deppen.

  • @ Herr Tomas Maidan05.01.2018, 13:57 Uhr

    Schröder war immerhin Sozialdemokrat und Merkel hat ihn links überholt.

  • Vom Staatsfernsehen gepfändet. Willkommen in Demokratie 0.0.

  • Herr Maidan, obwohl Sie sich mehr Hirn von oben wünschen hat der Segen des Herr bisher nicht erreicht. Das tut mir natürlich sehr leid, weil Sie dadurch den größten Präsidenten aller Zeiten Herrn Trump, nicht würdigen können. Es heißt aber, die Hoffnung stirbt zuletzt.

  • Auch wenn die CSU in der Regierung saß, unter Merkel ist die CDU immer weiter nach links gerückt, was ja auch der SPD gehörig zu schaffen macht. Das können auch linke Journalisten nicht weg "slomkaten". Bereits unter Kohl wurde für die Wiedervereinigung mehr auf den Staat, als auf die Soziale Marktwirtschaft gesetzt. Die jetzige CDU ist von marktwirtschaftlichem Verständnis weit entfernt. Wenn Herr Dobrindt es nicht weiß, in Deutschland wurden fast alle konservativen Standpunkte zu gunsten einer von linken Politikern und Medien gesteuerten Mainstream geräumt. Innere und äußere Sicherheit, Ehe und Familie, europäische Werte um nur einige zu nennen. In der Flüchtlingspolitik haben sich Mulitkultiträumer unter Führung von Frau Merkel durchgesetzt, die nicht mal das Nötigste für die Sicherheit tun wollen. Wenn dann was passiert, sind die Behörden schuld, die vorher ausgebremst wurden. Deutschland übernimmt mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge, die in die EU kommen. Wenn wir Griechenland und Italien als Einfallsländer ausschließen, ist es mit der Verteilung nicht weit her. Geschimpft wird aber nur auf die Visegrad-Staaten. Diese ganze Entwicklung wird man ja wohl nicht den "Rechten" zuschreiben wollen. Bislang hatte die CSU keine Möglichkeit sich durchzusetzen, da Frau Merkel auch ohne sie eine Mehrheit hatte. Das hat sich jetzt geändert. Wenn sie allerdings jetzt ihre berechtigten Forderungen nicht durchsetzt, wird sie im Herbst ein Fiasko erleben.

  • Dobrindt hat einfach nicht recht - es war keine linke Revolution der Eliten - eher der emotionalen Merkel.
    Merkel ignoriert internationale Verträge und lädt Flüchtlinge massiv nach Deutschland ein - besser und leicht durchführbar wäre die Unterstützung des UN-HCRs gewesen.
    Merkel macht eine linke Politik und vernichtet alle, die nicht ihrer Meinung sind.
    Merkel hat 8% verloren, gibt es Neuwahlen wird sie wieder verlieren!
    Und Dobrindt und Seehofer versuchen sowas wie eine GROKO reloaded?
    Geht nicht, funktioniert nicht, will keiner, kostet ein riesen Haufen Geld und bringt aus massive Wählerverluste für GROKO absolut nichts.
    Lasst die GROKO sein - es wird eine Totgeburt - und in Bayern verliert ihr, liebe CSU, die absolute Mehrheit und keinen stört es außer euch!
    Ihr werdet einen Wähler - Wanderung Richtung FDP, AfD und Linke sehen!
    ARMES BAYERN, ARME CSU

  • Dobrindt versucht ein bisschen den Trump.

    Zum Glück ist die politische Kultur in Deutschland noch nicht auf diesem Niveau angekommen.

    Dobrindts hilflose Versuche, in die Debatte den von den Rechten gewünschten "Spin" hineinzubekommen, zeigt nur, dass die Deutschen nicht so doof wie angenommen sind. In Polen mag man damit in den ländlichen Gebieten auftrumpfen können, in den USA sowieso, aber in Deutschland funktioniert das schlecht. Soll Herr Dobrindt mal versuchen, ein deutsches Volkslied anzustimmen, das alle kennen und mögen und das alle sofort mitsingen. ... "Der Mond ist aufgegegangen"?

    Na, gute Nacht, Deutsch-Nationalismus.

  • Denke ich "Völliges Versagen" bei der Regierungsarbeit der vergangenen Legislaturperiode, fällt mir als erstes Alexander Dobrindt ein. Jetzt weiß ich auch, warum das so ist.

    Der arbeitet immer noch an der geistig-moralischen Erneuerung, an der sich schon Kohl 16 Jahre mit illegaler Parteienfinanzierung, anschließend Schröder als "Genosse der Bosse" und jetzt Angela "welches Thema kann ich Konkurrenzparteien noch streitig machen" Merkel die Zähne ausgebissen haben.

    Ob Alexander Dobrindt weiß, dass in Bayern seit 60 Jahren CSU-geführte Regierungen das Sagen haben und eine in seinem Kopf manifestierte "linke Revolution der Eliten" nicht zu verhindern wussten? Sollte er mal gurgeln.

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