Zeitdiagnose
Jugend 2050 – Familie, Kinder und Erfolg

Die Rolle der Alten beim demographischen Wandel ist erforscht. Jetzt wagen Soziologen eine Zeitdiagnose für die Gruppe der Jugendlichen. Endet die Ära der Spaßgeneration? Keine anderen biografischen Perspektiven werden so hoch eingeschätzt wie Familienleben und eine erfolgreiche Karriere.

POTSDAM. Während letzte Woche in Kopenhagen dänische Jugendliche, unterstützt durch deutsche „Schlachtenbummler“, die Polizei attackierten, meldeten schwäbische Regionalbüros von „Jugend forscht“ ähnlich hübsche Erfolge wie Sachsens „Jugend trainiert für Olympia“. Und ungefähr zur gleichen Zeit, als in der Internatsschule „Schloss Hansenberg“ im Rahmen eines Wettbewerbs „Jugend debattiert“ kluge Argumente für und wider ein Mindestgewicht für Models ausgetauscht wurden, warnten Suchtexperten aus Gifhorn vor einer „erschreckenden Tendenz“ zum „Komasaufen“ und sprachen von Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen, deren Zahl sich innerhalb weniger Jahre vervierfacht habe.

Wer Jugend und Jungsein im „soziodemographischen Wandel“ und dessen Konsequenzen erforscht wie die Sektion Jugendsoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie soeben auf einer Fachtagung an der Universität Potsdam, findet eine erstaunliche Bandbreite von juvenilen Lebensweisen und Interaktionen vor, die von Krawall über Kampftrinken bis zu zivilen Konfliktstrategien, Landflucht und erstaunlichen Sehnsüchten nach guten, alten Bürgerwerten reicht, die besonders unter jugendlichen und jungen Meinungsführern verbreitet sind.

Das hat der Psychologe und Sozialforscher Arthur Fischer herausgefunden, der eine „Untersuchung bei Mitgliedern des Führungsnachwuchses“ vorstellte, die überschrieben ist: „Biographische Vorstellungen junger Menschen in einer sich wandelnden Gesellschaft“. In rund 400 Telefon- und Tiefeninterviews sowie Face-to-face-Gesprächen hat er frisch gebackene Abiturienten, Trainees und Jungmanager mit Personalverantwortung nach ihren biografischen Perspektiven und Strategien befragt, nach ihrem Umgang mit gesellschaftlicher und privater Zukunft. Die wissenschaftliche Untersuchung, gefördert vom Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG, wird demnächst veröffentlicht.

Vorläufige Tendenz: Biografische Vorstellungen verfestigen sich anscheinend relativ früh und für lange Zeit: „Sie variieren,“ so Arthur Fischer, „nicht unbedingt mit fortschreitendem Alter.“ Die eigenen Karriere- und Lebenschancen korrespondieren nach Eigeneinschätzung der Befragten mit einem stabilen demokratischen Gesellschaftssystem, dem mehrheitlich mit Optimismus begegnet wird.

Recht hoch bewerten künftige (Top?-)Entscheider das vorgegebene Statement: „Es wird einen gesellschaftlichen Fortschritt geben, der viele Probleme lösen wird.“ Dieses Bekenntnis zu politischer und demokratischer Stabilität steht allerdings im Widerspruch zu den Ergebnissen der Shell-Jugendstudie 2006 vom vergangenen Herbst, nach der das Desinteresse an konventioneller politischer Beteiligung, an klassischer Politik und deren Institutionen unverändert ist. „Community Service“ und „Service Learning” nach amerikanischem Vorbild könnten Jugendlichen neue Möglichkeiten für gemeinnützige Tätigkeiten öffnen und damit für nicht-konventionelle Partizipation, Mitgestaltung im Gemeinwesen und „zeitnahe Handlungserfolge“, erklärten die Mannheimer Erziehungswissenschaftler Manfred Hofer und Heinz Reinders.

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