Auch Dank der guten Konjunktur haben in diesem Jahr deutlich mehr Jugendliche einen Ausbildungsplatz gefunden als 2006. Nach Informationen des Handelsblatts wuchs die Zahl der Lehrstellen bis zum Ende des Ausbildungsjahres um fast ein Zehntel. Die Handwerkskammern zählten 12 000 oder 8,3 Prozent mehr Lehrstellen. Bei den Industrie- und Handelskammern lag das Plus bei neun Prozent.
Lehrlinge bei der praktischen Ausbildung. Die Zahl der Angebote für die Jugendlichen steigt. Foto: dpa
BERLIN. „Hält die positive Entwicklung an, rechne ich bis zum Jahresende mit fast 180 000 neue abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Handwerk. Damit hätten wir bei den Neuabschlüssen wieder das Niveau von 2001 erreicht,“ sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler dem Handelsblatt. Im vergangenen Jahr hatte das Plus bei gerade mal 0,3 Prozent gelegen.
Besonders erfreulich sei der Zuwachs an betrieblichen Ausbildungsplätzen, sagte Kentzler. Hier gab es bundesweit ein Plus von 8,2 Prozent, davon 7,9 Prozent in West- und 9,8 Prozent in Ostdeutschland. Als Grund nannte Kentzler die deutlich bessere Konjunktur. „Die Betriebe planen nach jahrelanger Durststrecke wieder ein Wachstum für die Zukunft mit ein. Sie suchen Auszubildende, um den kommenden Fachkräftebedarf zu decken.“ Vor allem die Gewerkschaften kritisieren seit Jahren die zu geringen Ausbildungsanstrengungen der Betriebe.
Viele Handwerksbetriebe suchen händeringend nach Auszubildenden. Den Daten des ZDH zufolge gibt es derzeit noch in allen Handwerkskammerbezirken unbesetzte Ausbildungsplätze. „Ich fürchte,“ sagte Kentzler, „die Chancen im Handwerk werden von vielen Eltern und Jugendlichen verkannt.“ Dabei sei der Gesellenbrief im Handwerk die beste Rückversicherung gegen Arbeitslosigkeit – „und eine Basis für den Aufstieg bis hin zum Meister und Unternehmer.“ Eine Ausbildung im Handwerk biete auch Kindern eine Chance, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen. „Junge Leute mir Rückgrat, dem Willen zur Ausbildung und zu Leistung werden gesucht,“ sagte Kentzler. Herkunft und Nationalität seien da egal.
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Allerdings stellten ZDH und DIHK auch in diesem Jahr fest, dass viele Schulabgänger nur unzureichend für eine Berufsausbildung qualifiziert sind. Jeder zehnte Schüler verlasse die Schule ohne einen Schulabschluss. Ein Viertel verfüge nicht über ausreichende Kenntnisse im Rechnen und Schreiben. Das Handwerk hat deshalb eine „nationale Bildungsinitiative“ vorgeschlagen und fordert ein verpflichtendes Vorschulalter und einen bundesweiten Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige.
Auch mit den neuen, auf zwei Jahre Ausbildung angelegten Berufen, versucht die Wirtschaft den Defiziten Rechnung zu tragen. Sie erfreuen sich nach einer neuen Studie des DIHK wachsender Beliebtheit. Gegenüber 2006 stieg die Zahl der Lehrverträge in diesen vor allem für praktisch begabte Jugendliche interessanten Berufsbildern um 20 Prozent. Insgesamt wurden 22 000 Verträge abgeschlossen. Besonders nachgefragt wurden die Berufe Maschinen- und Anlagenfahrer, Servicefachkraft für Dialogmarketing und Fachlagerist oder Verkäufer.
Attraktiv sind kürzere Ausbildungsberufe nicht nur deshalb, weil sie schneller zum Abschluss führen. In vielen Fällen können die Jugendlichen nach dem ersten Abschluss eine weitere Ausbildung beginnen, die in der Regel nach einem weiteren Jahr – ohne Zeitverlust – zu einem zweiten Berufsabschluss führt. Für die Unternehmen sind sie interessant, weil sie sich statt für drei nur für zwei Jahre an einen Lehrling binden müssen. Der DIHK fordert daher von der Bundesregierung, weitere zweijährige Berufe zuzulassen.

