Zeitungsmeldung
Praxisgebühr vielleicht bald bei jedem Arztbesuch

Die Krankenkassen drohen mit höheren Beiträgen. Um die Anhebung abzuwenden, überlegt die große Koalition nach Zeitungsinformationen, die Praxisgebühr bei jedem Arztbesuch zu erheben. Allerdings sollen dann nicht mehr 10 Euro bezahlt werden.

HB BERLIN. Laut „Welt“ sollen Patienten die Gebühr von derzeit 10 Euro nicht mehr einmal im Quartal zahlen, sondern bei jedem Arztbesuch 5 Euro. „Das bringt nicht nur mehr Einnahmen, sondern hat auch eine Steuerungsfunktion“, zitiert das Blatt in seiner Freitagsausgabe aus Koalitionskreisen. Das Gesundheitsministerium weist den Bericht dagegen als "Unsinn" zurück.

Durch die Maßnahme bekämen die Krankenkassen relativ kurzfristig schätzungsweise mindestens 1 Mrd. Euro zusätzlich. Im Jahr 2005 brachte die Praxisgebühr Einnahmen in Höhe von 1,6 Mrd. Euro. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sprach sich dafür aus, Risikosportarten aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen auszugliedern. Böhmer sagte der „Berliner Zeitung“ vom Freitag, den Versicherten müsse mit der geplanten Gesundheitsreform mehr Eigenverantwortung übertragen werden. Auf diese Weise ließen sich auch in erheblichem Maße Kosten sparen. Daneben seien auch verstärkte Bonus-Reglungen der Krankenkassen denkbar. „Es kann nicht sein, dass immer die Gemeinschaft einspringt, wenn jemand sich unvernünftig verhält“, sagte Böhmer.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Zöller (CSU) reagierte mit Unverständnis auf Warnungen der Kassen vor deutlich höheren Beitragssätzen im kommenden Jahr. „Das ist ins Blaue hinein gedroht“, sagte er der „Berliner Zeitung“. Da die Gesundheitsreform noch nicht beschlossen sei, hätten die Kassen noch gar keine Grundlagen für ihre Berechnungen. Die SPD-Gesundheitspolitikerin Carola Reimann sagte dagegen, die Finanznöte der Krankenkassen seien echt. „Die Signale kommen auch bei uns an, und wir hören sie mit großer Sorge.“

Der Generalsekretär des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, Hanns-Eberhard Schleyer forderte in der Zeitung, es müsse erstmal über die Höhe der Krankenkassen-Ausgaben gesprochen werden, bevor die Einnahmen weiter ansteigen. „Es ist nicht weiter bezahlbar, dass alle Gesundheitsrisiken von der Versichertengemeinschaft übernommen werden“, sagte er. Eine Beschränkung des Leistungskatalogs auf eine Basissicherung sei unbedingt notwendig. „Das Krankengeld, die Behandlung privater Unfälle und die gesamte Zahnbehandlung beispielsweise müssen schrittweise aus dem Katalog herausgenommen werden.“ Für diese Leistungen sollte aber weiterhin eine Versicherungspflicht gelten.

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