Zeitarbeit
Industrie rebelliert gegen Pläne der Regierung

Nach der FDP entdeckt auch die CDU/CSU ihre Sympathie für das Ziel, prinzipiell gleiche Löhne für Zeitarbeiter und Stammkräfte durchzusetzen. Nicht nur für die Zeitarbeitsbranche ist diese Wendung ärgerlich – auch die Metall- und Elektroindustrie ist alarmiert.
  • 1

BERLIN. Die Zeitarbeitsverbände kommen mit ihrer Einigung auf eine gemeinsame Mindestlohn-Strategie womöglich zu spät: Nach der FDP entdeckt zunehmend auch die CDU/CSU ihre Sympathie für das Ziel, prinzipiell gleiche Löhne für Zeitarbeiter und Stammkräfte durchzusetzen. Anders als bei einem Branchen-Mindestlohn würde sich die Bezahlung der Zeitarbeiter dann nach Tarifverträgen anderer Branchen richten – jeweils abhängig davon, wo ein Zeitarbeiter gerade tätig ist.

„Gleiche Löhne für Zeitarbeiter und Stammbelegschaften sind ein Ziel, das auch über den relativ kleinen Bereich der Stahlindustrie hinaus als Beispiel dienen sollte“, sagte die Vizechefin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ingrid Fischbach, dem Handelsblatt. In der Stahlindustrie hat die IG Metall einen neuen Branchentarifvertrag durchgesetzt, der Stahlfirmen verpflichtet, Zeitarbeiter nur zu Tarifkonditionen der Stahlindustrie einzusetzen.

Die Fachpolitiker der Koalition verhandeln derzeit über eine Gesetzesregelung, die Niedriglöhne in der Zeitarbeit bekämpfen soll. Dabei war die Union mit dem Ziel gestartet, einen tariflichen Mindestlohn – ähnlich wie in anderen Branchen – über das Entsendegesetz für allgemein verbindlich zu erklären. Die FDP lehnt dies ab und drängt darauf, direkt per Gesetz das Prinzip gleicher Löhne vorzugeben. Nur für gewisse Einarbeitungszeiten kämen dann noch Tarifregelungen der Zeitarbeitsbranche zum Zuge. Nach Angaben aus Koalitionskreisen sollen beide Ansätze noch in dieser Woche zu einem gemeinsamen Kompromiss zusammengeführt werden.

Für die Zeitarbeitsbranche ist diese Wendung ärgerlich, weil sich ihre Arbeitgeberverbände gerade verständigt haben, alte Konflikte zu beenden und einen gemeinsamen tariflichen Mindestlohn festzulegen – mit Stundensätzen, die im Mai 2011 bei 7,79 Euro (West) und 6,89 Euro (Ost) beginnen sollen. Anders als bisher hätte die Politik so erstmals eine Basis, um eine verbindliche Untergrenze auch für Entsendearbeitnehmer aus den östlichen EU-Staaten festzulegen. Sollte die Regierung nun umschwenken, wäre die Mühe womöglich vergebens gewesen.

Alarmiert ist auch die Metall- und Elektroindustrie, die neben 3,4 Mio. Stammkräften etwa 200 000 Zeitarbeiter einsetzt. Eine solche Umstellung sei ein „grundsätzlicher Paradigmenwechsel“, der „neue Probleme schaffen“ könne, warnte der Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Erst recht könne der neue Stahl-Tarifvertrag „in keiner Weise ein Modell oder gar Vorbild“ sein. Auch der Verband der Familienunternehmer warnte davor, die Zeitarbeit zu „beschädigen“.

In der Zeitarbeitsbranche wollen die Arbeitgeberverbände BZA und AMP nach ihrer neuen Einigkeit beim Mindestlohn nun sogar förmlich fusionieren. Zumindest dafür ernten sie klares Wohlwollen in der Politik. „Das ist in jedem Fall ein positives Signal“, sagte Fischbach. Wenn Tarifpolitik für Zeitarbeiter „nicht mehr durch organisationspolitische Interessenkonflikte überlagert wird, dann kann das für die Entwicklung der Branche und der Arbeitsbedingungen dort nur vorteilhaft sein“.

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Zeitarbeit: Industrie rebelliert gegen Pläne der Regierung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Equal Pay und Mindestlohn muss man doch unabhängig voneinander behandeln. Ein Mindestlohn ist unabdingbar für die branche um sich ab Mai 2011 vor ausländicher billigkonkurenz und Wettbewerbsverzerrung zu schützen. Aber gerade das will die FDP nicht. Die möchte lieber für ihre Klientel Arbeitsleistung so billig wie möglich einkaufen. EP muss nach kurzer Einarbeitungszeit max. 3 Monate kommen.

    mfG

    Ein Leiharbeitnehmer

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%