Zum einen dauert danach der Einsatz der Zeitarbeiter nur in 19 Prozent der Fälle länger als ein Jahr. Zum anderen begründen die Betriebe den Einsatz von Zeitarbeitern am häufigsten mit Motiven, die für einen vorübergehenden Einsatz sprechen: Sie wollen ihre Flexibilität erhöhen (88 Prozent) oder suchen Vertretungen für Ausfallzeiten (60 Prozent). Kostensenkung folgt mit 24 Prozent auf Rang drei.
IG-Metall-Vize Detlef Wetzel hatte beklagt, dass die Zahl der Zeitarbeiter im vergangenen Jahr allein in der Metallindustrie um 40 000 gestiegen sei. "Die Unternehmen überziehen beim Thema Leiharbeit", sagte er. "Da können wir nicht tatenlos zuschauen." Gesamtmetall wertet die Zahl hingegen als Zwischenschritt in einem typischen Konjunkturverlauf: Am Beginn eines Aufschwungs setzten die Betriebe naturgemäß erst verstärkt auf Zeitarbeit.
Je mehr sich die Entwicklung stabilisiere, desto mehr wachse die Neigung, Stammbelegschaften zu verstärken. Daher erwartet Brocker, dass das Zeitarbeitsvolumen in der Metallindustrie bereits 2008 den Höhepunkt überschreitet. Tatsächlich liegt das Motiv der IG Metall nach Ansicht der Arbeitgeber darin, dass sie bisher kein Rezept habe, Zeitarbeiter zu organisieren. Ihre Mitgliederwerbung zu unterstützen, sei aber weder Aufgabe der Politik noch der Tarifpolitik.
Auch für eine Beschränkung der Zeitarbeit durch Regelungen auf der Ebene des Flächentarifs gebe es daher "überhaupt keinen Anlass", so Brocker. Die Forderung nach gleichen Löhnen für Zeitarbeiter und Stammbeschäftigte halte er aus einem weiteren Grund für nicht gerechtfertigt: Tatsächlich seien Stammarbeitnehmer hinsichtlich spezifischer Anforderungen ihres Betriebs meist besser qualifiziert.


