ZDH-Vorstoß
Parteien lehnen Urlaubskürzungen ab

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) prallt mit seinem Vorstoß zur Anrechnung von Krankheitstagen auf den Urlaub bei allen Parteien und den Gewerkschaften ab. Die CDU findet die Äußerungen "nicht angemessen", SPD und Grüne sprechen von "Unsinn".

HB BERLIN. „Ich halte solche Vorschläge für viel zu weitgehend und auch nicht angemessen“, sagte Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus vor einer Sitzung von CDU-Präsidium und -Vorstand. Am Arbeitsmarkt müsse es aber insgesamt mehr Flexibilität geben, außerdem müssten das Arbeits- und Tarifrecht vereinfacht werden. Der hessische Ministerpräsident Roland Koch sagte, der Vorschlag von ZDH-Präsident Otto Kentzler habe für die CDU keine Priorität. FDP-Chef Guido Westerwelle nannte Kentzlers Vorschlag ebenfalls „nicht sinnvoll“.

Offen zeigte sich allerdings der rheinland-pfälzische CDU-Chef Christoph Böhr. „Wir brauchen ein Gesamtkonzept, und dazu gehört, Arbeit billiger zu machen. Und da ist das ein Vorschlag, der dieses Ziel erreicht, aber der im Zusammenhang gesehen werden muss.“ Führende SPD-Politiker und Verdi-Chef Frank Bsirske wiesen den Vorschlag strikt zurück.

ZDH-Präsident Kentzler hatte im Magazin „Focus“ gefordert, Krankheitstage der Arbeitnehmer mit deren Urlaubsanspruch zu verrechnen: „Das ist ein absolutes Muss.“ Alternativ könne auch eine Anrechnung auf Arbeitszeitkonten in Frage kommen. Urlaub müsse erwirtschaftet werden. An eine Anrechnung im Verhältnis eins zu eins sei aber nicht gedacht.

Der künftige nordrhein-westfälische Arbeitsminister und designierte Vorsitzende des CDU-Arbeitnehmerflügels CDA, Karl-Josef Laumann, lehnte den Vorschlag ab. In Deutschland werde derzeit der niedrigste Krankenstand seit mehr als 30 Jahren verzeichnet. Dies zeige, dass die Arbeitnehmer nicht einfach krankfeierten. Deshalb erübrige sich die von Kentzler angestoßene Debatte.

Bundesfinanzminister Hans Eichel sagte am Rande einer SPD-Präsidiumssitzung: „Wir haben die niedrigsten Krankenstände seit Jahrzehnten in Deutschland, und irgendwo ist Schluss mit solchem Sozialabbau.“ Der stellvertretende Parteivorsitzende Kurt Beck sprach von einem aberwitzigen Vorschlag.

Die Grünen bezeichneten die Äußerungen Kentzlers als „Unsinn“. „In einer Zeit, in der es um eine ernsthafte Reform der sozialen Sicherungssysteme geht, ist das Schwachsinn“, sagte Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke. Es könne nicht angehen, dass man Beschäftigten, die krank würden, den Urlaub wegnehme.

Scharfe Kritik übte auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Gewerkschaftschef Bsirske bezeichnete den Vorstoß im „Tagesspiegel“ als abstruse Idee zur Arbeitszeitverlängerung. Der Jahresurlaub sei zur Wiederherstellung der Arbeitskraft und nicht zum Auskurieren von Krankheiten gedacht, fügte er hinzu.

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