In der Metall- und Elektroindustrie tobt ein immer heftigerer Meinungskampf über die Bedeutung der Zeitarbeit. Die IG Metall will ihre Kampagne für gesetzliche Beschränkungen dieser Beschäftigungsform in nächster Zeit weiter forcieren - die Arbeitgeber werfen ihr vor, damit Machtpolitik auf dem Rücken der Unternehmen zu betreiben.
Die Zahl der Zeitarbeiter ist im vergangenen Jahr allein in der Metallindustrie um 40 000 gestiegen. Foto: dpa
BERLIN. Offenkundig verfolge die IG Metall mit ihren Aktivitäten "in erster Linie egoistische organisationspolitische Interessen", sagte der neue Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, Ulrich Brocker. Er beklagte eine "wachsende Aggressivität", mit der die IG Metall "die Zeitarbeit bekämpft".
Die Gewerkschaft hatte in der vergangenen Woche mit einer Aktionskonferenz in Stuttgart eine neue Phase ihrer Kampagne gestartet. Motto: "Leiharbeit - verhindern, begrenzen, gestalten". Ab April will sie damit bundesweit den Druck auf die Politik verstärken. Damit will sie für Zeitarbeiter unter anderem gleiche Löhne wie für Stammbeschäftigte sichern. Außerdem will sie etwa die maximale Einsatzdauer je Betrieb beschränken, damit Zeitarbeiter als Ersatz für Stammbeschäftigte uninteressant werden.
Wie die Große Koalition damit umgeht, ist noch offen: Zwar hat die Union inzwischen der Einführung eines neuen Mindestlohns für Zeitarbeiter eine klare Absage erteilt. Jenseits davon gibt es aber noch eine Vereinbarung der Koalition, die Entwicklung der Zeitarbeit zu "analysieren" und zu "prüfen". Die SPD will auf dieser Basis die 2004 von Rot-Grün umgesetzten rechtlichen Lockerungen für die Zeitarbeit zurückdrehen.
Gesamtmetall wies die These zurück, wonach Metallbetriebe immer mehr Stammarbeitsplätze durch Zeitarbeit ersetzten. Bei "schwankenden Firmenkonjunkturen" sei Zeitarbeit vielmehr ein wichtiger "Stabilisator" der Stammbelegschaften, betonte Brocker. Das belegten auch die Antworten von knapp 500 Firmen in einer neuen Gesamtmetall -Umfrage.
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Zum einen dauert danach der Einsatz der Zeitarbeiter nur in 19 Prozent der Fälle länger als ein Jahr. Zum anderen begründen die Betriebe den Einsatz von Zeitarbeitern am häufigsten mit Motiven, die für einen vorübergehenden Einsatz sprechen: Sie wollen ihre Flexibilität erhöhen (88 Prozent) oder suchen Vertretungen für Ausfallzeiten (60 Prozent). Kostensenkung folgt mit 24 Prozent auf Rang drei.
IG-Metall-Vize Detlef Wetzel hatte beklagt, dass die Zahl der Zeitarbeiter im vergangenen Jahr allein in der Metallindustrie um 40 000 gestiegen sei. "Die Unternehmen überziehen beim Thema Leiharbeit", sagte er. "Da können wir nicht tatenlos zuschauen." Gesamtmetall wertet die Zahl hingegen als Zwischenschritt in einem typischen Konjunkturverlauf: Am Beginn eines Aufschwungs setzten die Betriebe naturgemäß erst verstärkt auf Zeitarbeit.
Je mehr sich die Entwicklung stabilisiere, desto mehr wachse die Neigung, Stammbelegschaften zu verstärken. Daher erwartet Brocker, dass das Zeitarbeitsvolumen in der Metallindustrie bereits 2008 den Höhepunkt überschreitet. Tatsächlich liegt das Motiv der IG Metall nach Ansicht der Arbeitgeber darin, dass sie bisher kein Rezept habe, Zeitarbeiter zu organisieren. Ihre Mitgliederwerbung zu unterstützen, sei aber weder Aufgabe der Politik noch der Tarifpolitik.
Auch für eine Beschränkung der Zeitarbeit durch Regelungen auf der Ebene des Flächentarifs gebe es daher "überhaupt keinen Anlass", so Brocker. Die Forderung nach gleichen Löhnen für Zeitarbeiter und Stammbeschäftigte halte er aus einem weiteren Grund für nicht gerechtfertigt: Tatsächlich seien Stammarbeitnehmer hinsichtlich spezifischer Anforderungen ihres Betriebs meist besser qualifiziert.


